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Transfermarkt Chinas zweite Liga gibt mehr aus als die Bundesliga

Chinas Super League wirbt Europas Topklubs die Spieler ab, und selbst die Zweitligavereine sind im Kaufrausch. Die Fußball-Bundesliga scheint finanziell abgehängt.

Es ist ein Berg Geld, den es da zu verdienen gibt, selbst für einen Multimillionär wie Wayne Rooney. Vorausgesetzt, der Engländer wäre bereit, in die Chinese Super League (CSL) zu wechseln und das Gesicht des aufstrebenden chinesischen Fußballs zu werden. In dem Fall würde sich das wöchentliche Salär des Stürmers von Manchester United auf 640.000 Euro belaufen. Rooney könnte sich Woche für Woche eine schöne Villa kaufen, zwei bis drei Ferrari oder vier Tickets für einen Flug ins All.

Aber der 30-Jährige zögert noch. Vielleicht, weil er lieber in Manchesters Eckkneipen vorbeischaut als im Weltraum. Vielleicht aber auch, weil die Bedingungen in der CSL eher nicht dem europäischen Standard entsprechen. Die Sprache ist schwer zu verstehen, in den meisten Großstädten herrscht fast permanent Smog, und zwischen den Spielorten liegen oft Tausende Kilometer, weshalb die Klubs zu Auswärtsspielen schon Tage vorher anreisen müssen.

Dennoch zog es in dieser Transferperiode 407 Spieler zu Vereinen der CSL, darunter zahlreiche ausländische Stars wie Jackson Martinez, Ramires oder Gervinho. Insgesamt investierten Chinas steinreiche Klubeigner 398,1 Millionen Euro in neues Personal. So viel wie noch nie und weitaus mehr als die Premier League. Wobei natürlich erwähnt werden muss, dass die Saison in der CSL gerade erst beginnt und das Winterfenster dort traditionell für Großeinkäufe genutzt wird, wie sie Europas Ligen nur in der Sommerpause kennen.

Der langjährige Premier-League-Profi Tim Cahill spielt jetzt für Hangzhou Greentown. (Foto: AFP)

Oligarchen im Kaufrausch

Spätestens seit diesem Winter dürfte auch dem Letzten in Europas Ligen klar geworden sein, welch potenter Konkurrent da im Osten heranwächst. "Wir sehen, wie die Chinesen auf den Fußball schauen, wie sie in vielen Bereichen wachsen, nicht nur, was die Spieler betrifft", sagte Manuel Pellegrini, Manchester Citys Trainer, kürzlich. "Sie wissen, was sie tun müssen, um eine echte Größe im Fußball zu werden." Auch City-Mittelfeldmotor Yaya Toure hielten die Bosse in Fernost wohl dicke Geldbündel unter die Nase. Angeblich soll er mit einem Jahresgehalt von 40 Millionen Euro geködert worden sein.

Die Chinesen kleckern also nicht, sie klotzen. Mit ausdrücklicher Genehmigung der Kommunistischen Partei gehen Chinas Oligarchen im Fußball zum Großangriff über. Sie wollen die Liga in Windeseile auf ein Niveau mit den großen Vorbildern in Europa bringen, und Europas Spieler sind da natürlich das beste Aushängeschild. Wer weiß, vielleicht denkt Rooney bis zum Sommer doch noch mal über dieses absurd hohe Angebot nach, dass die Chinesen dieser Tage unterbreiteten.

Alex Teixeira ist da schon weiter. Der Brasilianer wollte ursprünglich der neue Schlüsselspieler bei Jürgen Klopps FC Liverpool werden, doch dann entschied er sich im letzten Moment anders – und spielt nun bei Jiangsu Suning in Chinas Millionenmetropole Nanjing.

Geholfen haben bei der Entscheidung wird ihm die exorbitante Ablöse von 50 Millionen Euro inklusive eines Handgelds und üppigen Gehalts. Klopp äußerte ein gewisses Verständnis für Teixeira: "Wenn du 26 bist und plötzlich so ein Angebot bekommst, dann würde wohl jeder nachdenklich werden."

. (Foto: Infografik Die Welt)

Spielstärke wie in der Oberliga

Bei den meisten ausländischen Profis in China wird das Denken aber recht bald vom Rechnen abgelöst. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich das nicht wegen des Geldes mache", sagte Sead Salihovic der "SZ".

Der Ex-Hoffenheimer kickt nach erfolgreichen Jahren in der Bundesliga nun für Beijing Renhe, einen Klub in Chinas zweiter Klasse. Doch auch wenn die allgemeine Spielstärke dort eher mit der deutscher Regional- oder Oberliga zu vergleichen ist, sollte sich jeder über die Ambitionen des chinesischen Unterhauses im Klaren sein.

Selbst die 16 Vereine der zweiten chinesischen Liga (CFA Jia League) gaben in diesem Winter mehr aus (55 Mio.) als alle 18 Bundesligaklubs zusammen (52,6 Mio.). Das sieht auch Chelsea-Trainer Guus Hiddink so: "Das zeigt doch, wie ernst die Chinesen es damit meinen, internationale Anerkennung zu bekommen." Klar ist aber auch, dass die Entwicklung des chinesischen Fußballs trotz der ehrgeizigen Pläne der Staatsführung und der kräftigen Mithilfe privater Unternehmer noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird.

"In China sind die traditionellen Sportarten wie Tischtennis oder Turnen sehr populär, der Fußballmarkt ist ein relativ neuer Sektor, der zwar stark nachgefragt wird, für den aber erst eine entsprechende Infrastruktur aufgebaut werden muss", sagt etwa Karsten Hollasch, Leiter der Sport Business Gruppe bei Deloitte. Umso kräftiger werden potenzielle Galionsfiguren wie Wayne Rooney umworben. Die Verpflichtung des 30-Jährigen wäre für die CSL eine Investition in die Zukunft, weniger sportlich, dafür aber hinsichtlich der Vermarktung.

Jackson Martinez (r.) spielt mit Guangzhou Evergrande in der asiatischen Champions League. (Foto: AFP)

Know-how kommt ins Land

Was das spielerische Niveau angeht, müssen die Chinesen allerdings kräftig zulegen, wollen sie mittelfristig auch jüngere Topspieler ins Land holen und nicht nur als teure Resterampe für altgediente Routiniers gelten. Denn noch ist ein Engagement in der CSL nicht gerade ein gutes Argument für etwaige Einsätze in der Nationalmannschaft. Doch im Gegensatz zu den USA, wo die Bemühungen, den Soccer zu beleben, ebenfalls verstärkt wurden, ist die Akzeptanz gegenüber dem Fußball in China viel höher.

Die Chinesen lieben den Sport, der gerade dabei ist, Basketball als Volkssport Nummer eins abzulösen. Überall im Land entstehen Fußballschulen und neue Bolzplätze. Chinas Führung bemüht sich zudem intensiv um Tausende Sportlehrer, die die Ausbildung der fußballhungrigen Talente übernehmen sollen.

Der Einkauf teurer ausländischer Stars ist da nur der Anfang eines gewaltigen, in dieser Dimension bislang einzigartigen Sportprojekts. Mittelfristig will China selbst zur Fußballmacht werden. Das Potenzial ist da, und das Know-how kommt auch ins Land. Eines dürfte klar sein: Der chinesische Drache ist längst aufgewacht.

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