Informiert bleiben
 
Die Krise in Ägypten
Wie kam es zur Krise in Ägypten?

Mursis jahrzehntelang unterdrückte und verbotene Muslimbruderschaft wurde durch die Erfolge bei den ersten freien Wahlen nach dem Sturz Husni Mubaraks unerwartet an die Macht gespült. Doch gleichzeitig fühlten sich Säkulare und Liberale bei der Gestaltung der Zukunft des Landes übergangen. Sie warfen der Muslimbruderschaft eine Monopolisierung der Macht und eine mangelnde Umsetzung der so wichtigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Reformen vor.    Mursi und seine Anhänger beschuldigten ihre Gegner wiederum, ihre Regierungsarbeit durch ständige Proteste zu untergraben. Anklagen gegen Aktivisten, Journalisten und andere bekannte Persönlichkeiten wegen Beleidigungen gegen Mursi - oder auch gegen den Islam - sorgten dafür, dass sich die Gräben zwischen dem islamitischen und dem säkularen Lager weiter vertieften.    Schließlich rief die Aktivistengruppe Tamarod zum ersten Jahrestag des Amtsantritts Mursis Ende Juli zu Massenprotesten auf. Das mächtige Militär des Landes stellte sich hinter die Demonstranten und nahm Mursi am 3. Juli in Gewahrsam. Eine zivile Übergangsregierung kam an die Macht.

Woran scheitern die Verhandlungen zwischen den beiden Lagern?

Anhänger Mursis demonstrierten seit dessen Sturz für die Wiedereinsetzung des Präsidenten und lehnen den von der neuen Führung vorgelegten Übergangsplan zur Demokratie ab, der eine Änderung der islamistisch geprägten Verfassung und Neuwahlen Anfang kommenden Jahres vorsieht. Weiter erschwert wurde die Vertrauensbildung zwischen den beiden Seiten durch das Vorgehen gegen mehrere Führer der Muslimbruderschaft und die Gefangenhaltung Mursis an einem unbekannten Ort.

Hat die Gewalt gegen die Islamisten Mursis Anhängern Sympathien eingebracht?

Viele Ägypter haben sich gegen die gewaltsame Räumung der Protestlager ausgesprochen und auch moderate Kräfte wollen die Muslimbruderschaft in die politische Zukunft des Landes integriert sehen. Der Rücktritt von Vizepräsident Mohammed ElBaradei als Reaktion auf die Gewalt machte auch die Unstimmigkeiten innerhalb der Regierung deutlich.

Was passiert in Ägypten als Nächstes?

Schwer zu sagen. Viele mächtige Führer der Muslimbruderschaft wurden verhaftet. Die Gruppe könnte nun daher Schwierigkeiten haben, sich nach der Räumung ihrer Lager neu zu formieren. Die Regierung verhängte zudem den Ausnahmezustand und eine nächtliche Ausgangssperre, wodurch neue Proteste leichter niedergeschlagen werden können.    Besonders genau dürfte das Militär auch die Lage auf der Halbinsel Sinai beobachten, wo seit dem Sturz Mursis islamistische Extremisten ohnehin aktiver sind. Sie könnten die Verärgerung über den Tod Hunderter Zivilisten nutzen, um ihre Terrorkampagne voranzutreiben.

Was Ägypten-Urlauber wissen müssen
Wie schätzt das Auswärtige Amt die Lage ein?

Das Auswärtige Amt rät seit Freitag grundsätzlich von Reisen nach Ägypten ab. Dazu zählen nun auch die Urlaubsregionen am Roten Meer. Bereits seit längerem rät die Behörde dringend von Reisen nach Kairo, in die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor, Assuan, Nilkreuzfahrten) und in das Nildelta ab. Wer sich in den Urlaubsregionen befindet, sollte sich besonders umsichtig verhalten und den Hinweisen der Hotels und Reiseveranstalter unbedingt Folge leisten. Unbedenklich ist laut Auswärtigem Amt ein Transitaufenthalt am Flughafen Kairo. Dieser funktioniere normal und sei gut gesichert. Hat der Ausnahmezustand Auswirkungen auf die Touristen?    Teil des Ausnahmezustands ist eine nächtliche Ausgangssperre. Diese gilt dem Auswärtigem Amt zufolge jedoch nicht für die Urlaubsorte auf der Festlandseite des Roten Meeres. Betroffen ist davon auch die Provinz Süd-Sinai. Die Regierung beschloss eine Ausnahme: Die Ausgangssperre in der Provinz gilt nicht für den Badeort Scharm el Scheich. Das entschied das Kabinett nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Kairo.

