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Welle von Lähmungserkrankungen Das Zika-Virus ist gefährlicher als gedacht

In Südamerika breitet sich das Zika-Virus aus. Als besonders gefährlich galt es bisher besonders für Schwangere. Jetzt wird es jedoch mit einer weiteren schweren Krankheit in Verbindung gebracht.

Kleiner Stich, große Gefahr: Das von der Stechmückenart Aedes aegypti übertragene Zika-Virus steht im Verdacht, Fehlbildungen bei Ungeborenen auszulösen. Jetzt untersuchen Forscher einen weiteren Zusammenhang mit der lebensbedrohliche Nervenerkrankung Guillain-Barré. Die Gesundheitsbehörden in Lateinamerika sind alarmiert von der Zunahme dieses bisher seltenen Lähmungssyndroms. Vor allem Brasilien und El Salvador melden einen sprunghaften Anstieg der Erkrankung.

Bereits zuvor war das Zika-Virus, das ähnliche Symptome wie das Dengue-Fieber hervorbringt, mit einem Anstieg von Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen in Verbindung gebracht worden. Als Folge werden die Babys mit ungewöhnlich kleinen Köpfen geboren, wodurch auch das Gehirn Schaden nehmen kann.

Obwohl die Gründe für die Schädigung des Embryos bisher unklar sind, empfehlen die Behörden in Brasilien, Kolumbien und El Salvador, Schwangerschaften zunächst aufzuschieben. Die US-Gesundheitsbehörden Centers for Disease Control and Prevention rieten Schwangeren ferner von Reisen in 22 Staaten mit Zika-Ausbrüchen ab, vor allem lateinamerikanische und karibische Länder.

Sprunghafter Anstieg von Guillain-Barré-Fällen

Guillain-Barré beginnt meist mit Muskelschwäche in den Beinen, die sich dann auf Arme und Gesicht ausbreitet und zu Taubheitsgefühl bis hin zur Lähmung von Gliedmaßen führen kann. Die meisten Patienten erholen sich nach einigen Wochen oder Monaten, doch in schweren Fällen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein, so dass die Patienten künstlich beatmet werden müssen.

Guillain-Barré kann Menschen jeden Alters treffen, ist jedoch sehr selten. Auslöser ist vermutlich eine Infektion – etwa durch eine Lebensmittelvergiftung. Die Wissenschaftler sind allerdings alarmiert, seit Französisch-Polynesien einen Anstieg von Guillain-Barré- und Mikrozephalie-Fällen in Zusammenhang mit einer Zika-Epidemie verzeichnete. Dort waren jedoch viel weniger Menschen betroffen als bei den jüngsten Ausbrüchen.

Nun meldeten die Behörden in El Salvador nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation in nur fünf Wochen vom 1. Dezember bis 6. Januar 46 Fälle von Guillain-Barré. Bisher lag der Durchschnitt im ganzen Jahr bei 169 Erkrankten. Von 22 Patienten mit dokumentiertem Verlauf litten mindestens zwölf in den 15 Tagen zuvor an Fieber und Hautausschlag.

Auch die brasilianischen Behörden untersuchen eine fast gleichzeitige Zunahme von Guillain-Barré und Zika, das dort erstmals im vergangenen Mai entdeckt wurde. Vermutlich wurde der Zika-Virus 2014 durch einen Touristen im Zuge der Weltmeisterschaft oder bei einem internationalen Kanu-Wettbewerb eingeschleppt.

Eine Infektion mit dem Zika-Virus, die zu grippeähnlichen Symptomen führt, ist vor allem für Schwangere gefährlich. Der Erreger kann bei Ungeborenen eine Verformung des Kopfes verursachen. (Foto: AP)

In der Couto-Maia-Klinik in Salvador de Bahia im Nordosten war während einer Zika-Epidemie in der Regenzeit im vergangenen Jahr die Zahl der Guillain-Barré-Fälle so hoch wie nie zuvor. "Zika war hier ganz schlimm von Februar bis Juli, und verschwand dann fast im August. Im Mai, Juni und Juli hatten wir 24 Patienten mit Guillain-Barré, und seit August keine mehr", sagt Antonio Bandeira, der als Spezialist für Infektionskrankheiten in der Klinik arbeitet.

Normalerweise seien es nur zwei bis drei solche Fälle pro Jahr. Die meisten Patienten zeigten Zika-ähnliche Symptome, darunter Fieber und rote Flecken.

Sterberate bei Guillain-Barré ist hoch

Auch das Hospital da Restauração in Recife behandelte nach Angaben der Neurologin Maria Lúcia Ferreira rund sechs Mal so viele Patienten mit Guillain-Barré als üblicherweise. Von den 94 Erkrankten während der Regenzeit starben 50. Die Zahlen sind jedoch lückenhaft, da die Nervenerkrankung bisher so selten auftrat, dass das Gesundheitsministerium keine genauen Statistiken führte.

Nach Einschätzung von Albert Ko, Professor für Epidemiologie an der Yale School of Public Health in den USA, ist ein Zusammenhang zwischen Zika und Guillain-Barré "plausibel und sehr wahrscheinlich". Die schwierige Diagnose bei Zika und die Tatsache, dass Guillain-Barré erst Wochen später einsetzen kann, machten den Nachweis jedoch kompliziert: "Viele von uns sind überzeugt, dass der Zika-Virus diese Epidemie von Guillain-Barré auslöst und überall auslösen kann, wo der Virus übertragen wird. Dennoch fehlen uns noch sichere Beweise", so Ko.

Zika kommt ursprünglich aus Afrika und breitete sich zunächst in Teilen Asiens aus. Als das Virus erstmals in Brasilien auftrat, erschien es den Behörden zunächst als harmlose Version des Dengue-Fiebers.

(Foto: Infografik Die Welt)

Wissenschaftlicher Beleg fehlt bisher noch

Doch dann kam der sprunghafte Anstieg von Mikrozephalie: Seit Oktober 2015 verzeichnet das Land 3893 Verdachtsfälle, verglichen mit weniger als 150 für ganz 2014. Die brasilianischen Behörden sind überzeugt, dass eine Verbindung besteht.

Den internationalen Gesundheitsbehörden fehlt bisher ein wissenschaftlicher Beleg, doch auch sie sind in Alarmbereitschaft: Die US-Gesundheitsbehörde betonte, die Reisewarnung für Schwangere sei "wegen erhöhter Vorsicht" erfolgt.

El Salvador empfahl Frauen den Aufschub von Schwangerschaften für die nächsten zwei Jahre. "Wir hatten Glück, mein Sohn wurde vorher geboren", sagt Fatima Mejia, die ihren 17 Tage alten Säugling zur Untersuchung in eine Klinik am Rande der Hauptstadt brachte. "Ich werde nicht wieder schwanger, bevor das vorbei ist."

Kolumbien verzeichnete nach Angaben des Gesundheitsministeriums 13.531 Verdachtsfälle von Zika – bis zu einer halben Million könnten es dieses Jahr werden. Mindestens 560 der Patienten seien Schwangere, doch Mikrozephalie sei bisher nicht aufgetreten. Bei zwölf Patienten mit Zika-ähnlichen Symptomen wurde allerdings Guillain-Barré diagnostiziert.

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