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Basketballer aus Rheda-Wiedenbrück Die unglaubliche Siegesserie der Westfalen Mustangs

Stell dir vor, du gründest ein Basketball-Team, das nie verliert. So wie die Westfalen Mustangs, die seit 100 Spielen ungeschlagen sind - eine Serie so spannend wie die Schicksale einiger Spieler.

Der 24. Dezember ist alljährlich der Tag der großen Bescherung. Heiligabend, das Fest der Nächstenliebe. Das dachte sich wohl auch Florian Eichstädt, 32, am 24. Dezember 2010, als er den Basketball-Verein Westfalen Mustangs gründete. "Es ist wie ein eigenes Baby. Irgendwann hat es im Kopf Klick gemacht", sagt der heutige Team-Manager des Oberligisten.

Aus dem kleinen Baby wurde sehr schnell eine große Nummer, nur sechs Monate später hatte Eichstädt im Sommer 2011 mit der U12, U14, U16, U18, U20 und zwei Herren-Mannschaften gleich sieben Teams zu betreuen. "Die Resonanz war und ist überragend. Aber versuchen sie mal, von jetzt auf gleich für sieben Mannschaften Trikotsätze zu besorgen", schmunzelt er.

Alles begann in der 2. Kreisklasse, der damals tiefsten Liga im Basketball. Und schon bei der Gründung hatte Eichstädt nur eines im Sinn: In zehn Jahren – sprich 2020 – solle der Verein ein Erstligist sein. Für das äußerst ambitionierte Ziel müsste der Verein neun Aufstiege in neun Jahren schaffen. Verrückt? Ja! Utopisch? Scheinbar nicht. Denn inzwischen sind die Westfalen Mustangs bereits fünfmal Meister geworden – und vor allem seit 100 Meisterschaftsspielen ungeschlagen.

"Im Basketball ist alles möglich"

Fünf Jahre ohne Niederlage, eine Wahnsinns-Bilanz, die auch Trainer Ilijas Masnic (58) schwärmen lässt: "Viele der Erfolge sind vor meiner Amtszeit eingefahren worden. Ein verdienter Respekt an die Mannschaft und den gesamten Verein. Ich denke nicht, dass wir in dieser Saison noch verlieren können", zeigt er sich selbstbewusst.

Masnic kennt den Profi-Basketball. Er spielte selbst für Bosnien-Herzegowina bei der EM-Endrunde 1993 in Deutschland, hat mit seiner Mannschaft noch eine Menge vor. Ob es sogar bis in die Bundesliga gehen kann? "Im Basketball ist alles möglich. Ich bin nicht mehr so jung, aber Svetislav Pesic (Coach beim FC Bayern Basketball, d. Red.) ist fast zehn Jahre älter als ich und trainiert eines der besten Teams in Europa", sieht Masnic immer noch Luft nach oben.

Schalke-Boss Tönnies ist herzlich willkommen

Auch Team-Manager Eichstädt schielt schon auf die großen Drei des deutschen Basketballs: Alba Berlin, Brose Baskets Bamberg und die Bayern. "Man mag sich gar nicht ausmalen, wenn die mal hier in Rheda-Wiedenbrück auftauchen sollten. Dann platzt das Dorf aus allen Nähten."

Einen anderen prominenten Gast würde Eichstädt besonders gerne in der Halle begrüßen: "Vielleicht mag Herr Tönnies mal bei uns vorbeikommen. Mit Schalke hat es noch nicht regelmäßig hingehauen, die Bayern zu ärgern. Vielleicht klappt es ja im Basketball?" Clemens Tönnies ist Aufsichtsratsvorsitzender bei Schalke 04, zudem Firmenchef von "Tönnies Lebensmittel" mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück.

Ohnehin wollen die Westfalen Mustangs durch ungewöhnliche Maßnahmen auf sich aufmerksam machen. Eichstädt nennt es "den Hollywood-Faktor" und erklärt: "Wir gehen mit unseren Amis in die Schulen, wollen die Kids damit begeistern. Das zieht." Auch der Rest des Kaders kann als verrückte Ansammlung bezeichnet werden. Robert Huelsewede (25) spielte für die Paderborn Baskets bereits in der Bundesliga, der Syrer Majid Alsharaby (19) kam als Flüchtling zum Verein und überzeugte direkt.

Kameruns Kapitän spielt lieber in der Provinz

Auch die Geschichte um Syrille Makanda klingt nach einer Sportschnulze aus Hollywood. Der Nationalmannschaftskapitän Kameruns hat auch die russische Staatsbürgerschaft, bekam diese persönlich von Staatschef Putin unterzeichnet und sollte für die russische Nationalmannschaft auflaufen. Aufgrund seiner Hautfarbe kam es immer wieder zu Diffamierungen, sodass Makanda in die westfälische Provinz wechselte, anstatt in Europa das große Geld zu verdienen.

Jetzt knackten Makanda, Masnic und Eichenstädt mit ihrem Team die magische 100er-Marke gegen Citybasket Recklinghausen 2. Große Feiern waren bei den "Wildpferde" nicht geplant, der Team-Manager gab sich vor dem Spiel ausnahmsweise bescheiden: "Schampus? Ich trinke keinen Alkohol. Aber natürlich werden wir mit unseren Fans ein wenig im Klubhaus feiern. Dann als Team pokern und eine Familien-Pizza bestellen."

Um am Heiligabend 2020 vielleicht die ganz große Bescherung zu feiern: die Bundesliga-Zugehörigkeit. "Natürlich wollen wir auch die nächsten zwei, drei Jahre kein Spiel verlieren. Die 1. Liga bleibt das große Ziel", haut Eichstädt dann doch noch einen raus.

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