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Winterdepression Dieses einfache Mittel vertreibt düstere Stimmung

Während viele Menschen von den gemütlichen Wintertagen schwärmen, graut es anderen vor der dunklen, trostlosen Jahreszeit. Ärzte wissen, dass der Traurigkeit nicht nur mit Pillen beizukommen ist.

Unter den Leuchtstoffröhren des Krankenzimmers liegt eine ältere Frau, den Kopf leicht zur Seite geneigt. Es ist gleich Mittag und der Raum hell erleuchtet. Doch ihr Körper bekommt von der Uhrzeit nichts mit. Die Patientin kann wegen einer Operation das Zimmer seit einigen Tagen nicht verlassen. Und so fehlt ihr das Tageslicht, das ihrem Organismus den richtigen Schlaf-Wach-Rhythmus vorgibt. Die Leuchtstoffröhren sind dafür zu schwach.

Vielen Menschen geht es im Winter ähnlich, obwohl sie es nicht bemerken. Sie sitzen Tag für Tag im Büro, oft schon vor Sonnenaufgang und bis weit nach Einbruch der Dunkelheit. Sie halten sich in hellen Räumen auf, ohne zu wissen, dass ihr Körper kein richtiges Licht bekommt. Jeder vierte Deutsche verspürt den sogenannten Winterblues, wenn das Tageslicht knapp wird.

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Wer ihn hat, bekommt Heißhunger auf Süßes, schläft länger als im Sommer und fühlt sich schlapp und antriebslos. Der Winterblues hat nichts mit schlechter Laune oder mangelnder Disziplin zu tun. Er ist eine Vorstufe der Winterdepression, unter der ein bis zwei Prozent der Bevölkerung leiden. Ärzte sprechen von Seasonal Affective Disorder (SAD), der saisonal-affektiven Depression. Sie kann so stark sein, dass Menschen nicht mehr arbeitsfähig sind.

Licht als Gegenmittel

Es gibt ein einfaches Gegenmittel: Licht. Es sorgt für einen geregelten Schlaf-Wach-Rhythmus und dafür, dass im Gehirn genügend Serotonin ausgeschüttet wird. Doch ausreichend Tageslicht zu bekommen ist im Winter nicht einfach. Darum kann man es in hohen Dosen kaufen, und das hat seinen Preis. Die Krankenkassen bezahlen bei SAD zwar Antidepressiva, aber nicht die Bestrahlung mit Tageslichtlampen.

Wie wirksam Licht ist, zeigt die Berliner Charité in einem derzeit laufenden Experiment. Dazu vergleichen die Ärzte zwei Gruppen von Patienten miteinander, zu der auch die ältere Frau gehört. Insgesamt 76 Männer und Frauen auf der Intensivstation werden untersucht. Die eine Gruppe liegt unter normalen Krankenhauslampen, etwa 100 Lux kommt bei ihr an. Der anderen Gruppe simuliert ein Lichthimmel mit speziellen LED-Leuchten Tageslicht. Die Strahlung variiert, so, wie es das auch das natürliche Licht im Laufe eines Tages tut.

Es gibt einen Sonnenaufgang und einen Sonnenuntergang, am Mittag werden die Patienten mit bis zu 1200 Lux versorgt. 60 Prozent der Patienten, so fand das Forscherteam um Claudia Spies am Zentrum für Anästhesiologie bisher heraus, haben unter Tageslicht einen normalen Tag-Nacht-Rhythmus, was der wechselnde Spiegel des Hormons Melatonin im Blut zeigt. Die anderen Patienten haben einen gleichbleibenden Spiegel. Der Lichtmangel setzt ihre innere Uhr außer Kraft.

Winterhimmel ist nicht das Problem

In einer solchen biologischen Dunkelheit leben im Winter fast alle Menschen in westlichen Breitengraden, sagt Dieter Kunz, Psychiater und Chefarzt der Klinik für Schlaf- und Chronomedizin im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin. Das Problem ist nicht, dass es kürzer hell ist. Auch der wolkenverhangene Winterhimmel bringt noch etwa 3000 Lux, gut das Zehnfache der Lichtintensität in einem durchschnittlich beleuchteten Büro.

Das Problem ist, dass sich die meisten Menschen zu lange drinnen aufhalten müssen, weil sie zur Schule gehen oder arbeiten. Zwar verbessert das grelle Licht in Klassenzimmern, U-Bahnen oder am Arbeitsplatz die Sicht. Der Körper aber hat davon nicht viel. Ärzte empfehlen deshalb, mindestens einmal für eine halbe, besser noch eine ganze Stunde ans Tageslicht zu gehen oder sich eine spezielle Tageslichtlampe zuzulegen.

