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BVB-Fans trauern um toten Zuschauer "Ich habe so etwas noch nie erlebt"

Es sind Szenen, über die Fußball-Deutschland diskutiert. Beim Spiel des BVB gegen Mainz stirbt ein Fan. Die Zuschauer reagieren bemerkenswert. Viele Spieler können ihre Gefühle nicht unterdrücken.

Das Drama fand bereits vor dem Anpfiff stand. In den nebeneinanderliegenden Blöcken 87 und 88 auf der Südwesttribüne des Dortmunder Stadions mussten zwei Männer von Rettungskräften reanimiert werden. Bei einem Mann hatten die Sanitäter Erfolg: Der 55-Jährige wurden nach wenigen Minuten von der Tribüne getragen und konnte in ein Krankenhaus gefahren werden.

Zu diesem Zeitpunkt soll sein Zustand stabil gewesen sein. Bei dem anderen, einem 79-jährigen BVB-Fan, dauerte die Reanimation etwa 20 Minuten. Die Zuschauer, die danebensaßen, fieberten mit. Als dann, einige Minuten nach dem Anpfiff des Bundesligaspiels zwischen Borussia Dortmund und dem FSV Mainz 05 (2:0), die Rettungskräfte diesen Mann von der Tribüne trugen, ahnten viele Augenzeugen wohl, dass seine Überlebenschancen schlecht standen: Die Südwesttribüne spendete Beifall – es war der Ausdruck eines gemeinsamen Wunsches, dass der Mann doch noch gerettet werden kann.

Dann, irgendwann im Verlauf des Spiels, verbreitete sich die traurige Kunde: Der Mann hatte es nicht geschafft. Und es kam zu einer bislang in deutschen Fußballstadien einzigartigen Reaktion: einer stummen Solidarisierung mit dem Verstorbenen, die alle Beteiligten anrührte.

 

Nachdem die zweiten Halbzeit begonnen hatte, schwiegen die Südtribüne und der Rest der 81.000 Zuschauer. Auch die Mainzer Fans auf der gegenüberliegenden Seite schlossen sich an. "Ich habe so etwas noch nie erlebt, dass Zuschauer dermaßen geschlossen ihre Trauer gezeigt haben und auch die Art und Weise, wie man mit Kollegen umgeht", sagte BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball, der auch Präsident des Ligaverbandes (DFL) ist: "Das ist etwas, das in dieser Form noch nicht da gewesen ist. Ich kann allen Fans, die das hier demonstriert haben, nur ein tolles Kompliment machen."

Dem schlossen sich auch die Trainer und die Spieler an – wobei es speziell für die Spieler zunächst ein seltsames Gefühl war. "Auf einmal wurde es ruhig. Wir haben uns gefragt: Was ist passiert?", sagte BVB-Kapitän Mats Hummels, den die plötzlich einsetzende Stille auf den Rängen zunächst irritierte. "Diese Ruhe hat mich an die Stimmung bei unserem Länderspiel in Paris erinnert", erklärte der Innenverteidiger. Hummels hatte am 13. November auf dem Rasen des Stade de France gestanden, als die Kunde von den Terrorattacken in der französischen Hauptstadt durchsickerte.

Mainzer Fans solidarisieren sich

Auch die Mainzer Profis reagierten zunächst verunsichert. Loris Karius, der in der zweiten Halbzeit das Tor vor der Südtribüne hütete, berichtete von irritierenden Gefühlen. "Man spürt, dass irgendetwas nicht stimmt, aber wir wussten nicht was", erklärte er und berichtete über Gespräche mit Schiedsrichter Deniz Aytekin, der sich die ungewöhnliche Ruhe der Fans auch nicht erklären konnte.

Erst nach dem Schlusspfiff konnten die Spieler über den Grund aufgeklärt werden. "Dann haben 80.000 Menschen gezeigt, dass Fußball nicht alles ist und dass alle zusammenstehen – egal, welche Farben sie vertreten", sagte Karius und lobte vor allem auch die eigenen Fans, die sich der beispiellosen Aktion angeschlossen hatten.

"Ich ziehe da auch den Hut vor den Mainzern, die sich ausnahmslos in die Reihe der Trauernden eingeschlossen und den verbalen Support eingestellt haben. Diese Bilder kann man durch Worte nicht toppen. Das nötigt mir einen unfassbaren Respekt ab", sagte Rauball, der nach dem Spiel von den Vorkommnissen sehr ergriffen war. Die Reaktion der Fans zeuge nicht nur von Pietät, sondern auch von einem großen Verantwortungsgefühl, erklärte er: "Wir haben nicht immer nur Freude mit den Fans, aber das zeigt, wie tief verwurzelt Begriffe wie Ehre und Respekt vor anderen sind. Das war ein tolles Mitgefühl, das da zum Ausdruck gekommen ist."

Nach Abpfiff fließen bei den Spielern die Tränen

Für ein ganz speziellen Moment sorgten die Anhänger dann in den letzten Minuten der Partie: In der Schlussphase, das Spiel war beim Stand von 2:0 für den BVB vollends zur Nebensache geworden, sang die komplette Südtribüne "You'll never walk alone".

Die Spieler, wie der junge Dortmunder Julian Weigl, bekamen eine Gänsehaut. "Das zeigt, was für eine unglaublich tolle Fangemeinde wir haben. Hier steht wirklich niemand alleine, wie es das Lied schon sagt", sagte der Mittelfeldspieler.

Dortmunds Fans halten ihre Schals in die Höhe und singen "You never walk alone" für einen verstorbenen Fan. (Foto: DPA)

Nach dem Spiel versammelte sich die Mannschaft vor der Südtribüne, um gemeinsam mit den Anhängern des verstorbenen Fans zu gedenken. Wieder intonierten die Zuschauer die Fußballhymne "You'll never walk alone". Viele BVB-Spieler konnten und wollten ihre Gefühle nicht mehr unterdrücken. Arm in Arm standen sie vor der imposanten Tribüne und ließen ihren Tränen freien Lauf. Torwart Roman Bürki weinte, in seinem Arm der sichtlich mitgenommene Pierre-Emerick Aubameyang.

"Ich kann der Familie des Betroffenen im Namen von Borussia Dortmund mein herzliches Beileid und mein tiefes Mitgefühl ausdrücken. Wir trauern sehr mit der Familie. Die andere Familie, die jetzt bangt und hofft, dass alles gut geht, der drücken wir alle sehr die Daumen. So wie die 81.000, die heute hier waren und alle, die mit dem Herzen beim Fußball sind", erklärte Rauball.

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