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Vermögensstudie der Bundesbank Warum nur die Reichen reicher werden

Zum zweiten Mal hat die Bundesbank die Vermögensverteilung in Europa untersucht. Die Studie zeigt deutlich, wer zu den Gewinnern und wer zu den Verlierern gehört und auch warum.

Als die Bundesbank vor drei Jahren ihre erste Studie über die Vermögenssituation der Privathaushalte in Deutschland veröffentlichte, war die Empörung groß. Ausgerechnet inmitten der Euro-Krise – als mit deutscher Hilfe milliardenschwere Rettungspakete für Griechenland geschnürt wurden – stellte sich heraus, dass das Vermögen der Deutschen im europäischen Vergleich geringer und zudem besonders ungleich verteilt war.

Mittlerweile liegt die zweite Studie dieser Art vor. Und auch wenn die meisten Länder ihre Daten noch nicht fertig aufbereitet haben: Die bereits verfügbaren Ergebnisse für Deutschland und Italien legen nahe, dass sich an dem Befund von vor drei Jahren nichts Wesentliches geändert hat. "Die Vermögen sind weiterhin – gemessen an anderen Ländern im Euro-Raum – relativ ungleich verteilt", urteilen die Bundesbank-Ökonomen in ihrer Analyse der neuen Ergebnisse, die jetzt im aktuellen Monatsbericht der Zentralbank erschienen ist.

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Allerdings haben die Jahre der Finanzkrise vor allem im Süden der Euro-Zone durchaus Spuren hinterlassen. Entsprechend sind die Nettovermögen enger zusammengerückt, als das bei der ersten Erhebung der Fall war.

. (Foto: Infografik Die Welt)

Nettovermögen sind um drei Prozent gestiegen

Wie aus den neuen Daten hervorgeht, die von April bis November 2014 durch Befragung von 4500 Haushalten in Deutschland erhoben wurden, beträgt das durchschnittliche Nettovermögen der deutschen Privathaushalte, also das Vermögen nach Abzug der Verschuldung, hierzulande mittlerweile 214.500 Euro. Im Vergleich zur ersten Umfrage, die 2010 erhoben und 2013 veröffentlicht wurde, ist das ein Anstieg von zehn Prozent.

Rechnet man die Preissteigerungen heraus, sind die Nettovermögen der Deutschen in diesem Zeitraum um drei Prozent gewachsen. Deutlich aufschlussreicher für die Vermögensverteilung eines Landes ist allerdings der sogenannte Median, der die rund 40 Millionen Haushalte in Deutschland in eine reichere und eine ärmere Hälfte teilt. Dieser Wert für das Nettovermögen lag zuletzt bei 60.400 Euro. Gegenüber der ersten Erhebung ist das ein deutlicher Anstieg um 18 Prozent beziehungsweise – nach Abzug der Inflation – um zehn Prozent.

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Während die Deutschen in den vergangenen Jahren also etwas reicher geworden sind, hat sich die Vermögenslage in Italien genau umgekehrt entwickelt. Das durchschnittliche Nettovermögen der Italiener sank demnach um 16 Prozent auf 218.000 Euro. Das Mediannettovermögen brach im Vergleich zur ersten Erhebung sogar um 19 Prozent ein und betrug zuletzt 138.000. Allerdings liegt auch dieser geschrumpfte Wert nach wie vor sehr deutlich über dem Median der deutschen Nettovermögen.

Einer der Gründe für die sehr unterschiedliche Verteilung innerhalb Europas ist allerdings auch, dass in der Studie gar nicht alle Vermögensansprüche erfasst werden. Dazu zählen etwa Ansprüche gegenüber der gesetzlichen Sozialversicherung, die in Deutschland einen hohen Stellenwert hat, oder auch die staatlich finanzierte Bildung an Schulen und Hochschulen.

Deutsche ändern ihr Anlageverhalten kaum

Auffällig ist auch, dass die Deutschen in ihrem Anlageverhalten bisher kaum auf die extrem veränderte Finanzwelt reagiert haben. Gemessen an der ersten Umfrage 2010 fand die zweite Welle der Haushaltsbefragungen immerhin in einem völlig veränderten Umfeld statt: Die EZB hat die Leitzinsen in diesem Zeitraum immer weiter gesenkt und im Juni 2014 sogar erstmals Negativzinsen beschlossen, gleichzeitig sind Aktienkurse und Immobilienpreise in dieser Zeit rasant gestiegen.