Über eine komplexe Abfolge biologischer Prozesse steuert das Licht den Schlaf-Wach-Rhythmus. Besondere Fotorezeptoren auf der Netzhaut leiten Licht ins Auge weiter. Kalt-weißes Licht mit hohem Blauanteil nehmen die Rezeptoren wegen seiner Wellenlänge besser auf als rötliches, das die meisten normalen Leuchten enthalten. Die Fotorezeptoren produzieren das Protein Melanopsin. Dieses transportiert die Information an den Teil des Gehirns weiter, der die innere Uhr steuert, den Hypothalamus. Er leitet die Information weiter an die Zirbeldrüse, in der Melatonin produziert wird. Kommt hier genügend Licht an, wird die Melatoninproduktion unterdrückt und man bleibt wach.

Licht sorgt für Wohlbefinden

Licht ist aber nicht nur ein Taktgeber der inneren Uhr, sondern sorgt auch für Wohlbefinden, weil es die Bildung des Glückshormons Serotonin anregt. Wie genau das geschieht, ist noch nicht erforscht. Fest steht aber, dass Licht genauso wirksam ist wie ein Antidepressivum, verschiedene Studien konnten das belegen. Fehlt Menschen Licht, geht ihnen also nicht nur der Unterschied zwischen Tag und Nacht verloren. Der Lichtmangel drückt auch die Stimmung.

Warum manche Menschen auf Lichtmangel aber nicht nur mit Winterblues, sondern sogar mit einer Winterdepression reagieren, ist noch nicht geklärt. Es gibt offenbar genetische Anfälligkeiten. Sicher ist, dass Licht mit dem Alter schlechter verwertet wird. Bei über 70-Jährigen kommt deutlich weniger an, weil sich die Augenlinse trübt. Sie benötigen mindestens 800 Lux, doch so hell ist es in Räumen eher selten.

Deutlich stärker strahlen die weißlichen oder bläulichen Tageslichtlampen mit 3500 bis 10.000 Lux. Bei einer Lampe mit 10.000 Lux reicht es, sich morgens eine halbe Stunde in einem Abstand von 90 Zentimetern davorzusetzen. Wer dazu keine Zeit hat, kann auch spezielle Helme oder Brillen kaufen, an denen die Leuchten befestigt sind. Die Symptome einer Winterdepression verbessern sich bereits nach etwa einer Woche. "Licht ist das Antidepressivum überhaupt", sagt Christian Cajochen vom chronobiologischen Institut der Uniklinik Basel.

Krankenkassen bezweifeln Wirkung nicht

Die Wirkung des Lichts zweifeln auch die Krankenkassen nicht an. In der Schweiz bezahlen sie die Lichttherapie bei der Winterdepression. Doch in Deutschland müssen Versicherte die 50 bis 150 Euro teuren Leuchten entweder selbst kaufen oder sich für 7 bis 13 Euro pro Sitzung beim Arzt bestrahlen lassen.

Die Lichttherapie gehört in Deutschland zu den individuellen Gesundheitsleistungen, während die Behandlung mit Antidepressiva übernommen wird. Der GKV-Spitzenverband meint, dass die Patienten selbst für die Heilung zuständig sind: "Wer an Winterdepression leidet, kann den Heilungsprozess durch regelmäßige Aufenthalte im Freien unterstützen", sagt eine Sprecherin.

Psychiater Dieter Kunz kann diese Haltung nicht verstehen. "Da kann man einem Suizidgefährdeten auch sagen, er kann selbst entscheiden, ob er sich etwas antut", wettert er. Für die Behandlung einer Krankheit seien schließlich die Kassen zuständig. Und der Alltag vieler Menschen lässt gar nicht zu, dass sie genug Licht abbekommen.

Medikamente kosten bis zu 700 Euro pro Saison

Dass die Krankenkassen stattdessen Antidepressiva gegen Winterdepressionen bezahlen, sei "ökonomisch widersinnig". Eine halbjährliche Behandlung mit Medikamenten kostet je nach Patient jedes Jahr von Herbst bis Frühjahr zwischen 90 und rund 700 Euro, rechnet Kunz vor. "Das Schlimmste ist aber, dass es die völlig falsche Therapie ist, weil die Präparate starke Nebenwirkungen auslösen können", kritisiert der Arzt.

Sehr viel helfen könnte die richtige Beleuchtung in Büros, Seniorenheimen, Krankenhäusern und Schulen. Es gibt damit bereits Versuche, aber nur wenige Einrichtungen setzen Licht gezielt und konsequent ein. Die Beleuchtung wird etwa viermal so teuer. Zudem wissen Lichtforscher, dass eine hohe Lux-Zahl allein nichts bringt. Damit sich Menschen wohlfühlen, muss die Farbe natürlich wirken und das Licht idealerweise den Tagesverlauf nachahmen. Grelle, konzentrierte Leuchten empfinden viele als unangenehm.

Diese Erfahrung hat auch die Berliner Charité in einem ersten Versuch mit einfachen Lampen gemacht. Im Zimmer strahlten 1000 Lux direkt über dem Krankenbett. Das Licht war so grell, dass sich die Patienten beschwerten. Die Leuchte blieb von da an ausgeschaltet.

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