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Todesfälle in Russland Der mysteriöse Tod der Dopingkontrolleure

Binnen kurzer Zeit sind in Russland zwei Ex-Funktionäre der Antidopingbehörde unter mysteriösen Umständen gestorben. Einer von ihnen soll an einem brisanten Buch gearbeitet haben.

Dies könnte der Plot eines Geheimdienstthrillers sein: Am 14. Februar bricht Nikita Kamajew, der frühere Chef der Antidopingagentur Russlands (Rusada), zu einer Skilanglauftour nahe der Datsche seiner Mutter am Rande Moskaus auf. Weggefährten beschreiben Kamajew als sportlich, im Sommer unternahm er regelmäßig Radtouren in Spanien. Probleme mit dem Herzen soll er nie gehabt haben.

Während der Langlauftour an jenem Tag jedoch klagt der Russe plötzlich über Herzbeschwerden. Nach der Rückkehr bricht Kamajew zusammen. Er stirbt an Herzversagen, im Alter von 52 Jahren. Es ist der zweite Todesfall eines früheren Funktionärs der krisengeschüttelten Rusada innerhalb weniger Wochen. 

Anfang Februar war Wjatscheslaw Sinew gestorben, der die Antidopingorganisation von ihrer Gründung 2008 bis 2010 geleitet hatte. Im Fall von Sinew ist bislang keine Todesursache offiziell bekannt geworden. "Wir bedauern den Tod zutiefst", ließ Sportminister Witali Mutko nun nach Nikita Kamajews unerwartetem Ableben verlauten. Sein Tod wirft Fragen auf.

Als Nikita Kamajew seine Meinung änderte

Kamajew war im Dezember von seinem Posten als Chef der Rusada zurückgetreten. Die Agentur stand massiv in der Kritik, weil sie gegen das systemische Doping im russischen Leichtathletikverband nichts unternommen, sondern es vielmehr offensichtlich begünstigt hatte. Daraufhin suspendierte die Weltantidopingagentur die Rusada und entzog dem Moskauer Antidopinglabor die Akkreditierung. Der russische Leichtathletikverband wurde aus dem Weltverband ausgeschlossen.

Damals bezeichnete Kamajew die Untersuchungen zunächst noch als "unbegründet". Doch offenbar änderte sich seine Meinung. Der Enthüllungsjournalist David Walsh – bekannt geworden durch seine Recherchen im Fall Lance Armstrong – berichtete in der "Sunday Times", Kamajew habe offenbar geplant, ein Buch mit brisantem Inhalt zu veröffentlichen.

Unveröffentlichte, brisante Informationen über Doping

In einer E-Mail an Walsh schrieb Kamajew demnach: "Ich will ein Buch über die wahre Geschichte der Pharmakologie des Sports und Dopings in Russland seit 1987 schreiben, als ich ein junger Wissenschaftler in einem geheimen Labor des sportmedizinischen Instituts der UdSSR war … Ich habe Informationen, die noch nie veröffentlicht wurden. Ich suche einen Co-Autor, der an dem Buch mitarbeitet. Sind Sie interessiert?"

Der ehemalige Sportfunktionär gab an, im Besitz von vertraulichen Dokumenten über verbotene Substanzen und Korrespondenzen mit dem Nationalen Olympischen Komitee zu sein. Das Material hätte angeblich noch belastender sein sollen als die Enthüllungen in der Ende 2014 ausgestrahlten ARD-Dokumentation, die das systemische Doping in Russlands Leichtathletik enthüllte.

Wurde Kamajew möglicherweise unter Druck gesetzt von oberster Stelle, aus dem innersten Machtzirkel des Kreml? Das wäre auch deshalb brisant, weil Sportminister Mutko gleichzeitig Präsident des Organisationskomitees für die Fußball-WM 2018 in Russland ist.

Kamajew war also offenbar bereit, über unheilvolle Verstrickungen zwischen Sport und Politik zu reden. Doch dazu kam es nicht. Eine mögliche öffentliche Aussage des Ex-Rusada-Funktionärs hätte ein politisches Erdbeben nicht nur in Russland ausgelöst – und womöglich die Austragung der Fußball-WM in Gefahr gebracht.

Wollte also jemand die Veröffentlichung des inkriminierenden Werks verhindern? Steckt mehr hinter dem Herzversagen Kamajews, einem möglicherweise unliebsamen Kritiker? Es wäre nicht das erste Mal, dass Dissidenten in Russland auf mysteriöse Weise ums Leben kommen. Regierungskritiker wie die Journalistin Anna Politkowskaja oder der Oppositionspolitiker Boris Nemzow wurden ermordet.

Beweise für ein Mordkomplott gibt es im Fall Kamajew keine. Aber eine natürliche Todesursache scheint angesichts seiner physischen Verfassung und von Zeugenaussagen unwahrscheinlich. Hinzu kommen die ungeklärten Todesumstände des ehemaligen Sportfunktionärs Sinew. Auch er wurde nur 58 Jahre alt. Die russische Justiz scheint an einer Aufklärung wenig interessiert zu sein.

Die Weltantidopingagentur wollte die Vorkommnisse in Russland nicht kommentieren. Die Pressestelle teilte lediglich mit: "Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Kollegen."

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