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Real Madrid Der Kampf des Fitnessfreaks Zinedine Zidane

Seit zwei Monaten ist Zinedine Zidane Cheftrainer bei Real Madrid. Bewegt hat der einstige Weltstar bislang wenig, die Zweifel an ihm mehren sich. Neue Spieler sollen kommen - auch ein Bayern-Star.

Im Madrider Institut Français läuft derzeit eine Fotoausstellung über Zinedine Zidane. Die Motive aus seinen letzten 100 Tagen als Spieler sollten ursprünglich in einem Bildband veröffentlicht werden, doch nach seinem Kopfstoß im Finale der Weltmeisterschaft 2006 gegen den Italiener Marco Materazzi blies er das Projekt ab. Nun aber lebt die Aura eines Spielerhelden von Real Madrid noch einmal auf.

Ein ungleich diffuseres Bild des Franzosen ergibt sich bislang in der zweiten Karriere im Estadio Santiago Bernabeu. Die Ausschläge verblüffen selbst unter Berücksichtigung der üblichen Kakophonie am Königshof. Kann er's oder nicht? Räumt er auf? Oder ist er selbst schon durchgefallen?

Der Klub sei fest entschlossen, mit dem Trainer Zidane im Sommer eine neue Ära einzuleiten, schreibt die Tageszeitung "El Mundo". Der Klub suche bereits aktiv einen Nachfolger, behauptet die Konkurrenz von "El Pais".

Belastbare Indizien für jedwede Hypothese dürfte vor allem die Champions League liefern, in der am Dienstagabend der AS Rom seine Aufwartung macht (20.45 Uhr). Nach dem 2:0 im Hinspiel sollte es keine bösen Überraschungen geben. Darf es aber auch nicht, wenn die Saison nicht schon im März zu Ende sein soll.

In der Meisterschaft hat Real ja keine Optionen mehr, wobei Zidane durchaus eine Mitschuld trifft: Bei zwei Punkten Rückstand und einem Spiel mehr als der FC Barcelona übernahm er Anfang Januar den Trainerposten von Rafael Benitez. Zwölf Punkte weniger für Real weist das aktuelle Klassement aus.

Erst verlor Real Madrid gegen Atletico, dann siegte es 7:1

Insgesamt wird die Bewertung seiner Arbeit dadurch erschwert, dass Real nur eine Konstante aufweist: Mit jedem Spiel ist alles anders. Bereits in den Flitterwochen nach seiner Beförderung vom Trainer der zweiten Elf zeigte sich der Zidane-Effekt nur vor eigenem Publikum, derweil auswärts ähnlich zähe Kost geboten wurde wie unter Benítez.

Mit Ende des Heimidylls durch die Derbypleite vor zehn Tagen gegen Atletico (0:1) verdichteten sich die Widersprüche so weit, dass sie am Samstag gegen Celta Vigo in ein Spiel passten. Eine bestenfalls mediokre erste Hälfte mündete im Schlepptau des viermaligen Torschützen Cristiano Ronaldo noch in eine veritable 7:1-Gala.

An Ronaldo personifizieren sich schon länger nicht nur Reals Herrlichkeiten, sondern auch seine Dilemmas: die Unbeständigkeit, die Opulenz gegen schwächere Gegner, die Defizite gegen bessere (Madrid holte einen Punkt aus bisher fünf Partien gegen die ersten fünf Teams der Tabelle, Ronaldo gelang kein Treffer) – und nicht zuletzt das angespannte Ambiente im eigenen Stadion.

Bis er gegen Celta Vigo aufdrehte, wurde er mehrmals ausgepfiffen, er, Ronaldo, 352-maliger Torschütze für den Klub, aber für viele eben auch der Vertreter eines brot-, weil titellosen Individualismus. Die Stars haben es derzeit besonders schwer: Gegen Atletico wurden James Rodriguez und Isco ausgebuht von einem Publikum, das in seiner Irritation permanent nach Sündenböcken sucht.

Weil mit der Legende "Zizou" der Trainer für diese Rolle nun ausfällt, treten die Gräben noch deutlicher zutage. "Wer dieses Wappen tragen will, muss sein Trikot durchschwitzen", verkündete am Samstag ein Transparent im offiziellen Fanblock des Bernabeu, wo die Claqueure von Präsident Florentino Perez sitzen. Ein anderes Transparent mit Kritik am Vereinspatron ließ die Security abmontieren.

