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K.o.-Schläger im Boxen Ohne Weltmeistertitel ist Wladimir Klitschko ein Nichts

Jahrelang dominierte Wladimir Klitschko die Königsklasse des Preisboxens. Zurzeit sorgen andere für die große Show im Schwergewicht. Sie haben Klitschko abgeschrieben - das aber könnte fatal sein.

Wie schnell einstiger Ruhm vergänglich ist, erlebt Wladimir Klitschko (39) derzeit in Reinkultur. Fast ein Jahrzehnt dominierte der Schwergewichtler die Königsklasse des Preisboxens nach Belieben – auch wenn seine Überlegenheit zunehmend mehr Beobachter anödete, Respekt für seine Dauersiegesserie wurde ihm dennoch weltweit gezollt. Nur Joe Louis, der "Braune Bomber" aus La Fayette im US-Bundesstaat Alabama, hatte den Weltmeistertitel länger in seinem Besitz als der Ukrainer.

Nicht einmal zwei Monate ist es her, dass Klitschko vom Briten Tyson Fury als Champion der Verbände WBA, WBO und IBF entthront wurde – und damit offenbar ein völlig neues Zeitalter im Limit über 90,718 Kilogramm einläutete. Bei der Neuaufteilung der Pfründe jedenfalls findet der Name des jahrelangen Dominators im Grunde genommen keine Erwähnung mehr. Stattdessen sind die Namen von Typen wie Deontay Wilder (30), Charles Martin (29, beide USA), ebenjener Tyson Fury (27) und auch David Haye (35, beide England) plötzlich in aller Munde.

Wilder freilich ist kein ganz so Unbekannter mehr, nachdem sich der exzentrische Amerikaner, dessen Oberkörper und Arme mit Tattoos übersät sind, vor zwölf Monaten den WM-Gürtel des WBC erkämpft hatte. Am Wochenende verteidigte er ihn im New Yorker Stadtteil Brooklyn zum dritten Mal. Mit einem lehrbuchreifen rechten Haken ans Kinn schickte er Artur Szpilka, einen früheren Hooligan aus der polnischen Fußballszene, in Runde neun in den Ringstaub. Der Osteuropäer kam erst in seiner Kabine zu Bewusstsein, noch immer liegt er zur Beobachtung im Krankenhaus.

Spektakuläre Aktionen wie jene von Wilder sind es, die den besonderen Reiz des Schwergewichts letztlich ausmachen und die Zuschauer von den Sitzen reißen. Klitschko seinerseits geizte damit zumeist. Seine K.o.-Quote von 78 Prozent in 68 Profikämpfen ist durchaus bemerkenswert. In den "Big Fights" jedoch verpuffte seine Schlagkraft, da er stets das letzte Risiko scheute, das nötig gewesen wäre, um den Gegner auszuknocken. Nach den schweren K.o.-Niederlagen 2003 gegen den Südafrikaner Corrie Sanders und im Jahr darauf gegen den Amerikaner Lamon Brewster ist es nachvollziehbar, dass Klitschko lieber den sicheren Weg zum Erfolg gesucht hat. Später fragt keiner, wie ein Boxer Weltmeister wurde.

Fury und Wilder liefern sich heftige Verbalattacke

Wider Klitschkos Charakter ist es auch, die Massen mit großer Klappe für sich zu begeistern. Wilder und erst recht Fury, wie jeder Boxfan seit dem Duell mit Klitschko weiß, lassen dagegen keine Gelegenheit aus, um sich – wodurch auch immer – ins Rampenlicht zu schieben. Eine Kostprobe ihres hemmungslosen Showgemüts lieferten beide am Samstag im Barclay Center.

Nach Wilders Titelverteidigung kletterte Fury im Stile eines Wrestlers mit breiter Brust schnurstracks durch die Seile in den Boxring, griff sich ein Mikrofon und fing an zu singen: "Es gibt nur einen Tyson Fury!" Und der Engländer wollte von Wilder wissen, was er dazu sagt. Dieser brüllte erzürnt zurück: "Du bist ein Schwindler. Ich schlage dich jederzeit, auch in deinem Garten." Woraufhin Fury lustvoll erwiderte: "Ich werde dich umhauen, du bist doch bloß ein alter Penner."

Beide kamen sich so nahe, dass zwischen ihren Nasen kein Blatt Papier mehr passte. Der Konflikt drohte zu eskalieren. Die 12.000 Augenzeugen in der Arena gerieten aus dem Häuschen. Promoter Lou DiBella rieb sich die Hände: "Das war Spektakel pur. Tyson und Deontay sind super fürs Geschäft. Das wollen die Leute sehen." Es wäre "ein Segen" für den einstigen Fernsehmacher, ein Titelduell zwischen beiden zu veranstalten.

Um Fury reißt sich aber auch Charles Martin. Der Amerikaner, ebenso wie Fury und Wilder als Profi unbesiegt, hatte sich im Vorkampf den vakanten WM-Titel der IBF erkämpft, auch durch einen vorzeitigen Sieg.

Aus London derweil meldete sich am gleichen Abend Ex-Weltmeister David Haye nach dreieinhalbjähriger Auszeit mit einem K.o.-Sieg zurück. Vollmundig kündigte er an, alle Titel vereinigen zu wollen.

Auch wenn keiner von Klitschko sprach, an ihm gibt es (noch) kein Vorbeikommen. Erst einmal muss sich Fury im Frühjahr zum Rückkampf stellen. Danach erst können die Karten neu gemischt werden. Und nichts wäre fataler, als Klitschko, der sich derzeit im Urlaub befindet, schon vor dem Ausgang der Zweitauflage abzuschreiben. Schon einmal belehrte der Hüne alle eines Besseren und kam stärker zurück als jemals zuvor.

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