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Erstes Kerber-Interview nach Grand-Slam-Sieg "Es war alles so viel und so schön"

Nach ihrem denkwürdigen Finale bei den Australian Open hat sich Angelique Kerber große Ziele gesteckt. Im Interview verrät die 28-Jährige, wie sie das Spiel und die Stunden danach erlebte.

Die Daphne Akhurst Trophy, den Siegerpokal der Australian Open, gab sie nicht mehr aus der Hand. Angelique Kerber nahm sie mit auf ihren Marathon durch die Reporterschar und TV-Sender. ESPN, Channel 7, Tennischannel, Eurosport, ARD, ZDF, RTL und wer da noch alles wissen wollte, wie die Deutsche dieses sagenhafte 6:4, 3:6, 6:4 gegen Serena Williams geschafft hatte. Ob bei der Dopingprobe, in der Dusche oder während der Telefonate mit der Familie – Kerber hatte immer eine Hand am Pokal. Der größte Erfolg ihrer Karriere und erste Grand-Slam-Sieg seit Steffi Grafs Sieg in Paris vor 17 Jahren katapultiert die 28-Jährige auf Rang zwei der Weltrangliste und in eine Position, in der sie nun Erwartungen zu erfüllen hat. Sie sieht sich gut gerüstet.

Frau Kerber, Ihr Trainer wollte sich erst wieder rasieren, wenn Sie aus dem Turnier ausscheiden. Haben Sie Torben Beltz den Vollbart schon abgenommen?

Angelique Kerber: Ich habe ihn in den zurückliegenden fünf Stunden nach dem Match tatsächlich nur für fünf Minuten gesehen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich bin von einem Interview zum nächsten, der Wahnsinn. Ich hatte zwei Minuten Zeit zum Duschen und kurz Luft für drei Anrufe. Ich habe mit meinen Eltern, meinen Großeltern und meiner Schwester telefoniert. Ich weiß gar nicht, was Torben gerade macht und wo er ist.

Sie wollten doch noch gemeinsam wie einst Jim Courier in dem Yarra River spielen.

Kerber: Ja, das machen wir Sonntag früh.

Und dann rasieren Sie ihm den Bart ab?

Kerber: Nein, ganz sicher nicht. Das ist seine Aufgabe. Das ist sein Ritual. Damit habe ich nichts zu tun. (lacht)

Ihre Freundin und FedCup-Kollegin Andrea Petkovic hat Ihnen nach Ihrem Sieg via Twitter einen Heiratsantrag gemacht. Nehmen Sie ihn an?

Kerber: Von der Petko immer. Die ist zwar total verrückt, aber ich freue mich, dass sie sich so sehr über meinen Sieg freut.

Nach außen hin wirkten Sie im Finale unglaublich souverän und stabil. Wie sah es in Ihnen drin aus?

Kerber: Es war mein erstes Grand-Slam-Finale, und für Serena war es normal. Aber ich war nicht so nervös, wie ich gedacht hatte. Ich wollte diesen Tag genießen, und das hat schon am Morgen geklappt. Das Einschlagen, die Zuschauer, den Gang auf den Platz – ich konnte das alles wirklich genießen. Ich wollte Serena mit meiner Körpersprache zeigen, dass ich nicht zufällig ins Finale gekommen bin, sondern weil ich eine gute Spielerin bin. Es war klar, dass ich mein bestes Tennis zeigen, ruhig bleiben und auch vom Kopf her stark sein musste, um sie zu schlagen. Und das habe ich von Angang an bis zum Ende geschafft. Ich wusste, dass ich mir diese Chance nicht entgehen lassen darf.

Dennoch dürfte es Sie überrascht haben, wie gut es umzusetzen war.

Kerber: Ja, ich war schon ein wenig überrascht von mir. Aber ich wusste: Nur so geht es. Ich war überzeugt, dass ich sie wirklich schlagen kann. Im Nachhinein weiß ich auch nicht, wie ich das gemacht habe und so ruhig bleiben konnte. Aber das war der Schlüssel: bei mir zu bleiben, meinen Stärken zu vertrauen. Meine Nerven haben nicht wieder gewonnen, was ja schon häufiger mal passiert ist.

Gab es einen Moment, in dem Sie wussten: Jetzt lasse ich es mir nicht mehr nehmen?

