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Borussia Dortmund Die Gewinner und Verlierer des BVB-Trainingslagers

Borussia Dortmund beendet sein Trainingslager in Dubai. "Wir haben intensiv gearbeitet, das Team hat prima mitgezogen", lobt Thomas Tuchel. Mit einem Spieler ist der Trainer aber sehr unzufrieden.

Als Thomas Tuchel am Samstagmorgen, 8.00 Uhr, in Dubai das Flugzeug bestieg, mag er vielleicht noch ein bisschen müde gewesen sein, unzufrieden aber bestimmt nicht. "Wir haben gut und intensiv gearbeitet, die Mannschaft hat prima mitgezogen", sagte der Trainer von Borussia Dortmund zum Ende des Trainingslagers. Dieses Fazit zu ziehen, hatte er sich gewünscht.

Er hatte alles daran gesetzt, in der Mannschaft eine neue Gier zu wecken. Die Hinrunde, für die es viel Lob gegeben hatte, sei passé, hatte er gepredigt, es gehe darum, sich neu zu fokussieren und sich so schnell wie möglich wieder in den Wettkampfmodus zu bringen.

Dies scheint gelungen zu sein, denn eine Woche vor dem Rückrundenauftakt bei Borussia Mönchengladbach, präsentierte sich sein Team in einer guten Form: In den zwei Tests in Dubai (4:0 gegen Eintracht Frankfurt, 4:1 gegen Jeonbuk Hyundia Motors, Südkoreas Meister) war der BVB jeweils hoch überlegen, spielte sich viele gute Tormöglichkeiten heraus. "Auch zwischenmenschlich ist wieder eine große Energie entstanden", lobte Tuchel: "Wir entwickeln in den Spielen und im Training die Haltung, die erforderlich ist, um in der Rückrunde erfolgreich zu sein."

Es ist der Glaubwürdigkeitsbonus, der dazu führt, dass die Profis exakt das befolgen, was Tuchel von ihnen fordert: Sie haben in der Hinrunde gelernt, dass sie wieder erfolgreich werden, wenn sie den auf Ballbesitz ausgerichteten Stil spielen, den der Trainer bevorzugt. Deshalb glauben sie ihm auch, wenn sie davor warnt, dass ein Nachlassen fatale Folgen haben würde. Die Entschlossenheit, die stark begonnene Saison nun auch erfolgreich zu Ende zu bringen, eint die Borussen eine Woche vor dem Rückrundenstart.

Gewinner

Marco Reus

Er ist fit, sprüht vor Spielfreude und verspürt einen großen Drang, 2016 zu seinem Jahr zu machen. "Wenn ich es mir wünschen könnte, dann wünsche ich mir, dass er 29 Spiele für uns macht", sagte Tuchel über den Nationalspieler, der sich bereits im Urlaub wieder in die körperliche Verfassung gebracht hatte, die ihn aktuell auszeichnet. Nachdem er gegen Ende der Hinrunde erneut unter Muskelproblemen zu leiden hatte, arbeitete er in den Ferien privat mit einem Physiotherapeuten – erfolgreich. Es sei "eine große Freude", ihn im Training zu sehen, so Tuchel.

Wegen der speziellen Geschichte, die Reus mit Verletzungen hat, sei es jedoch fast noch wichtiger, dass er auch psychisch gut drauf ist, so Tuchel: "Wir benötigen Vertrauen, auch von Marco in seinen Körper." Derzeit habe Reus dieses Vertrauen wieder. "Das, was er seit dem Trainingsbeginn anbietet und mit welcher Lust er das macht, ist überragend", erklärte Tuchel. 2016 könnte für Reus also ein Jahr der Wiedergutmachung werden – auch als Entschädigung dafür, dass er bislang noch keinen großen Titel gewonnen hat. Vor ihm liegen drei Chancen – zwei mit dem BVB, eine mit der Nationalelf.

Ilkay Gündogan

Die Hinrunde hat den den Beweis erbracht, dass er wieder der alte Ilkay Gündogan geworden ist. Dies ist keine Selbstverständlichkeit. Fast ein komplettes Spieljahr hatte der Stratege des Dortmunder Spiels verloren – in der Saison 2013/2014 hat er in der Folge eines Nervwurzelreizsyndroms nur ein Bundesligaspiel bestreiten können. In der darauffolgenden Spielzeit benötigte er lange, wieder zu alter Form zu finden, was mit ein Grund für die Krise des BVB gewesen ist.

Mit Beginn der aktuellen Saison erhöhte sich die Taktung von starken Spielen bei ihm deutlich. Auch in den Vorbereitung war Gündogan ein Gewinn für die Mannschaft: Er wusste in beiden Testspielen zu überzeugen – es spricht einiges für eine starke Rückrunde.

Moritz Leitner

Er gehörte scheinbar sicher zu den Verlierern und ist nun ein unerwarteter Gewinner. Im vergangenen Sommer war Moritz Leitner vom VfB Stuttgart zurückgekehrt, an den er ausgeliehen war. Dort war ihm nicht gerade das beste Zeugnis ausgestellt worden. "Leitner hat sich nie auf den Abstiegskampf einstellen können", hatte Huub Stevens, der damalige VfB-Trainer, gesagt.

