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Lionel Messis spektakulärer Elfmeter-Trick Genial oder einfach nur arrogant?

Lionel Messi und Luis Suarez haben mit ihrem seltenen Elfmetertrick eine Debatte entfacht. War die Aktion respektlos und eines Weltfußballers unwürdig? Oder ist genau das Gegenteil der Fall?

Ja, das ist ein Fleck auf Messis weißer Weste

Lionel Messi verschießt einen Elfmeter (so sehen es die Statistiker tatsächlich), und die Fußballwelt ist in Aufruhr. Anstelle eines echten Torabschlusses leistete er sich am Sonntagabend eine Vorarbeit für Luis Suarez, der locker seinen Hattrick vollendete. Reine Nächstenliebe also vom Weltfußballer, der auf seinen 300. Ligatreffer verzichtete? Nein.

Um Messis Verhalten in der Partie gegen Celta Vigo zu beurteilen, genügt nicht allein der Blick in die 82. Spielminute. Die Elfmeterszene muss in einem größeren Kontext betrachtet werden.

1. Der Spielstand: Barcelona führte zehn Minuten vor Schluss 3:1 und hatte sich förmlich in einen Rausch gespielt. Neymar überlupfte seine Gegenspieler mit einem famosen Hackentrick, selbst in der Abwehr waren Übersteiger zu sehen, Tiki-Taka in Perfektion. Also beschlossen Messi, der mit einem tollen Freistoß bereits das 1:0 geschossen hatte, und Suarez mit einem kurzen Blickkontakt, eine Trainingsspielerei in den Ligabetrieb zu integrieren. Hätte der Weltfußballer auch beim Stand von 0:0 zu diesem seltenen, aber nicht ungefährlichen Elfmetertrick gegriffen? Spekulativ, aber unwahrscheinlich.

2. Der Gegner: Celta Vigo hing in den Seilen, war längst bezwungen, als Messi im Strafraum gefoult wurde. Ob aus dieser Situation ein Tor entsteht oder nicht, war völlig unerheblich für die Frage nach dem Sieger. Die deutsche Nationalelf wurde nach dem 7:1 im Halbfinale der Weltmeisterschaft gegen Gastgeber Brasilien weltweit dafür gefeiert, dass sie auf Hackentricks und andere Vorführungen verzichtet hatte, obwohl die Partie längst entschieden war. Als Toni Kroos und Franck Ribéry beim 6:0 gegen Hertha einst öffentlich ausknobelten, wer denn nun einen Freistoß schießen dürfe, war der Aufschrei in der Bundesliga groß. Nach dem Motto: Das gehört sich einfach nicht.

3. Messis Karriere: Der Argentinier ist der begabteste Fußballspieler seiner Generation, darüber besteht außerhalb des Freundeskreises von Cristiano Ronaldo Einigkeit. Kaum ein Profi unterwirft sich so sehr seinem eigenen Können wie der Argentinier. Messi ist kein Schlitzohr und kein Strafraumgauner, er ist weder gerissen noch hinterlistig. Sein Talent ist so groß, so strahlend, dass er es schlicht nicht nötig hat, zu Schwalben, Reklamationen, versteckten Fouls oder anderen Unarten greifen zu müssen. Genau in dieser Liga befindet sich allerdings sein Elfmetertrick. Das Regelwerk erlaubt ihn zwar. Aber das gleiche Regelwerk deckt auch Arjen Robbens Affinität zum Einfädeln im Strafraum. Die Bewertung fällt völlig unterschiedlich aus. Denn es geht darum, wie die Spieler die Grauzonen interpretieren, ob sie die Fairness über das kurzfristige Ergebnis stellen. Dort zeigt sich wahre Größe.

Fazit: Lionel Messi hat keine Regel gebrochen. Trotzdem hat er den FC Barcelona in Schwierigkeiten gebracht. Wie soll ein Klub, der im Jahr viele Spiele wie jenes am Sonntagabend dominiert, ernsthaft von Wettbewerb sprechen können, wenn die Profis sich auf Kosten ihrer Gegenspieler amüsieren? Warum sollten Gegner noch antreten zu Duellen, wenn sie am Ende fürchten müssen, in aller Öffentlichkeit vorgeführt zu werden? Besonders Klubs, die oft gewinnen, sind gut beraten, im Moment des Triumphes Größe zu zeigen.

