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Sport 'Firlefanz': Hasardeur Luitz soll zum Mentalcoach

Youngster Stefan Luitz hat in Beaver Creek erneut die Chance auf einen historischen Triumph im Riesenslalom vergeben. Felix Neureuther litt mit, Alpindirektor Wolfgang Maier riet zur Therapie.

Felix Neureuther war fassungslos, als er seinen Kumpel Stefan Luitz nach der verpassten Chance im Weltcup-Riesenslalom von Beaver Creek im Zielraum liegen sah. "Ey, der Stefan! Das gibt's doch nicht, oder?", rief Neureuther betroffen.

Der Stefan, also Luitz, war drauf und dran gewesen, als erst dritter deutscher Sieger eines Weltcup-Riesenslaloms in die Ski-Geschichte einzugehen, als er, das Ziel vor Augen, böse patzte. "Auf Baierisch gesagt: Das geht mir auf den Sack!", schimpfte DSV-Alpindirektor nach Platz 23 des 23-Jährigen - und gab damit die Gesamtstimmung treffend wieder.

Neureuther konnte sich angesichts des Malheurs gar nicht über seinen fünften Platz freuen. "Ich bin sehr zufrieden", versuchte er sich, ehe ihn das abermalige Unglück von Luitz einholte: "Aber der Stefan - hey, für den tut's mir echt so leid", sagte der 31-Jährige, den der Kollege wohl an einen jungen Hasardeur Namens Neureuther erinnert. "Der Kerl ist so schnell, und, ach, das ist bitter. Wirklich sehr bitter, brutal schade", fügte der "alte" Neureuther zerknirscht an.

Luitz, nach einer couragierten Fahrt im ersten Lauf Zweiter, war im Finale der Schnellste - bis seine Unkonzentriertheit dem Österreicher Marcel Hirscher den 33. Weltcup-Sieg ermöglichte. Hernach zeigte er sich einsichtig. "Das ist kein Pech, wenn so etwas passiert, das war wieder so ein Leichtsinnsfehler von mir", sagte er.

Wieder - das Talent aus Bolsterlang im Allgäu genießt inzwischen den Ruf eines schlampigen Genies. Bei der WM 2013 in Schladming fuhr er das letzte Tor um und wurde disqualifiziert. TV-Experte Frank Wörndl, Slalom-Weltmeister 1987, nannte Luitz' Fahrweise "bei allem Talent fast ein bisschen hirnrissig". Bei Olympia 2014 in Sotschi setzte Luitz noch einen drauf und fädelte im ersten Durchgang auf Platz zwei liegend ein.

"So etwas sollte nicht passieren, das ärgert mich ganz brutal", sagte er diesmal: "Ich weiß ja, dass ich schnell fahren kann, aber es gilt, zwei Läufe runterzubringen - und da heißt es arbeiten!"

Maier dürfte so viel Selbstkritik milde stimmen. Nach dem Rennen war er aber noch einige Stunden richtig sauer. "Da hat der über eine Sekunde Vorsprung - und dann muss er wieder so einen Firlefanz machen", schimpfte Maier, "der muss mal ein bisschen erwachsen werden." Dieses Thema "diskutieren wir mit ihm schon seit Olympia, seit - ach, seit ich ihn kenne", fügte Maier an: "Ich weiß nicht, wann bei ihm das Zehnerl fällt." Der Alpindirektor riet Luitz zu mentalem Training, "damit er lernt, sich bis zum Schluss zu konzentrieren".

Maiers Ärger war auch deshalb groß, weil die Nordamerika-Tour für den Deutschen Skiverband (DSV) insgesamt nicht nach Wunsch lief. Ein Sieg zum Abschluss "hätte uns gut getan", meinte er: "Es ist ja nicht so, dass wir da drüben Urlaub gemacht hätten, wir wollten gut in die Saison reinkommen, aber kommen nicht vom Fleck."

Den Technikern bietet sich am Wochenende in Val d'Isère/Frankreich die nächste Chance. Die anspruchsvolle "Face de Bellevarde" ist Luitz' Lieblingspiste, zwei seiner bisher drei Podestplätze hat er dort eingefahren. "Ich werde mit Vollgas reingehen", kündigte er an. Maier dürfte ein bisschen zusammengezuckt sein.

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