Welche Rechte habe ich, wenn ich eine Ägyptenreise gebucht habe?

Laut dem Reiserechtler Paul Degott aus Hannover müssen Touristen nicht mit Stornierungskosten rechnen, wenn sie jetzt eine Reise nach Ägypten absagen möchten. In so einer Situation könne man niemandem mehr zumuten, in Ägypten Urlaub zu machen, erläuterte Degott. Ein flächendeckender Notstand heiße: "Es kann alles zusammenbrechen, es ist gefährlich." Das gelte seiner Meinung nach bereits, seitdem der Ausnahmezustand herrscht. Der verschärfte Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amts bestätige diese Bewertung noch einmal, sagte Degott am Freitag.    Das gilt nach Degotts Einschätzung zunächst nur ungefähr für die kommenden zwei Wochen. Je weiter der Abreisetermin in der Zukunft liegt, desto weniger sicher ist, dass Touristen keine Stornierungskosten tragen müssen. "Denn entscheidend ist die Situation heute, und zwar nicht subjektiv nach Angstgefühl, sondern objektiv", sagt Degott. Im Moment sei die Situation auch objektiv gefährlich. Stornieren Urlauber jetzt schon Reisen, die erst Mitte oder Ende September beginnen sollten, müssten sie unter Umständen damit rechnen, dass sie die Kosten selber tragen müssen.

Wie reagieren die Reiseveranstalter?

Tui reagierte als erster großer Veranstalter auf die neue Lage. Bis einschließlich 15. September sagte der deutsche Marktführer alle Reisen in das nordafrikanische Land ab. Urlauber, die sich derzeit in den Baderegionen am Roten Meer befinden, können ihren Urlaub jedoch fortsetzen, da es dort unverändert ruhig sei. Wer seinen Urlaub dennoch abbrechen möchte, soll sich laut Tui an die Reiseleitung vor Ort wenden. Die Absage der Reisen gilt für die Marken Tui, 1-2-FLY, airtours und Discount Travel.     Ähnlich reagieren auch die deutschen Veranstalter von Thomas Cook (Neckermann Reisen, Thomas Cook, Bucher Last Minute und Öger Tours). Auch diese bringen vorerst keine neuen Gäste mehr nach Ägypten. Bereits gebuchte Reisen werden abgesagt. Auf Wunsch erhalten Kunden ein alternatives Reiseziel angeboten. Die Regelung gilt bis zum 15. September 2013. Urlauber, die bereits vor Ort sind, werden wie gebucht nach Deutschland zurückfliegen. Die Airline Condor wird nach eigenen Angaben keine Fluggäste mit Abflügen bis einschließlich 15. September nach Ägypten befördern.

Kann ich noch eine Nilkreuzfahrt machen?

uch von Nilkreuzfahrten rät das Auswärtige Amt dringend ab. Die meisten Veranstalter haben ihre Reisen abgesagt. Phoenix Reisen hat alle Flusskreuzfahrten auf dem Nil bis zum 14. September gestrichen. Auch Schauinsland Reisen bietet bis auf weiteres keine Fahrten an. Nicko Tours hat sich mit seinem Schiff vollständig aus Ägypten zurückgezogen. Die Saison für Nilkreuzfahrten sollte eigentlich im August beginnen und bis Dezember dauern. Der Veranstalter sagte die Touren ab und hat Ägypten auch im kommenden Jahr nicht im Programm.

Auf was müssen sich die Hochseekreuzfahrer einstellen?

Im Herbst und kommenden Winter wird es so gut wie keine Anläufe von Hochseekreuzfahrtschiffen in Ägypten geben. So haben zum Beispiel die Reedereien MSC Kreuzfahrten, Aida Cruises, Costa, Holland America Line, Seabourne sämtliche Fahrten im Roten Meer auf andere Ziele umgeroutet, Stopps an den ägyptischen Mittelmeerhäfen fallen aus.

