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Vorsicht, Nebenwirkungen! Diese beliebten Medikamente sind ziemlich gefährlich

Alltägliche Medikamente helfen bei Beschwerden, doch zeigen sie auch allzu oft Nebenwirkungen. Viele vermeintlich harmlose Arzneimittel haben es in sich.

Fast 650 Millionen Arzneimittelpackungen pro Jahr – mengenmäßig können sich die 70 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland nicht über ein sparsames Verordnungsverhalten ihrer Ärzte beklagen. Denn der einzelne Patient kommt dadurch auf eine durchschnittliche Medikamentendosis von 1,5 Einheiten pro Tag. Und dabei wird er getragen von der Hoffnung, dass ihm die Mittel helfen – und möglichst wenige Kollateralschäden anrichten. Doch gerade der letztere Wunsch geht nur selten in Erfüllung.

Trotz aller Forschung sterben jährlich bis zu 60.000 Menschen an Arzneimittelnebenwirkungen – mehr als zwölfmal soviel wie die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr. Die zehn beliebtesten Arzneimittelgruppen verdanken ihre Umsatzerfolge keineswegs ihrem geringen Risiko. Oft wird dies von Ärzten und Patienten bewusst in Kauf genommen.

Bei NSAR kann Magenschleimhaut schlapp machen

Fast jeder hat schon mal Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie ASS (Acetylsalicylsäure), Diclofenac und Ibuprofen eingenommen. Sie hemmen ein für die Schmerzentstehung benötigtes Enzym namens Cyclooxygenase, das jedoch auch für die Instandhaltung von Darm- und Magenschleimhaut benötigt wird, sodass dort erhebliche Schäden enstehen können.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft warnt, "dass bei über 65-jährigen 20 bis 30 Prozent aller Krankenhausaufnahmen und Todesfälle durch Magen- und Darmgeschwüre auf eine Behandlung mit NSAR zurückgeführt werden können".

Die Risiken sind zwar Ärzten und Patienten mittlerweile bekannt, doch ein wirkliches Umdenken hat nicht eingesetzt. Deutsche Mediziner verordnen insgesamt 800 Millionen Tagesdosen Diclofenac und Ibuprofen pro Jahr, obwohl die sich kürzlich auch als Risikofaktor für den Herzinfarkt herausgestellt haben.

Protonenpumpenhemmer mindern Mineralien

Diese Mittel reduzieren den Säuregehalt im Magen und werden deshalb bei Sodbrennen verordnet. Das bekannteste Medikament ist Omeprazol, das hierzulande knapp 500 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Und das, obwohl es laut jüngeren Fallberichten bei längerer Einnahme zu Magnesium- sowie Kalzium- und Kaliumdefiziten mit Krämpfen und Herzrhythmusstörungen führen kann.

Mögliche Erklärung: Omeprazol blockiert die Mineralaufnahme im Darm. Außerdem können Pumpenhemmer zu Hautreaktionen, Müdigkeit, Schlafstörungen, Schwindel, Ohrensausen, Kopfschmerzen sowie Hör- und Geschmacksstörungen führen. Das sind schon recht schwerwiegende Nebenwirkungen für ein Medikament, das bei Sodbrennen und damit bei etwas eingesetzt wird, das sich oft durch eine Mäßigung und Umstellung in der Ernährung lindern ließe.

Ritalin: Konzentriert – aber mit Depression

Der Arzneistoff Methylphenidat (MPH), besser bekannt unter dem Handelsnamen "Ritalin", soll zappelige Kinder mit Aufmerksamkeitsstörung wieder in die Spur bringen. Doch die Droge kann auch das Wachstum stören, Ritalin-Kinder bleiben oft kleiner als andere. Außerdem unterstützt sie, wie der Tübinger Neurobiologe Niels Birbaumer warnt, "das Gehirn nicht nur an den Punkten, wo sie gebraucht wird, sondern flutet es mit Botenstoffen, die ihre Wirksamkeit auch an anderen, unerwünschten Stellen entfalten".

Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Nervosität, Angstgefühle, depressive Verstimmungen, Tics, Drehschwindel und Zähneknirschen können die Folge sein. Davon wissen auch viele Ärzte und Eltern. Trotzdem schlucken hierzulande etwa 200.000 Schulkinder Ritalin. In den USA sind es sogar mehr als sechs Millionen.

Mit Antidepressiva gut gelaunt zum Knochenbruch

Bei Depressionen kommen vor allem zwei Arzneigruppen zum Einsatz: TZA (Trizyklische Antidepressiva) und SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer). Trotz pharmazeutischer Fortschritte haben sie immer noch schwerwiegende Nebenwirkungen im Gepäck: Die TZA führen oft zu Mundtrockenheit, Verstopfung und Herz-Kreislauf-Problemen. Die SSRI können Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und sexuelle Lustlosigkeit mit sich bringen.

Bei älteren Patienten erhöhen SSRI – bei gleichzeitigem Verringern der Knochendichte – das Risiko, zu stürzen. Ihre Knochen brechen also nicht nur schneller, sie bekommen durch Stürze auch öfter Gelegenheit dazu. Die TZA können hingegen bei Demenzpatienten den Verlust der kognitiven Fähigkeiten beschleunigen. Kinder und Jugendliche werden durch Antidepressiva möglicherweise aggressiv.

Englische Forscher ermittelten für Paroxetin, das eigentlich von Psychiatern als eher harmlos eingeschätzt wird, eine erhöhte Quote feindseliger Aktionen. Bei Kindern mit Zwangsstörungen explodieren sie sogar aufs 17-fache.