Kerber: Nein. Im Gegenteil. Bei 5:2 im dritten Satz wusste ich, dass sie noch einmal zurückkommen würde. Und beim Stand von 5:4 war mir klar, dass sie noch einmal zittern würde und ich diese Chance nutzen muss. Bei 5:5 hätte sie es sich nicht mehr nehmen lassen.

Dann hatten Sie Ihren ersten Matchball …

Kerber: … und ich hoffte und flehte, dass sie mir jetzt kein Ass reinschlägt. Das war in meinem Kopf. Ich dachte nur: "Bitte kein Ass. Bitte kein Ass." Und dann habe ich den Return einfach irgendwie kurz rübergespielt, sie ging ans Netz und spielte den Volley ins Aus. Da kamen die Erleichterung und die Emotionen der letzten Wochen und Jahre hoch. Mir wurde klar, dass mein Traum jetzt in Erfüllung gegangen ist. Dieses Gefühl werde ich in meinem Leben nicht vergessen.

Wussten Sie in dem Moment, dass Sie Geschichte geschrieben haben?

Kerber: Ja, schon. Dass ich Serena, die beste Spielerin der Welt, geschlagen habe, dass ich mein erstes Grand-Slam-Finale gewonnen habe. All das war in meinem Kopf. Es war alles so viel und so schön.

Ihre Box war auch im Finale recht leer. Weshalb haben Sie Ihre Familie nicht nach Melbourne geholt?

Kerber: Die Überlegung gab es natürlich. Aber wir haben gemeinsam entschieden, dass sie zu Hause bleiben und dort auf mich warten. Australien ist jetzt nicht um die Ecke. Und dann für einen Abend 25 Stunden hin- und 25 Stunden zurückzufliegen, wollte ich denen nicht antun. Sie wären gekommen, aber das wollte ich ihnen nicht antun. Und ich wollte mit meinem Team an unseren Ritualen festhalten. Es war mir wichtig, dass da nichts geändert wird.

Wie werden Sie feiern?

Kerber: Mit Betrinken habe ich es ja nicht so, aber wenn ich gleich mit allem durch bin, werden wir uns eine Bar suchen. Geschlafen wird heute nicht mehr. Das mache ich im Flieger. Ich möchte einfach alles genießen und das Gefühl für immer in meinem Herzen haben.

Freuen Sie sich schon auf den Empfang am Samstag beim FedCup in Leipzig?

Kerber: Na klar. Perfekt, dass es jetzt in der Heimat direkt weitergeht. Besser geht es nicht. Ich bin gespannt, wie ich in Deutschland aufgenommen werde und was noch alles passiert. Ich freue mich drauf, aber so weit habe ich noch gar nicht gedacht.

In Deutschland erhoffen sich viele, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, einen neuen Tennisboom. Haben Sie Lust auf die Rolle, die Ihnen nun einige zuschreiben? Liegt Ihnen das überhaupt?

Kerber: Ich glaube, ich bin da reingewachsen. Vor ein paar Jahren hätte ich das wahrscheinlich nicht gekonnt. Es wird viel auf mich zukommen, aber mir macht das Spaß. Es ist schön, dass die Leistung anerkannt wird. Ich denke, das kriege ich hin.

Eigentlich auch ein Stück weit ungerecht, dass dieses eine Finale mehr wert zu sein scheint als ihre konstanten Erfolge in den vergangenen vier, fünf Jahren, oder?

Kerber: Durch Steffi Graf und Boris Becker ist die Erwartungshaltung einfach verdammt hoch. Die Deutschen haben gewartet. Es musste eine Grand-Slam-Siegerin oder ein Grand-Slam-Sieger kommen, um Tennis wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Und das habe ich jetzt geschafft. Ich hoffe, dass Tennis dadurch jetzt auch wieder erwacht und der Sport in den Vordergrund tritt. Tennis ist immer noch eine gute Sportart, und viele Leute lieben es.

Was machen Sie mit den 2,2 Millionen Euro Siegprämie?

Kerber: Ich werde mir sicherlich etwas gönnen, aber ich habe gerade erst erfahren, wie viel Geld es ist. Ich hatte mir da noch keine Gedanken gemacht. Für mich war es wichtig, mir meinen Traum zu erfüllen und ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen.

Ihre nächsten Ziele?

Kerber: Ich bin jetzt die Nummer zwei der Welt. Und irgendwann mal die Nummer eins zu sein und andere Grand Slams zu gewinnen wäre auch erstrebenswert. An Zielen mangelt es nicht. Aber jetzt wird erst mal gefeiert.

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