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Trainerzoff Bei Klopps Ausraster schreitet sogar die Polizei ein

Beim Sunderland-Spiel regt sich Jürgen Klopp wegen eines Fouls fürchterlich auf. Ein Polizist muss für Ruhe sorgen. Den Vorwurf "verweichlichter Deutscher" steckt der Trainer dagegen lässig weg.

Jürgen Klopp lächelte sanftmütig. Ein Reporter hatte ihn soeben nach seinem Wutanfall während des Spiels gefragt, bei dem er sich zunächst mit dem Betreuerteam des Gegners und mit dann mit dessen Trainer angelegt hatte. "Für mich ist das im Eintrittspreis mit drin", sagte Liverpools Trainer: "Wenn auf dem Platz nichts passiert, dann bekommen die Leute eben auf der Trainerbank was geboten." Die Reporter lachten.

Kaum jemand löst prekäre Situationen so charmant wie der deutsche Fußballtrainer. Dabei war Klopp wegen seines Wutausbruchs sogar von einem Polizisten ermahnt worden, der an der Seitenlinie für Ruhe sorgen sollte.

Er hatte sich im Spiel seiner Elf gegen den AFC Sunderland fürchterlich aufgeregt, weil Sunderlands Jermaine Lens gegen Ende der zweiten Hälfte von hinten in die Beine von Liverpools Mamadou Sakho gerauscht war und den französischen Nationalverteidiger dabei nur mit Glück nicht verletzt hatte. "Für mich ist das eine Rote Karte. Punkt", sagte Klopp.

Für die Bundesliga trifft das wohl zu. In der Premier League legen die Schiedsrichter solche Aktionen nicht selten großzügig aus. So auch in diesem Fall: Lens kassierte die Gelbe Karte.

Eine Nettigkeit von Allardyce

Völlig in Ordnung fand das Sunderlands Sam Allardyce und schickte dem Trainerkollegen gleich noch eine Nettigkeit hinterher: "Klopp ist ein verweichlichter Deutsche, wenn er für so was Rot fordert." Dennoch wollte der 61-Jährige nicht zu sehr mit der Situation hadern. "Wir haben uns die Hand gegeben, und so muss es sein."

Klopp nahm dem Trainerkollegen den "soft german" nicht übel: "Es haben schon Leute schlimmere Dinge zu mir gesagt", erzählte er.

Dass ihm ob des Fouls mal wieder die Sicherung durchbrannte, resultierte auch aus der Tatsache, dass es mit Sakho einen seiner wichtigsten Spieler traf, der gerade erst nach einer Verletzung zu seiner Form zurückfindet.

Doch Klopp war ohnehin viel zu erleichtert über den Ausgang des Matches, das lange auf ein gemütliches 0:0 zusteuerte, bevor Christian Benteke den Ball aus dem Nichts im Tor unterbrachte. Allardyce erklärte das Gegentor zur Mogelpackung. "Wir wissen um die Brillanz eines Coutinho oder Lallana, sie sind schwer zu stoppen. Aber das Tor war doch reiner Zufall: Lallana kann den Ball nicht stoppen, Benteke trifft ihn auch nicht richtig, und trotzdem geht er rein."

Glücklicher, aber nicht unverdienter Sieg

Tatsächlich kam der Treffer in der 46. Minute etwas glücklich zustande – unverdient war er nicht. Sunderland verstand es zwar über weite Strecken, die gegnerischen Angriffe frühzeitig zu unterbinden und Liverpools Pressing nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Im letzten Drittel gelang den "Cats" aber rein gar nichts. "Wir waren da viel zu ängstlich", gestand Allardyce enttäuscht.

Dasselbe gilt allerdings für Liverpool, das wie immer viel spielerischen Aufwand betrieb, sich aber kaum einmal gefährlich in den Strafraum kombinierte. Den "Reds" fehlte es an Ideen und guten Anspielstationen. Umso bemerkenswerter, dass sie dieses zähe Duell dennoch gewannen. Im entscheidenden Moment war der ansonsten glücklose Benteke nicht nur bemüht, sondern erstaunlich effektiv.

Klopp bedankte sich nach dem Spiel überschwänglich bei seinem Stürmer, verzichtete aber nicht auf Kritik. "Ich bin sicher, dass er noch viel besser spielen kann. Aber im Moment benötigen wir seine Tore dringend." Das war noch mehr eine Ohrfeige für die anderen Angreifer als für Benteke selbst.

Klopp kann mit seiner Offensivabteilung derzeit nicht zufrieden sein, sie kreiert zu wenig Chancen und verwertet diese nicht optimal. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der FC Liverpool die Transferperiode nutzen, um für das Toreschießen noch Verstärkung zu holen.

Exzellente Kreativgeister

17 Chancen kreierten Klopps Männer gegen Sunderland – nicht gerade viel für eine Mannschaft, die überfallartigen Angriffsfußball zelebrieren soll. Dieser Wert lag damit um ein Drittel niedriger als in den Spielen gegen Leicester City (1:0) und West Bromwich Albion (2:2), in denen sie zudem fast doppelt so viele Pässe spielten. Nur bei der bitteren 0:3-Niederlage gegen den FC Watford vor gut einer Woche waren die Offensivwerte noch schlechter als gegen Sunderland. Die Liverpooler können es, sie haben exzellente Kreativgeister in ihren Reihen. Aber sie zeigen es zu selten.

Klopps Team ist mental noch nicht so gefestigt wie der Deutsche sich das vorstellt. Mal spielt es selbstbewusst und dominant, mal uninspiriert und fahrig. Daran wird der Trainer in den nächsten Wochen arbeiten.

Vermutlich schaut er dabei neidisch nach Deutschland, wo die Bundesligavereine gerade in der Winterpause relaxen und demnächst im Trainingslager ihre Automatismen einüben. Die Premier League ist da gnadenlos, hier rollt der Ball immer, denn das Geschäft kennt keine Pause. Das ist die größte Herausforderung auf der Insel.

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