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Demografie Warum 2016 für Sparer zur Zeitenwende wird

Dieses Jahr wird das erste, in dem die erwerbstätige Bevölkerung der westlichen Industriestaaten abnimmt. Das hat Konsequenzen – auch für Sparer und Anleger. Das müssen Sie jetzt beachten.

Mitten im Zentrum Frankfurts soll es stehen: das Museum Of Modern Electronic Music. Es soll an bessere Zeiten erinnern, an Phasen, als in der Mainmetropole noch jedes Wochenende massenhaft getanzt und gefeiert wurde. Denn selbst in jener Stadt, aus der die Technomusik einst ihren Siegeszug um die Welt antrat, wurde in den vergangenen Jahren ein Klub nach dem anderen geschlossen. Es fehlt an Nachfrage. Es fehlt an Gästen. Es fehlt an jungen Menschen.

So wie Frankfurt geht es vielen deutschen Städten. Der demografische Wandel beginnt sich zu zeigen. Doch er steht noch am Anfang und er wird sich in den kommenden Jahren deutlich beschleunigen. 2016 wird das erste Jahr sein, in dem die arbeitsfähige Bevölkerung in den wohlhabenden Industriestaaten insgesamt zurückgeht.

Das ist gleichsam eine Zeitenwende, die vieles umwälzen wird, auch und vor allem die globalen Finanzmärkte. Das wirkt sich auf jeden einzelnen Sparer und Anleger hierzulande aus.

Bevölkerungswachstum trieb Konjunktur an

Genau 931.329.000 Menschen im Alter von 15 bis 64 Jahren lebten dem jüngsten Bevölkerungsbericht der UN zufolge im vergangenen Jahr in den wohlhabenden Staaten dieser Erde. Das waren immerhin noch 109.000 mehr als ein Jahr zuvor. Doch das war's dann. Von nun an geht's bergab.

Bis 2020 wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in diesem Teil der Erde um 2,8 Millionen zurückgehen, bis 2050 werden es sogar fast 50 Millionen weniger sein.

Das sind Prognosen. Doch es gibt wenige Vorhersagen, die so zuverlässig sind wie jene zur Bevölkerungsentwicklung. Denn der Großteil der Menschen, die dabei gezählt werden, sind ja bereits geboren. "Die wichtigsten Volkswirtschaften der Welt befinden sich derzeit in der Nähe ihres demografischen Optimums", stellt Martin Moryson, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim, daher fest. Das heißt im Klartext: Ab jetzt wird es schlechter.

Rund die Hälfte des Wirtschaftswachstums ging in den vergangenen Jahrzehnten allein auf die wachsende Zahl der arbeitenden Menschen zurück. Das hat die Unternehmensberatung McKinsey ausgerechnet. Die Wirtschaftsleistung erhöhte sich demnach in den vergangenen 50 Jahren in den 20 größten Volkswirtschaften um durchschnittlich 3,6 Prozent pro Jahr. 1,7 Prozent davon gingen auf das Bevölkerungswachstum zurück, 1,8 Prozent auf die Steigerung der Produktivität.

In den kommenden 40 Jahren werde das Wachstum dagegen um rund 40 Prozent niedriger ausfallen, prophezeien die Experten, allein aufgrund der demografischen Entwicklung.

Auch China leidet unter demografischem Wandel

Doch es könnte sogar noch schlimmer kommen. Denn es verändert sich auch die Zusammensetzung der Arbeitnehmer, mehr Älteren stehen weniger Jüngere gegenüber. "Jüngere, aktive Arbeitnehmer tragen in der Regel überproportional zum Produktivitätswachstum bei", gibt Colin Moore zu bedenken, Chef-Anlagestratege der amerikanischen Investmentgesellschaft Columbia Threadneedle. So könnte also zusätzlich auch noch die Produktivität künftig langsamer wachsen.

Zudem wird die Erwerbsbevölkerung nicht nur in den westlichen Industriestaaten schrumpfen. Das Gleiche gilt auch für China, das immerhin in den vergangenen Jahrzehnten ganz entscheidend zur Vergrößerung des globalen Arbeitskräftepotenzials beigetragen hat.

In den kommenden fünf Jahren wird dort jedoch die Zahl der Einwohner im Alter zwischen 15 und 65 Jahren ebenfalls um fast 15 Millionen zurückgehen, bis 2050 sogar um über 200 Millionen. Die Ein-Kind-Politik zeigt ihre Auswirkungen.

Zinsen und Inflation dürfte steigen

Eine naheliegende Konsequenz ist, dass Arbeitskräfte knapper werden. "Die Löhne werden steigen", sagt Manoj Pradhan, Ökonom bei der Investmentbank Morgan Stanley. Dies wiederum werde dazu führen, dass die Firmen vermehrt investieren, um Arbeitskräfte durch Maschinen zu ersetzen. Dadurch steige die Nachfrage nach Krediten.