Mit Benzodiazepinen tief entspannt ins soziale Abseits

Mehr als eine Million Bundesbürger sind laut Expertenschätzungen abhängig von Benzodiazepinen. Doch das hält Ärzte nicht davon ab, jährlich 230 Millionen Tagesdosen dieser angstlösenden Beruhigungs- und Schlafmittel zu verordnen.

Knuth Hoffmann von der Universität Witten-Herdecke vermutet dahinter als Motiv, dass die Patienten von der Wirksamkeit des Mittels so überzeugt seien, "dass sie auf ihren Arzt einen hohen Druck ausüben". Außerdem hätte die Pharmaindustrie über lange Zeit die Bedeutung des Suchtrisikos verharmlost.

Dabei führt Benzodiazepinabhängigkeit selbst in gemäßigter Form zu Konzentrationsschwäche und emotionaler Abstumpfung. Eine langjährige Einnahme mündet in sozialem und sexuellem Desinteresse – und schließlich oft in die Beschaffungskriminalität.

Antibiotika schädigen Darmflora und Immunsystem

Etwa jeder dritte gesetzliche Versicherte bekommt pro Jahr mindestens eine Antibiotikaverordnung – wohl wissend, dass gerade der flächendeckende Einsatz dieser Mittel hauptverantwortlich ist für die Ausbildung multiresistenter Bakterienstämme, die kaum noch auf Antibiotika reagieren. Ganz zu schweigen davon, dass diese Mittel auch individuell schwere Nebenwirkungen haben. Das sind Allergien, Pilzinfektionen und eine Destabilisierung der Darmflora, was wiederum das Immunsystem schwächt. Kinder, die schon im Babyalter Antibiotika bekommen haben, erkranken besonders oft an Asthma.

Dosierung bei Schilddrüsenmedikament wichtig

Präparate mit diesem Wirkstoff werden bei einer Schilddrüsenunterfunktion als Hormonersatz eingesetzt. In Deutschland werden jährlich über eine Milliarde Einzeldosen davon verordnet. Was eigentlich kein Problem ist, denn Levothyroxin gilt als gut verträglich. Doch oft finden die Ärzte nicht die richtige Dosierung.

Die Hormonersatztherapie bei Schilddrüsenerkrankungen scheitere oft, so Internist Andreas Schäffler von der Uni-Klinik Regensburg, "an ihrer konsequenten und praxisorientierten Umsetzung". Viele Patienten klagen über Herzjagen, Schwitzen und Zittern – es sind die typischen Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion, und damit ein deutlicher Hinweis darauf, dass das Präparat überdosiert ist.

Betablocker oft aus Angst unter Verdacht

Metoprolol und andere Betablocker entlasten den Herzmuskel, sie gelten als Säule in der Behandlung von Bluthochdruck, Infarkten und Herzschwäche. Doch ihr Image ist schlecht. Sie gelten bei vielen Patienten als gefährliche Pharmakeulen, die das Leben sogar verkürzen können.

Tatsächlich haben sich jedoch in einer englischen Studie lediglich fünf Symptome als "echte" Nebenwirkungen der Betablocker herausgestellt: verlangsamter Puls, "Schaufensterkrankheit" (Durchblutungsstörungen in Armen und Beinen), Durchfall, Überzuckerung und Schwindelgefühle. Andere als typische Nebenwirkungen geltende Symptome wie Brustschmerzen, Depressionen, Schlaflosigkeit und Herzjagen treten hingegen auch – und manchmal sogar noch häufiger – bei Patienten auf, denen man ein wirkungsloses Scheinmedikament verabreicht hat.

Der sogenannte Noceboeffekt, wonach negative Wirkungen aufgrund der Erwartungshaltung des Patienten entstehen, ist bei Betablockern also besonders stark ausgeprägt.

ACE-Hemmer versetzt Immunsystem in Alarmzustand

ACE-Hemmer gelten als Blutdrucksenker der ersten Wahl. Über vier Milliarden Tagesdosen dieser Mittel werden jährlich verschrieben. Dabei besitzen sie eine breite Palette von Nebenwirkungen wie Husten, Heiserkeit, Atemnot, Blutdruckabfall und Nierenversagen sowie heftigen Immunreaktionen und Lichtempfindlichkeiten.

Krankenkassen und Ärztekammern warnen außerdem davor, gleichzeitig das Gicht-Medikament Allopurinol einzunehmen. In der Fachliteratur wird von Patienten berichtet, die nach der Einnahme der beiden Arzneimittel einen anaphylaktischen Schock erlitten, manchmal kam es sogar zu einer Verkrampfung der Herzkranzgefäße.

Statine senken Cholesterin – steigern aber Zucker

Statine werden bei Stoffwechselstörungen zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt. Ihr Einfluss auf den Stoffwechsel geht jedoch weit darüber hinaus. So zeigen jüngere Studien, dass sie das Risiko für Diabetes um 27 Prozent erhöhen.

Was jedoch den Patienten weitgehend unbekannt ist, weil Ärzte und Apotheker ihnen in der Regel nur mitteilen, dass sie mit Muskelschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden zu rechnen hätten. Und: Diese Botschaft allein reicht offenbar, wie jetzt englischen Forscher ermittelt haben, schon aus, um die genannten Symptome hervorzurufen.

In Studien berichteten Patienten, denen man ein Statin-Placebo verabreicht hatte, genauso oft über diese Nebenwirkungen wie jene, die das echte Medikament bekommen hatten.

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