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Unruhe beim FC Bayern Sammer wittert eine gezielte Verschwörung

Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer klagt, es werde "gezündelt. Es geht gegen den FC Bayern". Er wittert eine gezielte Verschwörung. Sammer vermutet, den Grund für die Gerüchte zu wissen.

Matthias Sammer hat das Motto: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Der Sportvorstand des FC Bayern betritt Mittwochmittag grinsend den Presseraum in der Klubzentrale an der Säbener Straße. Eigentlich sollte er mit Serdar Tasci kommen und den Not-Einkauf vorstellen. Doch Tasci hat sich kurz zuvor gleich in seinem ersten Training mit der Mannschaft verletzt. "Hat sich ganz schön verändert der Tasci, oder!?", sagt Sammer zum Mediendirektor des Vereins, der Tascis neues Trikot mit der Rückennummer vier auf das Podium legt.

Jerome Boateng verletzt, Javi Martinez verletzt, Medhi Benatia immer wieder verletzt – und jetzt auch noch Tasci, den die Bayern nur wegen dieser Personalnot in ihrer Defensive quasi in letzter Sekunde am Montag bis Saisonende von Spartak Moskau ausgeliehen haben. Im Verein sagen sie nach dessen Trainingsunfall: Wir dachten, wir hätten alles erlebt. Falsch gedacht.

Der Innenverteidiger ist mit seinem Kollegen Sebastian Rode zusammengestoßen und k. o. gegangen. Verdacht auf Gehirnerschütterung. "Er hatte leichte Ausfallerscheinungen und wird zwei bis drei Tage fehlen", so Sammer.

Dann verschwindet das Lachen auf Sammers Gesicht. Der 48-Jährige blickt ernst, es geht jetzt um die aktuelle Unruhe rund um den deutschen Fußball-Rekordmeister. Zunächst dementiert der Vorstand die Berichte und Gerüchte, die sportliche Führung habe sich kurz vor dem Tasci-Transfer intensiv um den 23-jährigen John Anthony Brooks von Hertha BSC bemüht.

Zudem sei auch nicht richtig, dass Benatia während der Transferperiode an dessen ehemaligen Verein AS Rom abgegeben werden sollte, wie es aus Italien heißt. Das wäre auch logistisch gar nicht möglich gewesen, sagt Sammer. Ohne medizinische Tests, "darüber hätte nur ein geisteskranker Verein nachgedacht". Es habe keine Überlegungen gegeben, Benatia abzugeben, an welchen Verein auch immer.

Auch Kimmich ein Kandidat für die Innenverteidigung

Die Verpflichtung Tascis sei mit Guardiola besprochen, und der Trainer sei froh, nun eine Alternative zu haben. Eine Einsatzgarantie für Tasci gibt es allerdings auch trotz der vielen Ausfälle nicht. Sein Konkurrent um den zweiten Innenverteidigerplatz neben Holger Badstuber ist Joshua Kimmich, eigentlich Mittelfeldspieler. "Je besser Serdar spielt, je häufiger spielt er", betont Sammer.

Und Arturo Vidal? Der chilenische Mittelfeldprofi blieb in der Hinrunde mehrfach hinter den Erwartungen zurück. Nun berichtet die "Sport Bild", Vidal hätte sich während des Trainingslagers in Katar Anfang Januar mehrfach aus dem Mannschaftshotel entfernt und sei alkoholisiert zurückgekommen. Sammer hat mit Vidal und dessen Berater gesprochen, zu dem der Klub ein enges Verhältnis pflege. Beide sagen, da sei nichts dran. "Wir verlassen uns darauf. Wir glauben zuerst unserem Spieler", so Sammer. Die "Sport Bild" bleibt allerdings bei ihrer Darstellung.

Beim FC Bayern wollen sie enger zusammenrücken

Erst im Juni 2015 hatte Vidal in seiner Heimat unter Alkoholeinfluss seinen Ferrari zu Schrott gefahren. Er gelobte danach Besserung. Auch bei seinem ehemaligen Klub Juventus Turin ist er nicht als Musterprofi in Erinnerung geblieben.