Das galt bislang auch für Messi, den Besten der Besten. Die Unsportlichkeit passt nicht zu seinem bis dato so herausragenden Fußballwerk. Das ist schade, denn der große Kleine hat oft genug gezeigt, dass er das nicht nötig hat, dass er auch mit sportlichen Mitteln jeden Gegner ausspielen kann. Messis Weste hat seit Sonntagabend einen dunklen Fleck.

Nein, die Moralapostel sollen schweigen

Woche für Woche schauen wir uns den Fußball in der Bundesliga an. Wahrscheinlich aus reiner Gewohnheit. Woche für Woche gleichen sich die Bilder. Wann war das letzte Highlight? Schwer zu sagen. Vielleicht der flauschig-weiße Pelzmantel von Pierre-Emerick Aubameyang am Wochenende. Oder der öffentlich gemachte Gehaltszettel von Medhi Benatia.

Fußball in der Bundesliga ist meist langweilig. Die Rollen sind einfach zu klar verteilt: Bayern München und Borussia Dortmund in der Regel oben, der Rest im Allgemeinen weit unter ihnen. Nur noch mal zur Erinnerung: Nach 21 Spieltagen trennen den Tabellenzweiten BVB und den Dritten Leverkusen schon 13 Punkte. Spannung wird dann zum Schluss hin noch einmal inszeniert, wenn die Abstiegsfrage zu beantworten ist. Ansonsten? Plätschert Spieltag für Spieltag so vor sich hin. München gewinnt, Hannover verliert. Na und?

In Spanien haben wir nun mal etwas Außergewöhnliches gesehen. Lionel Messi beim Elfmeter, er legt auf für Luis Suarez, und der trifft in der 82. Minute zum 4:1 gegen Celta Vigo. Endstand: 6:1. Nun entbrennt die Diskussion. Darf er das, oder darf der Gegner nicht derart gedemütigt werden? Arroganz oder Genialität? Nein, das ist Entertainment. Mehr davon!

Ende August des vergangenen Jahres trickste Bayerns Douglas Costa mal Julian Brand aus. Er lupfte den Ball von hinten mit beiden Beinen über den Leverkusener. Allemal sehenswert. Danach musste sich Costa von seinen Mitspielern anhören, das sei Zirkus und gehöre nicht auf den Platz. Sic. Wir sagen: doch. Was sonst macht den Fußball denn in all seinen Schattierungen bunt? Es sind Kunststücke wie das von Costa – oder eben raffinierte Elfmeter wie der von Messi und Suarez.

Wir fassen mal kurz zusammen. Messis Elfmetertrick war regelkonform, er führte zu einem erfolgreichen Torabschluss. Es ist eine sicherere Variante, als ein gewöhnlicher Strafstoß, denn der Torwart entscheidet sich schon beim Anlauf des vermeintlichen Schützen für eine Ecke. Außerdem wäre Celta Vigo zweifelsohne klar besiegt worden. Selbst Vigos Trainer wertete es als eine von vielen Elfmetervarianten, nicht aber als Schmach.

Es war schlussendlich nur eine Finte aus dem reichhaltigen Repertoire des Fußballs, mehr nicht. Wenn Messi den Torwart bei einem Vorstoß tunnelt oder Suarez mit einem Übersteiger den Schlussmann bei einem Angriff düpiert, gäbe es auch keine Diskussion, ob das überheblich ist.

Messi ist nun mal genial. Punkt. Er zaubert Augenschmaus in den Augenblick, immer wieder. Jetzt brachte er eben mal Raffinesse in einen ordinären Elfmeter. Herrlich war das, solch bestechende Einfälle sind Bundesligaspielern zu wünschen. Gern jede Woche. Alle Moralapostel sollten schweigen.

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