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Silvio Heinevetter Viel Genie - noch mehr Wahnsinn

Nach äußerst schwachem Turnierbeginn stand Silvio Heinevetter heftig in der Kritik. Doch im WM-Achtelfinale gegen Mazedonien avancierte er zum Matchwinner - nicht nur wegen seiner Paraden.

Silvio Heinevetter machte große Augen. Mit dieser Frage hatte er nicht gerechnet. Was er vor seiner spielentscheidenden Parade im WM-Achtelfinale gedacht habe? "Ob ich zu Hause das Licht und die Waschmaschine ausgemacht habe", antwortete Heinevetter und grinste bis über beide Ohren. Die Erleichterung war der deutschen Nummer eins nach der Glanzleistung beim 28:23 gegen Mazedonien deutlich anzumerken. Nach einem durchwachsenen Start ist der extrovertierte Schlussmann pünktlich zum Start in die K.o-Phase auch sportlich voll bei der WM angekommen.

Silvio Heinevetter hasst es, auf der Bank zu sitzen. In der Vorrunde hatte er zusehen müssen, wie der für ihn eingewechselte Carsten Lichtlein im so wichtigen Spiel gegen Argentinien das Tor geradezu vernagelte und vom farblosen Ersatzkeeper zum gefeierten Matchwinner aufstieg. Doch obwohl Heinevetter zur Zielscheibe der öffentlichen Kritik wurde, hielt Bundestrainer Martin Heuberger an seinem Stammktorwart fest. Er schenkte ihm weiter das Vertrauen - und wurde dafür belohnt.

"Er hatte in der Vorrunde nicht die besten Tage. Gegen Frankreich hat er sich dann gesteigert, und mir war klar, irgendwann kommt ein Spiel, das er fast alleine entscheidet. Gegen Mazedonien war das der Fall", sagte Heuberger. Der 48-Jährige ist von den herausragenden Qualitäten des Berliners überzeugt, hatte ihn schon vor dem Turnier zu seinem "absoluten Führungsspieler" gemacht.

Meister der Provokation

Der Keeper mit dem unorthodoxen Stil, der bei Paraden gerne mal quer in der Luft liegt, sieht sich auch selbst als klare Nummer eins. Heinevetter liebt Situationen wie jene in der 43. Minute des Achtelfinales am Sonntag, als Mazedoniens Dejan Manaskov im Gegenstoß auf ihn zugesprintet kam und er mit einer spektakulären Rettungstat den Anschlusstreffer verhinderte.

Der Schlussmann mit den langen Haaren ist zu einer Marke geworden - auch abseits des Handball-Feldes. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, Tatort-Kommissarin Simone Thomalla, gehört er inzwischen zum Berliner Jetset und ziert nicht selten die Klatschseiten der Regenbogen-Presse. "Das ist mir völlig egal. Ich lasse so etwas gar nicht an mich heran. Bunte Blätter lese ich nicht", sagt Heinevetter.

Doch Heinevetter weiß um seine mediale Wirkung und eckt auch durchaus mal gerne an. Im vergangenen Jahr geriet er mit Verbandspräsident Ulrich Strombach aneinander. Nach Platz sieben bei der EM kritisierte der 28-Jährige das DHB-Oberhaupt mit den Worten "Ahnung vom Handball hat der nicht, wenn wir ganz ehrlich sind" und sorgte damit für Schlagzeilen. Auch auf dem Spielfeld liebt der Keeper der Füchse Berlin die Provokation und rennt auch schon mal über den halben Platz, um einem Gegenspieler die Leviten zu lesen.

Lockere Zunge

Zudem ist der Instinkt-Handballer immer für einen guten Spruch gut. Warum er nicht Feldspieler geworden ist? "Ich habe alles ausprobiert, aber der kleine, dicke Junge musste damals ins Tor. Es war natürlich ein Vorteil für mich - da musste ich nicht so viel laufen und konnte mir das Spiel in Ruhe von hinten angucken", so Heinevetter unmittelbar vor dem Turnier bei Sport 1.

Inzwischen ist der gebürtige Thüringer längst einer der besten Torhüter der Welt. In Berlin ist Heinevetter gereift, dort hat er auch seine Starallüren weitgehend in den Griff gekriegt. Heinevetter hat begriffen, worum es geht. Anstatt sich nach der durchwachsenen Vorrunde öffentlich über die Kritik an seiner Person zu beschweren, biss er sich auf die Zunge - und untermauerte in den Spielen gegen Frankreich und Mazedonien seine Ausnahmestellung. Mit Leistung. Auf dem Platz.

Mit dem Einzug ins Viertelfinale gibt sich Heinevetter aber nicht zufrieden. Den Begriff "Zugabe" will er nicht hören: "Das klingt so, als ob wir es nicht mehr brauchen. Das Turnier ging mit dem Mazedonien-Spiel erst los. Und wir werden uns jetzt nicht zurücklehnen und die Beine hochlegen." Ein Heinevetter ganz bestimmt nicht.

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