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Pep Guardiola beim FC Bayern München Scheitert er an dieser heiklen Mission?

Sein naher Abschied beim FC Bayern München bringt Trainer Pep Guardiola in eine Zwickmühle. Deshalb beschört der Trainer im Trainingslager in Doha das Wir-Gefühl. Aber wird das reichen?

Plötzlich brüllt Pep Guardiola und klatscht vor Freude in die Hände. "That is fucking quality!", hallt es über den Fußballplatz der Aspire Academy in Doha. "Das ist verdammte Qualität!"

Der 44 Jahre alte Cheftrainer des FC Bayern steht während des Vormittagstrainings auf dem Rasen und freut sich bei 22 Grad Celsius im Schatten über jeden gelungenen Spielzug seiner Mannschaft. Aus dem Hintergrund dröhnt der Lärm einer Stadionbaustelle und vermischt sich mit Vogelgezwitscher vom Band, das die Betreiber des Sportcampus jeden Tag durch die im Gelände aufgestellten Lautsprecher klingen lassen.

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Nach der Übungseinheit umarmt noch ein arabischer Fan den Trainerstar auf dessen Weg ins Mannschaftshotel "Grand Heritage" und drückt Guardiola dabei ungelenk seinen Selfie-Stab in den Rücken. Weltmeister Thomas Müller fährt unterdessen mit Kapitän Philipp Lahm in einem Golfcar ins Hotel. Szenen unter Palmen wie aus einer perfekten, heilen Fußballwelt.

Fast hat es hier im Trainingslager am Persischen Golf den Anschein, als sei es nur der übliche, geschäftsmäßige Aufgalopp, bevor für den FC Bayern nach der Winterpause am 22. Januar mit dem Bundesligaspiel beim Hamburger SV wieder der Alltag und die zweite Hälfte der Saison beginnt. In diesem Jahr aber stehen für die Münchner die fünf Monate bis Ende Mai unter besonders heiklen Vorzeichen.

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Pep Guardiola wird am Ende der Serie den Klub verlassen. Der hagere Katalane will sich einen Traum erfüllen und als Trainer nach England in die Premier League wechseln. Drei Jahre bei den Bayern seien genug, so Guardiola, er benötige "eine neue Herausforderung".

Guardiolas Abgang setzt Rummenigge unter Druck

Der freiwillige Abgang setzt den deutschen Rekordmeister gehörig unter Druck, denn in den kommenden Monaten müssen die Klubchefs noch mehr als sonst Gegenwart und Zukunft gleichzeitig bearbeiten. Einerseits gilt es sicherzustellen, dass Guardiola nicht zur "lame duck" wird, zu einem Trainer ohne wirklichen Einfluss. Und gleichzeitig muss, in Kontakt mit dem 56 Jahre alten Italiener Carlo Ancelotti, der im Sommer als Cheftrainer übernimmt, die Mannschaft für die neue Saison geplant werden. "Die Erfahrungswerte sind so, dass wir kein Vakuum entstehen lassen sollte", betont Matthias Sammer.

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Der Sportvorstand des Bundesliga-Tabellenführers und der Technikdirektor Michael Reschke sind durch Guardiolas Entscheidung mehr gefordert als jemals zuvor in ihrer Position. Sie müssen die sich verändernden Stimmungen und Strömungen kanalisieren, die sich durch Guardiolas Entscheidung ergeben. Und gleichzeitig die Zukunft planen, Profis und Verstärkungen finden, die zu Ancelottis Vorstellungen passen.

Sammer beobachtet deshalb in Doha, wie es scheint, noch intensiver als sonst jedes Training, steht aufmerksam in neonfarbenen Turnschuhen direkt am Spielfeldrand. Freitag lockerte Boris Becker die Anspannung beim gebürtigen Dresdner, die Tennislegende plauderte am Rande des Platzes ein wenig mit Sammer über seinen Lieblingsklub.

FC Bayern nimmt Anleihen bei Heynckes

Der 48 Jahre alte FCB-Sportvorstand setzt darauf, dass es auf der Zielgeraden der Zusammenarbeit mit Guardiola keinerlei Reibungsverluste geben wird. "Ich wüsste nicht, warum sich im täglichen Umgang etwas ändern sollte", sagt Sammer. "Wir haben gute Erfahrungen gemacht unter Jupp Heynckes."

Im Fall Heynckes hatten die Bayern ebenfalls Anfang 2013 bekannt gegeben, dass der Trainer im Sommer gehen und durch Guardiola ersetzt werde. Im Mai verabschiedete sich Heynckes mit dem Triple – dem Gewinn von Meisterschaft, Pokal und Champions League. Der größte Erfolg der 105-jährigen Klubgeschichte. Den die Profis mit höchster Konzentration wiederholen wollen.

