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FC Bayern Für Guardiola kommt die "Maulwurfaffäre" zur Unzeit

Bayern-Trainer Pep Guardiola wird so viel kritisiert wie lange nicht. Jetzt meldet sich anonym auch noch einer seiner Spieler zu Wort. Zur Unzeit. Die Anspannung beim deutschen Rekordmeister steigt.

Die Chefs können sie dauernd beobachten. Die für die Pflege der Trainingsplätze des FC Bayern zuständigen Mitarbeiter stehen quasi im Schaufenster, wann immer sie mähen und Löcher stopfen. Die Klubbosse haben aus ihren Büros an der Säbener Straße die perfekte Sicht auf den Rasen. Der ist in gutem Zustand, Tiere lassen ihn in Ruhe. Und doch hat nun auch der deutsche Fußball-Rekordmeister ein Maulwurfproblem.

Mit so was hatte zuletzt nur RTL zu kämpfen, weil jemand vorzeitig verraten hatte, dass Pleitesänger Gunter Gabriel das Dschungelcamp verlässt. Bayern, so dachten die Vereinsbosse, hat die Zeiten des FC Hollywood lange hinter sich. Doch ausgerechnet in einer aufgrund von verletzten Stars ohnehin schwierigen Phase der Saison kommt öffentliche Kritik aus der Mannschaft.

Vor dem Bundesligaspiel der Münchner gegen die abstiegsbedrohte TSG Hoffenheim am Sonntagnachmittag (17.30 Uhr, Sky und Liveticker auf welt.de) zitiert der "Kicker" einen Spieler anonym. Die Stimmung in der Mannschaft sei "nicht gut". Mit Blick auf den enormen Konkurrenzkampf innerhalb des Aufgebots sagt der Profi: "Wenn alle fit sind, kracht es."

Der Verein wollte diese Aussagen am Donnerstag nicht kommentieren. Im Klub gehen viele davon aus, dass ein unzufriedener Spieler zitiert wurde, der zuletzt wenig gespielt hat. Pep Guardiola wird wohl auf der üblichen Spieltagspressekonferenz Freitagmittag Stellung beziehen.

Boateng, Ribéry und Götze fehlen

Für den Startrainer kommt die "Maulwurf-Affäre" zur Unzeit. Guardiola muss nach dem Ausfall von Abwehrchef Jerome Boateng seine Defensive für die kommenden Monate neu aufstellen. Auch Franck Ribéry und Mario Götze sind noch nicht spielbereit. Zudem muss der Trainer derzeit mit so viel Kritik leben wie seit den Ausscheiden in den Champions-League-Halbfinals der vergangenen zwei Jahre nicht.

Die Dosierung und Art seines Trainings werden ebenso infrage gestellt wie der Umgang mit verletzten Spielern sowie Ärzten und Physiotherapeuten. Der Vorwurf: Guardiola übe ungeduldig zu viel Druck aus, lasse den Spielern nicht genug Zeit zur kompletten Genesung, höre längst nicht immer auf Empfehlungen. Er wehrt sich so gegen die Kritik: "Wir trainieren gut und hart."

Kritik aus der Mannschaft gibt es im Fußball immer mal wieder. Sie ist generell nicht überzubewerten, oft von egoistischen Interessen getrieben. Bei den Bayern allerdings zeigt die Sache eines deutlich: Die Anspannung vor den wichtigen Achtelfinalspielen in der Champions League gegen Turin ist immens. Guardiolas Entschluss, die Münchner im Sommer zu verlassen, wirkt sich auf das Innenleben des Klubs bislang stärker aus als intern gehofft. Es gibt Anzeichen, dass der Rückhalt in der Mannschaft für Guardiola nicht mehr so groß ist wie in den vergangenen Jahren.

Für den Trainer geht es in den kommenden Monaten auch um seine Ehre. Sein Ruf wäre selbst bei einem frühen Aus in der Königsklasse nicht ruiniert. Doch er muss beweisen, dass die Mannschaft ihm weiterhin folgt, dass er die Stars im Griff hat.

Anfang 2013 gab der Klub bekannt, dass Trainer Jupp Heynckes zum Saisonende aufhört. Im Mai stand Heynckes mit dem Triple auf dem Rathausbalkon auf dem Marienplatz und ließ sich von Tausenden Fans feiern. Champions League, Meisterschaft, DFB-Pokal – zum ersten Mal in der Geschichte des 1900 gegründeten Vereins.

Dieser historische Triumph gelang vor allem aus drei Gründen: Weil die Mannschaft selbst viel Verantwortung übernahm, sich zum Teil selbst führte, wann immer dies gefordert war. Weil Heynckes zwischen den Stars gut moderierte. Und vor allem, weil Heynckes noch entschlossener und gradliniger agierte als in den Jahren zuvor.

Erinnerungen an Heynckes

Ähnliches hat ganz offensichtlich nun auch Guardiola vor. Kürzlich erhielten die Spieler eine Mail, in welcher der Verein sie aufforderte, sich im Falle von Reisen an freien Tagen ins Ausland offiziell abzumelden. Zudem hat Guardiola seinen Spielern persönlich gesagt, dass er ein absolut professionelles Verhalten erwarte. Ihn soll geärgert haben, dass beim Wiegen der Stars mitunter leichte Gewichtszunahmen festgestellt wurden. Es soll auch über einen Zapfenstreich diskutiert worden sein. Sportvorstand Matthias Sammer beobachtet jedes Training und ermahnt die Spieler immer mal wieder. Auch er ist in den kommenden Wochen gefordert.

Auch Heynckes war mal verärgert über einen "Maulwurf". Und Guardiola hatte in seiner ersten Saison mit den Bayern bereits die Suche nach einem Spieler gestartet, der sich nicht an seine Regeln hielt und etwas nach außen trug. "Egal, wer es ist, es werden Köpfe rollen. Denjenigen schmeiße ich raus! Er wird nie wieder unter mir spielen", sagte Guardiola damals. Doch er fand den "Maulwurf" offenbar nie.

Guardiola hat sich zuletzt vor allem auf das Spielsystem und taktische Details konzentriert. Er führt weniger Einzelgespräche als viele andere Trainer. Mancher Spieler würde sich über mehr Austausch freuen.

Ottmar Hitzfeld gewann als Trainer mit den Bayern 2001 die Champions League. Er meinte kürzlich, Guardiola habe sich zu wenig um das Zwischenmenschliche gekümmert. Und es sei keine einfache Aufgabe, mit der Mannschaft zu arbeiten, wenn der eigene Abschied bereits feststehe.

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