Sammer sieht seinen Klub als Opfer. In den vergangenen Wochen sei es ihm zu viel gewesen: Die Kritik am Training von Pep Guardiola, die "Maulwurf-Affäre", Debatten über die Gründe der vielen Muskelverletzungen und interne E-Mails mit Reglementierungen für Spieler. "Es wird gezündelt. Es ist gegen den FC Bayern. Vielleicht, weil sich mancher wünscht, dass die Liga noch einmal spannend wird ...", so Sammer. "Sie erreichen das Gegenteil. Wir werden enger zusammenrücken."

Tatsächlich ist die Unruhe zumindest zum Teil selbst gemacht. Kritik kam auch aus der Mannschaft. Und Guardiola reiste in dieser Woche nach England. Montag hat Manchester City bekannt gegeben, dass er von Sommer an neuer Trainer des Klubs wird. Die Entscheidung des Katalanen, den Münchner Klub zu verlassen, sowie die Folgen und seinen Umgang damit haben das Innenleben des Klubs bereits ziemlich beeinflusst. Dafür, dass die Bayern Tabellenführer und für das Achtelfinale in der Champions League und das Viertelfinale im DFB-Pokal qualifiziert sind, ist die Gemengelage ganz schön aufgeregt. Und die Anspannung zu spüren. Rund um die Mannschaft gibt es viele Fragen, und die werden nun einmal gestellt.

Sammer beklagt: "Unser Trainer wird für alles verantwortlich gemacht! Es geht mir zu sehr ins Persönliche. Pep hat Unglaubliches geleistet. Ein bisschen mehr Respekt." Sammer spricht jetzt lauter, beugt sich vor. Solange er im Verein sei, und wenn es noch 20 Jahre sein sollte, werde er jeden verteidigen, der zu Unrecht angegriffen wird. "Das heißt aber nicht, dass bei uns alles super ist."

Der Europameister von 1996 stellt sich schützend vor seinen Klub, vor die Mannschaft. Das ist sein Job, das ist seine Rolle. Zunächst betont er, dass Guardiola eben ein emotionaler Mensch sei und sein zuletzt gereiztes Auftreten vor Journalisten keine Rückschlüsse auf die interne Stimmung zulasse. Der Startrainer habe für sich nie den Anspruch erhoben, perfekt zu sein.

"Haben Sie im Büro jeden Tag Bombenstimmung?"

Dann allerdings spricht Sammer von "Reizklima", fragt die Reporter: "Haben Sie im Büro jeden Tag Bombenstimmung?" Und sagt: "Ich will gar nicht sagen, dass es nicht knistert. Das sind einfach bestimmte Reizpunkte. Die braucht man. Es gibt kein anderes Erfolgsgeheimnis." Die Mannschaft könnte in der Rückrunde Geschichte schreiben. Er meine damit nicht den möglichen Gewinn des Triples, sondern den der vierten Meisterschaft in Folge. Das ist noch keinem Klub der Bundesliga gelungen. "Die magische Vier. Das treibt uns alle an", so Sammer.

Samstag (18.30 Uhr, Sky und welt.de) spielen die Bayern bei Bayer Leverkusen. Wie geht er vor der Top-Partie jetzt seine Aufgabe an? Wie kann er einwirken? Sammer sagt, er werde sich mal mehr zeigen und mal mehr zurücknehmen. Auf die Suche nach der Identität des "Maulwurfs" sei er nicht, "aus dem Alter bin ich raus". Und doch warnt er die Bayern-Stars: "Ich werde darauf achten, dass sich jeder in den Dienst der Mannschaft stellt. Wir wissen, dass es schwer für uns wird." Er habe ein gutes Näschen dafür, zu erkennen, was atmosphärisch notwendig sei. Und dafür kämpfe er jetzt sei dreieinhalb Jahren, seit er als Sportvorstand bei den Münchnern unterschrieben hat. "Wir brauchen Spirit und Geist", sagt Sammer.

Dann muss er noch den Tasci machen. Für die Fotografen und Kameraleute. Sammer hält das Trikot des neuen Verteidigers in beiden Händen. Bevor er geht, findet er sein Lachen wieder. "FC Bayern und Ruhe, das passt nicht", sagt er augenzwinkernd.

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