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"Wir müssen uns jetzt fokussieren und Schritt für Schritt gehen", mahnte Mittelfeldspieler Xabi Alonso seine Kollegen in Doha. "Ancelotti ist ein großer Trainer. Aber bis er kommt, ist noch viel Zeit. Die Achtelfinals gegen Juventus fühlen sich an wie Halbfinals. Und werden sehr knapp!"

Alonso und Sammer wissen, wie schwierig es wird, das Triple zu wiederholen. Im Mannschaftshotel hat Sammer sich in dieser Woche im TV die Spiele von Juventus in der italienischen Liga angesehen. Und eine Partie des FC Barcelona. Sammer war von der guten Form der Konkurrenz beeindruckt. Er warnt die Münchner Stars: "Auf dem Level, auf dem wir uns bewegen, können leichte Denkfehler katastrophale Auswirkungen haben. Die Luft dort oben ist dünn."

Dem FC Bayern fehlen viele Eckpfeiler

2015 fehlten den Bayern in der Endphase der Saison sowohl Ribéry als auch Arjen Robben. Wie im Jahr zuvor verloren sie ihren Lauf. Auf das Aus im Halbfinale der europäischen Königsklasse gegen den späteren Wettbewerbssieger Real Madrid – trainiert von Ancelotti – folgte das Aus im Halbfinale gegen den FC Barcelona. In Doha gilt die Aufmerksamkeit deshalb auch den wichtigen, noch lädierten Eckpfeilern des Teams.

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David Alaba kann nach seiner Verletzung noch immer nicht mit der Mannschaft trainieren, absolviert mit einem Fitnesstrainer nur ein vorsichtiges Programm. Die angeschlagenen Profis Franck Ribéry, Medhi Benatia und Mario Götze sind in Doha vor allem im Kraftraum oder laufen ebenfalls. Mehr geht noch nicht.

Fünf Titel hat Guardiola bislang mit den Bayern gewonnen: zweimal die Deutsche Meisterschaft sowie jeweils einmal den DFB-Pokal, die Klubweltmeisterschaft und den Uefa-Supercup. Doch wie sagte er in dieser Woche selbst: "Wenn ich die Champions League nicht gewinne, sagen viele, meine Zeit bei Bayern sei nicht komplett. Ich verstehe das." Um erfolgreich zu sein, schottet er sich und seine Mannschaft noch mehr ab als zuvor. In Doha lässt er zweimal täglich trainieren, die zweite Einheit ist jeweils geheim. Damit niemand zusieht, lässt Guardiola den Trainingsplatz mittags mit schwarzen Planen abhängen.

Matthäus sieht die Personalie Guardiola kritisch

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat bis zum Wochenende ganz in der Nähe des Bayern-Hotels in Doha seinen Urlaub verbracht. Der 54-Jährige schrieb zuletzt in einer Kolumne in "Sportbild" über Guardiola: "Ohne den Titel in der Champions League ist er ein ungekrönter König." Matthäus glaubt zudem, der Spanier könne gar nicht mehr gedanklich zu 100 Prozent beim FC Bayern sein. "Die Kaderplanung für Manchester City ist zu wichtig. Guardiola erwarten fünf heiße Monate in München."

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Mancher Bayern-Fan sorgt sich nicht nur um den Rest der aktuellen Saison. Guardiola, so die Befürchtungen, könne einen einzigartigen Profi wie Thomas Müller oder andere Weltklassespieler aus München mit nach England nehmen. Müller, Jerome Boateng und Javi Martinez haben zwar ihre Verträge gerade bis 2021 verlängert. Doch die englischen Klubs haben dank des neuen TV-Vertrages, der ab Sommer greift, so viel Geld, dass sie sogar Transfersummen jenseits der 100-Millionen-Euro-Marke stemmen können, besonders Manchester City, bei dem Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Hauptanteilseigner ist.

Das Versprechen, er werde niemals einen Bayern-Spieler kaufen, kann und will Guardiola zwar nicht abgeben. Das wäre im schnelllebigen Geschäft auch naiv. Zumindest hat der Trainer den Bayern-Chefs aber versichert, er wolle Müller, Boateng, seinen Lieblingsprofi Thiago und all die anderen Kandidaten nicht zu einem Wechsel zu City verleiten, was immer diese Worte wert sein mögen.

Kapitän Philipp Lahm und seine Kollegen konzentrieren sich in Doha unterdessen ganz auf das Tagesgeschäft und die Aktualität. "Wir wollen so viele Titel wie möglich gewinnen", sagt Lahm. "Vielleicht können wir später sagen: Damals in Katar, da hat alles begonnen."

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