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Doch weder der Anteil der Haushalte, die Aktien oder Immobilien besitzen, noch die Anteile des Finanz- und Bruttovermögens der Deutschen haben sich in diesem Zeitraum wesentlich verändert. "Die Haushalte haben in ihrem Anlageverhalten bisher kaum auf sich verändernde Vermögenspreise und Nominalzinsen reagiert", konstatieren die Bundesbank-Ökonomen.

Ein Grund dafür sei vermutlich, dass vielen Haushalten trotz der niedrigen nominalen Zinsen das nötige Eigenkapital fehle, um Immobilien zu erwerben, zumal die Preise für Häuser und Wohnungen in den vergangenen Jahren in vielen Regionen deutlich gestiegen seien.

Reiche profitieren vom Immobilienboom

Der Umfrage zufolge besaßen zuletzt zehn Prozent der Haushalte Aktien, 2010 waren es elf Prozent. Der Anteil der Haushalte, die Fonds besitzen, ist in dieser Zeit von 17 auf 13 Prozent gesunken. Hingegen lag der Anteil der Haushalte, die auf Sparanlagen oder Bausparverträge setzen, mit 75 Prozent immer noch deutlich über den Anteilen für andere Anlageformen – obwohl sich gerade diese Art der Geldanlage angesichts des extrem niedrigen Zinsniveaus alles andere als attraktiv entwickelt hat.

Ähnlich wie schon 2010 konzentriert sich der Immobilien- und auch der Aktienbesitz weiterhin vor allem bei den vermögenderen Haushalten, die damit auch überproportional vom Anstieg der Immobilienpreise und Aktienkurse profitieren konnten.

Wie entscheidend gerade Immobilienbesitz für die Vermögensbildung der privaten Haushalte ist, lässt sich vor allem an jenen 2139 Haushalten nachvollziehen, die zum zweiten Mal an der Bundesbank-Umfrage teilgenommen haben. Während sich die Hälfte der Haushalte, die ihren Hauptwohnsitz auch selbst besitzen, zwischen 2010 und 2014 über Zuwächse beim gesamten Nettovermögen von mehr als 33.500 Euro freuen konnten, mussten sich die Mehrzahl der Mieter in diesem Zeitraum mit einem Vermögensplus von weniger als 1000 Euro begnügen beziehungsweise sogar Rückgänge hinnehmen.

Große Unterschiede zwischen Ost und West

Ähnlich sieht es beim Vergleich der Haushalte mit und ohne Aktienbesitz aus. Während die Nettovermögen bei mehr als der Hälfte der Wertpapierbesitzer um mehr als 38.000 Euro anzogen, gab es bei mehr als der Hälfte der Haushalte ohne Aktiendepot einen Zuwachs von gerade einmal 2500 Euro oder sogar Rückgänge.

Auch an der ungleichen Vermögensverteilung zwischen Ost- und Westdeutschland hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. Während das durchschnittliche Nettovermögen der Haushalte in den ostdeutschen Bundesländern 96.100 Euro betrug, lag es im Westen mit 246.000 Euro weiterhin mehr als doppelt so hoch. "Vermögen baut sich nur langsam auf. Vier Jahre sind daher ein relativ kurzer Zeitraum, um wirklich schon deutliche Veränderungen bewirken zu können", sagte Bundesbank-Forscher Tobias Schmidt bei der Präsentation der Ergebnisse.

Insgesamt wurden für die repräsentative Studie "Private Haushalte und ihre Finanzen" (PHF) 4461 private Haushalte mit 9256 Personen ab 16 Jahren in Deutschland befragt. Die Studie ist Teil der Befragungen zu Haushaltsfinanzen im Euro-System, mit der die Notenbanken ihre Entscheidungsgrundlagen in der Geldpolitik verbessern wollen. Die vollständige Studie, die den Vergleich innerhalb Europas erlaubt, soll in der zweiten Jahreshälfte veröffentlicht werden.

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