In Dortmund wurde er nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Tuchel gab ihm zu verstehen, dass er kaum Perspektiven für ihn sehe und delegierte ihn quasi an die zweite Mannschaft. Leitner machte das Beste aus einer schwierigen Situation: Er trainierte bei den Profis und spielte in der Regionalliga – und tat beides äußerst überzeugend. Die Folge: Er hat wieder eine reelle Chance. "Absolut beeindruckend" sei es, wie Leitner an sich gearbeitet habe, lobte Tuchel. In den zwei Tests in Dubai zählte Leitner zu den besten Spielern.

Erik Durm

Er war monatelang außer Gefecht, konnte in der laufenden Saison kein einziges Pflichtspiel absolvieren. Ständig schmerzte das Knie, im September ließ er sich dann operativ ein Überbein entfernen. Das Ende der Leidenszeit scheint nun erreicht: Am Freitag gab er sein Testspielcomeback. "Das war keine leichte Zeit. Erst hieß es nur, dass ich ein paar Tage fehlen werde, dann wurden es Wochen, schließlich waren es Monate. Aber ich habe den Kopf nie in den Sand gesteckt", sagt der Außenverteidiger. Er wird noch einige Wochen benötigen, um wieder robust genug für die Bundesliga zu sein. Aber dann wird er für Tuchel eine wichtige Alternative werden.

Christian Pulisic und Felix Passlack

Sie waren die hervorstechendsten Akteure der Dortmunder U19 und durften mit nach Dubai. Der Mittelfeldspieler Pulisic und der Außenspieler Passlack, beide 17 Jahre alt, sollen in den kommenden Monaten an das Bundesliganiveau herangeführt werden. An Talent mangelt es ihnen dabei sicher nicht, wie ihre Testspielauftritte bewiesen.

Verlierer

Sven Bender

Verletzungen kommen zwangsläufig zur Unzeit, aber die von Sven Bender dürfte ihn besonders hart treffen. Zudem ist auch noch eine äußerst rätselhafte. Der defensive Mittelfeldspieler hatte einen schweren Saisonstart: Die Konkurrenz auf seiner Position war groß, und speziell an Julian Weigl, dem Shootingsstar der Hinrunde, kam er nicht vorbei. Erst nach einigen Monaten gelang es ihm, sich ins Team zu kämpfen und auch Tuchel zu überzeugen: Als Innenverteidiger zeigte er gute Leistungen, erwarb sich den Respekt des Trainers. Bender hatte sich viel vorgenommen, doch dann machten ihm diese ominösen muskulären Probleme einen Strich durch die Rechnung. "Es gibt keine klare Diagnose. Ich weiß nicht, wann er einsteigen kann", sagte Tuchel: "Wir vermissen ihn sehr, der Kader ist klein. Es ist keine gute Situation." Schlechter hätte das Jahr für den Kämpfer nicht beginnen können.

Roman Weidenfeller

Es gab sie durchaus, die Torwartdiskussionen. Allerdings eher in Kreisen der berufsmäßigen Kritiker und in den Fankneipen. Tuchel diskutierte nicht mit. Es werde "dabei bleiben", sagte der Trainer, als er gefragt wurde, ob es möglicherweise eine neue Rollenverteilung zwischen den beiden Romans geben würde. Mit andere Worten: Weidenfeller bleibt in der Bundesliga die Nummer zwei, obwohl Bürki, die Nummer eins, alles andere als eine fehlerfreie Hinrunde gespielt hatte.

Doch Tuchel ist von dem Schweizer überzeugt, verteidigte ihn: Die Umstellung von Freiburg zum BVB, der Druck, den der Keeper sich möglicherweise selbst macht, könnten Gründe sein. "Er wird auch fragen: 'Warum werden die wenigen Fehler, die ich mache, sofort bestraft?'", so Tuchel: "Das kann sich dann auch schon mal anfühlen, als wenn einer unter dem Brennglas steht." Der Trost für Weidenfeller: Wenn tatsächlich alles beim Alten bleibt, dann darf der Routinier weiterhin in der Europa League spielen und hat so sogar die Chance, einen Titel zu gewinnen.

Adrian Ramos

Wer so klar im Schatten eines Giganten steht, bei sind Frustmomente durchaus programmiert. An Pierre-Emerick Aubameyang wird Adrian Ramos nicht vorbeikommen, und dies führt bei dem Stürmer offenbar hin und wieder dazu, dass er es im Training an der nötigen Entschlossenheit vermissen lässt. In Dubai jedenfalls nahm Tuchel den Kolumbianer deshalb offenbar ins Gebet. Nach einem Training redete der Trainer minutenlang auf Ramos ein und gestikulierte dabei. Gefragt, ob er unzufrieden mit dem Spieler gewesen sei, reagierte Tuchel kurz angebunden: "Nächste Frage, bitte!" Immerhin: In den Testspielen wusste Ramos daraufhin zu überzeugen. Doch mehr Einsatzzeiten dürfte es für ihn, wenn alles normal läuft, trotzdem wohl nicht geben - es bleibt eine frustrierende Situation.

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