Gleichzeitig jedoch würden die Menschen weniger sparen, denn gemeinhin ist es die arbeitende Bevölkerung, die spart, während Rentner nur noch selten zusätzliches Geld auf die hohe Kante legen. Vielmehr könnten sie künftig sogar vermehrt Ersparnisse auflösen. Die vermehrte Nachfrage nach Krediten auf der einen Seite und die geringere Sparneigung auf der anderen Seite würden jedoch dazu führen, dass das Zinsniveau insgesamt steigt, so Pradhan.

Das muss aber nicht unbedingt heißen, dass sich Tagesgeldkonten wieder lohnen werden. Denn parallel dazu, so glaubt Pradhan, werde auch die Inflation wieder zulegen, wegen der steigenden Löhne. Aktien dagegen könnten darunter leiden, dass die Unternehmen sowohl für Löhne als auch für Kredite mehr ausgeben müssen als zuletzt. Die rekordhohen Margen, die sie in den vergangenen Jahren erzielen konnten, würden also der Vergangenheit angehören.

Neue Wachstumszentren in Afrika

Es sei denn, es gelingt der Wirtschaft ein neues Arbeitskräftepotenzial zu erschließen. Denn zwar altert die Weltbevölkerung. "Es gibt aber immer noch viele junge Menschen, nur leben sie nicht dort, wo sich derzeit die Nachfragezentren befinden", sagt Colin Moore.

Konkret dürfte sich beispielsweise die erwerbsfähige Bevölkerung von Nigeria den UN-Projektionen zufolge von heute knapp 100 Millionen bis 2050 auf über 240 Millionen erhöhen. In drei Ländern – Indien, Pakistan und Bangladesh – werden dann insgesamt rund 2,2 Milliarden Menschen leben, mehr als in Europa, Nord- und Südamerika zusammen.

"Dort wird voraussichtlich das Wirtschaftswachstum der Zukunft generiert", sagt Markus Jaeger, Schwellenländerexperte bei der Deutschen Bank, "zumindest, wenn es diesen Ländern gelingt, wachstumsfreundliche inländische Institutionen und politische Stabilität zu schaffen." In diesem Fall dürfte in jenen Regionen auch für Investoren das größte Potenzial liegen. "Trotz der schwachen Performance dieser Märkte in der letzten Zeit", so Jaeger.

Es gibt auch Gewinner der Überalterung

Eine andere Strategie kann darin liegen, auf die Gewinner der demografischen Veränderungen in den westlichen Staaten zu setzen. Das macht beispielsweise die Investmentboutique CPR mit ihrem Global Silver Age Fonds. Er investiert gezielt in jene Branchen, die von der Alterung der westlichen Gesellschaften profitieren dürften. Konkret sind dies die Sektoren Reise und Freizeit, Finanzunternehmen, Betreuung, Körperpflege, Sicherheit, medizinische Geräte, Pharmazeutika und auch die Automobilindustrie.

Die größten Positionen im Fonds sind das Kreuzfahrtunternehmen Norwegian Cruise Line, der Pharmahändler McKesson und das amerikanische Bestattungsunternehmen Service Corp International. Grabsteine und Särge statt wummernde Beats der Technomusik – so sieht offenbar die Zukunft der westlichen Gesellschaften aus.

Zuwanderung als Alternative

Es sei denn, sie verjüngen sich durch Zuwanderer. Für Paul Diggle, Volkswirt bei Aberdeen Asset Management, liegt darin einer der großen Vorteile der großen Zahl an Flüchtlingen, die derzeit zu uns kommen. "Für die Wirtschaft der europäischen Länder und insbesondere für das überalterte Deutschland könnte sich der Zustrom mit der Zeit als wahrer Segen herausstellen."

Vor Beginn der Flüchtlingskrise ging man davon aus, dass sich die arbeitsfähige Bevölkerung Deutschlands bis 2060 jedes Jahr um 0,7 Prozent verringert, innerhalb von fünf Jahren um 3,5 Prozent. Die Flüchtlinge sind zum ganz überwiegenden Teil jünger als 35. Sie können den Trend damit verzögern. Aber um ihn aufzuhalten, müssten dauerhaft jedes Jahr mindestens 300.000 Menschen zuwandern.

Und auch dann wäre dies nur ein Gewinn, wenn sie über die notwendigen Qualifikationen verfügen und schnell integriert werden. Wenn dies jedoch gelingt, dann wäre dies eine einzigartige Gelegenheit für Deutschland, sich zu verjüngen. "Und vielleicht", so Diggle, "wird 2016 dann zu dem Jahr, in dem Deutschlands demografische Zeitbombe, wenn auch nur vorübergehend, entschärft wurde."

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