Darum hätte Zidane am besten jedes Spiel gewonnen

Für die einen sind die Spieler verantwortlich, die sich vermeintlich gehen lassen. Für die anderen der Präsident, der diese verpflichtet hat und ihnen permanent neue Trainer vor die Nase setzt. Und für wieder andere alle miteinander. Um diese Friktionen zu überstrahlen, hätte der "heilige Zidane" schon auf Anhieb jedes Spiel gewinnen müssen. Zumindest bei der Laufleistung.

Der latente Schnöselverdacht bei Real Madrid trifft längst nicht nur Cristiano Ronaldo (r.). (Foto: Getty Images)

Angesichts des latenten Schnöselverdachts sind die entsprechenden Statistiken in der Madrider Sportpresse zur Kernwährung des königlichen Fußballs avanciert. Doch auch in diesem Belang produziert die Ära Zidane bislang keine eindeutige Botschaft. Lief Real bei seinem Einstand gegen Deportivo La Coruna erstmals in der Saison mehr als der Gegner, waren es gegen Atletico elf Kilometer weniger als der Stadtrivale.

Ein schockierter Zidane begründete die Niederlage mit einem "Problem der Einstellung". Schon rannten seine Profis im folgenden Match bei Levante (3:1) mit 116 Kilometern mehr als in jeder Partie zuvor; vier Real-Profis beendeten den Auftritt beim Tabellenletzten mit Krämpfen. Gegen Celta Vigo nun wurde erstmals seit La Coruna sogar wieder der Gegner überlaufen. "Wir müssen mehr rennen", wiederholte Zidane in den vergangenen Tagen unablässig.

Seit seiner Zeit in Turin gilt Zidane als Fitnessfanatiker

Könnten Fußballspieler auch auf Spanisch "Gras fressen", der Begriff wäre längst gefallen. Hinter dem Bild des Künstlers hat Zidane den Fußball immer auch als Arbeit verstanden. Seit seiner Zeit bei Juventus Turin gilt er regelrecht als Fanatiker von Fitness, Ernährung und maximal professionellem Lebenswandel. Nun nannte er als wichtigste Maßnahme nach seiner Amtsübernahme immer wieder die Notwendigkeit eines "Mini-Trainingslagers", um den körperlichen Zustand der Elf zu verbessern.

Über taktische oder technische Fragen ist demgegenüber bisher eher wenig zu erfahren. Kritiker halten ihn auf diesem Gebiet für zumindest noch nicht ausgereift. Schon während seiner anderthalb Jahre bei der zweiten Mannschaft vermissten sie originelle fußballerische Impulse. Auch seit seinem Aufstieg gibt es kaum Coaching-Erfolge zu vermelden.

Beim Remis in Malaga scheiterte der Versuch, die Ausfälle von Karim Benzema und Gareth Bale mit Isco als "falscher Neun" zu kompensieren. Und gegen Atleticos Diego Simeone ging das strategische Trainerduell eindeutig verloren.

Keine klare Linie verfolgt Zidane bisher außerdem beim Personal. Womöglich aus der Vorsicht des Neulings heraus änderte er zunächst wenig bis gar nichts. Erst die Niederlage im Derby provozierte zumindest einen Teil der "französischen Revolution", die Zeitungen wie "Marca" seit seinem Amtsantritt herbeizuschreiben versuchen.

Eine Demütigung für Real-Star James

Der 18 Jahre alte Nachwuchsstürmer Borja Mayoral stand jetzt zweimal in der Startelf, die anfangs ignorierten Benitez-Lieblinge Lucas Vazquez und Casemiro kehrten ins Team zurück, beides ebenfalls Eigengewächse. Bei der Kundschaft kam das ebenso gut an wie die kleine Demütigung von James Rodriguez beim Celta-Spiel, den der Trainer warmlaufen ließ und dann doch nicht einwechselte.

Inwieweit er sich das alles auch in den wirklich wichtigen Spielen trauen wird, bleibt abzuwarten. Gegen Rom gehört Mayoral nicht zum Aufgebot, und Alberto Toril, Reals ehemaliger Jugendtrainer, macht sich aus Erfahrung wenig Illusionen: "Im Sommer wird ein neuer Stürmer gekauft, und dann ist es sowieso wieder vorbei (mit seinen Einsatzchancen – d.R.)."

Die am häufigsten genannten Namen für die "Galaktischen"-Rotation bleiben Robert Lewandowski (Bayern München) sowie Paul Pogba (Juventus Turin) und Eden Hazard (FC Chelsea). Wegen der nur aufgeschobenen Transfersperre durch den Fußball-Weltverband Fifa muss im Sommer wohl für ein paar Einkaufsperioden vorausgehandelt werden.

"Es wird Änderungen geben", kündigte Zidane nach der Niederlage im Derby offen an. Noch überraschender war sein Nachsatz: "Vielleicht auch beim Trainer."

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