Imam von St.-Étienne "Die Terroristen sind keine Muslime"

29.07.2016 In Saint-Étienne-du-Rouvray war ein Priester von Islamisten ermordet worden. Mohammed Karabila spricht ihnen ab, echte Muslime gewesen zu sein. Der Imam muss sich gegen Vorwürfe wehren.

 
 

Umringt von Krisen  Tourismus in Griechenland

29.07.2016 Eine der wichtigsten Einnahmequellen Griechenlands droht zu versiegen: Der Tourismus leidet unter den vielen Krisen weltweit. In mancher Hinsicht jedoch profitieren die Griechen.

 
 

Kirchen-Mord in der Normandie Premier Valls gibt "Versagen" der Justizbehörden zu

29.07.2016 Beim jüngsten IS-Anschlag in Frankreich trug ein Attentäter eine elektronische Fußfessel. Manuel Valls, der in einem neuen Drohvideo direkt angesprochen wird, nennt dies nun einen "Fehler".

 
 

Forderung an Berlin Türkei verlangt Auslieferung von Gülen-Anhängern

28.07.2016 Die türkische Regierung fordert von der Bundesregierung, Anhänger des Erdogan-Gegners Fethullah Gülen auszuliefern. In der Türkei gehen die "Säuberungen" derweil weiter.

 
 

Razzia in Moschee Mutmaßliche Salafisten wohl vorgewarnt

28.07.2016 Monatelang bereitete die niedersächsische Polizei einen Schlag gegen mutmaßliche Salafisten vor. Doch musste alles ganz schnell gehen, weil die Verdächtigen möglicherweise vorgewarnt waren.

 
 

Politik Normandie-Ort gedenkt dem von Islamisten ermordeten Priester

28.07.2016 Zwei Tage nach dem islamistischen Mord an dem französischen Priester Jacques Hamel hat seine Heimatgemeinde an den 86-Jährigen erinnert.

 
 

Mord an Priester Ermittler identifizieren zweiten Kirchen-Terroristen

28.07.2016 Ungewöhnlich lange dauerte die Identifizierung des zweiten IS-Attentäters, der gemeinsam mit dem polizeibekannten Islamisten Adel Kermiche eine Kirche in der Normandie angriff. Das hat zwei Gründe.

 
 

Anschläge in Deutschland Weshalb man so wenig von Angela Merkel hört

27.07.2016 Frankreichs Präsident ist nach jeder Gewalttat vor Ort. Kanzlerin Angela Merkel hält sich dagegen nach den Anschlägen in Deutschland zurück. Dahinter steckt eine ganz bestimmte Absicht.

 
 

Kirchen-Attentäter Adel Kermiche "Er war eine tickende Zeitbombe"

27.07.2016 Der Kirchen-Angreifer in der Normandie wollte sich der IS-Terrormiliz anschließen. Zweimal versuchte er die Ausreise, einmal auch über Deutschland. Er war der Polizei bekannt, trug eine Fußfessel.

 
 

Terroranschläge in Deutschland IS-Mitglied auf die Schnelle

27.07.2016 Von europäischen Anhängern des IS geht eine größere Gefahr aus, als bisher vermutet wurde. Die Anschläge von Würzburg und Ansbach zeigen, wie leicht es die Terrormiliz inzwischen hat.

 
 

Sport Wolff: 'Reden zurecht von Gold'

27.07.2016 Bei der Olympia-Generalprobe beim Turnier in Straßburg lief es für das DHB-Team mit einem Sieg gegen Ägypten (30:27) und einer Niederlage gegen Dänemark (19:25) eher mäßig. Für EM-Held Andreas...

 
 

Notfallübung am Flughafen Kein Ausgleich für Verspätung

27.07.2016 An Flughäfen wird regelmäßig für den Ernstfall geprobt. Dadurch kann es im laufenden Betrieb zu Verspätungen bei Flügen kommen. Haben dann Passagiere ein Recht auf Entschädigung?