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Kampf gegen das Zika-Virus Weshalb eine Firma jetzt Mücken züchtet

In Südamerika verbreitet sich das Zika-Virus weiter. Ein Impfmittel ist nicht in Sicht, obwohl viele Firmen forschen. Nun hat eine britische Firma eine ganz andere, vielversprechende Idee.

Noch einmal will sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht vorwerfen lassen, zu spät gehandelt zu haben: Angesichts der wachsenden Fallzahlen von Infektionen mit dem Zika-Virus in mehreren Ländern insbesondere in Latein- und Südamerika – allein in Brasilien sind es mittlerweile 1,5 Millionen Fälle – hat die WHO den weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen. Anders als im Fall der Ebola-Epidemie, als die globalen Seuchenwächter aus Genf lange zögerten, will WHO-Chefin Margaret Chan diesmal Tatkraft demonstrieren.

Noch steht allerdings nicht fest, ob und in welcher Weise der Erreger, der durch verschiedene Mückenarten auf den Menschen übertragen wird, für die ungewöhnliche Häufung von Schädelmissbildungen bei Föten und Neugeborenen auf dem amerikanischen Kontinent verantwortlich ist.

Zika galt – ähnlich wie Ebola vor dem großen Ausbruch 2014 – als Exotenkrankheit. Und noch dazu als eine, die anders als ihre gefährlichen Geschwister aus der Familie der Flaviviren – das Denguefieber und das Westnilfieber – bisher vergleichsweise harmlos daherkam. Fieber, Hautausschläge, Gliederschmerzen sind das klassische Krankheitsbild bei einer Infektion.

In vier von fünf Fällen verläuft sie sogar gänzlich unbemerkt. Doch genau dieser eigentlich harmlose Verlauf macht den Kampf gegen die Seuche nun so schwer: Gegen weitverbreitete Infektionskrankheiten wie Malaria oder Hepatitis C forscht die Pharmaindustrie seit vielen Jahren intensiv an möglichst wirkungsvollen Arzneien.

Im Fall des Zika-Virus hingegen, das 1947 erstmals im namensgebenden Zika Forest in Uganda entdeckt wurde, existiert bisher weder ein Impfstoff noch ein Medikament. Und bis eine solche Arznei auf den Markt gebracht werden kann, wird es voraussichtlich noch Jahre dauern.

Das Zika-Virus soll zu Schädelmissbildungen bei Neugeborenen führen. (Foto: REUTERS)

Klinische Phase gilt als enorm kostspielig und riskant

Eine Zahl demonstriert das Problem besonders anschaulich: Gerade einmal 145 Studien listet die Datenbank des National Center for Biotechnology Information (NCBI) unter dem Stichwort Zika-Virus auf. Zum Vergleich: Bei der Suche nach wissenschaftlicher Literatur über das Denguefieber, an dem weltweit pro Jahr etwa 400 Millionen Menschen erkranken, erhält man über 19.000 Treffer.

Und doch hat es fast 20 Jahre gedauert und gut 1,5 Milliarden Dollar gekostet, bis der französische Pharmakonzern Sanofi im Dezember 2015 schließlich einen Impfstoff gegen das Fieber in Mexiko, Brasilien und den Philippinen auf den Markt bringen konnte. Vor allem die klinische Phase, in der die Wirkstoffe in einem dreistufigen Verfahren am Menschen getestet werden, gilt als enorm kostspielig und als hochgradig riskant.

Zeigt die Arznei oder die betreffende Impfung nicht die gewünschte Wirkung oder treten gar unerwünschte Nebenwirkungen auf, ist die Arbeit mehrerer Jahre – manchmal auch die von Jahrzehnten – dahin. Sanofi etwa ließ den Dengue-Impfstoff nach eigenen Angaben vor der Markteinführung an rund 29.000 Probanden testen.

Erschwerend kommt im Fall einer möglichen Zika-Impfung hinzu, dass diese vor allem Schwangere und Neugeborene schützen müsste. Doch gerade bei diesen Patientengruppen ist der Einsatz von Impfungen und Medikamenten besonders heikel – und klinische Tests sind erst recht extrem schwierig.

Mangelnde Daten-Fülle über Zika erschwert die Suche

Dennoch richten sich jetzt einige Hoffnungen auf Sanofi und auf den britischen Konzern GlaxoSmithKline (GSK), und damit auf zwei der größten Impfstoffhersteller der Welt. So hat Sanofi bereits angekündigt, überprüfen zu wollen, ob der neue Dengue-Impfstoff womöglich auch vor Zika schützen kann.

Der Hersteller GSK, der im vergangenen Jahr nach 30 Jahren Forschung und Entwicklung die Zulassung für eine Impfung gegen Malaria beantragt hat, will für seine bestehenden Impfstoff-Plattformen ebenfalls Machbarkeitsstudien in Bezug auf die Entwicklung eines möglichen Zika-Vakzins durchführen.

Die mangelnde Datenfülle über Zika erschwert die Suche allerdings erheblich. Bisher wissen Ärzte und Forscher nicht einmal, in welchem Trimester einer Schwangerschaft der Zika-Erreger die Föten schädigt, oder welche zusätzlichen Faktoren bei Übertragung des Virus womöglich ebenfalls eine Rolle spielen. Das aber macht die ohnehin schwierige Suche nach einem Impfstoff noch komplexer und teurer.

Lösung: noch mehr Mücken

Trotz solcher Risiken forschen auch einige wenige Biotechfirmen derzeit intensiv an einem Impfstoff gegen Zika. So kündigten die US-Biotech-Firma Inovio und das südkoreanische Unternehmen GeneOne Life Sciences Ende Januar an, künftig gemeinsam an einem DNA-basierten Vakzin gegen den Erreger des Fiebers arbeiten zu wollen.

Inovio plane, noch in diesem Jahr erste Tests am Menschen durchzuführen, kündigte Vorstandchef Joseph Kim vor wenigen Tagen gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg an – und löste damit einen Kurssprung von zeitweise über 30 Prozent aus.

Anders als in der klassischen Impfstoffentwicklung, wo zunächst aufwendige Zellkulturen hergestellt werden müssen, bevor die jeweiligen Erreger einer Krankheit isoliert, inaktiviert und schließlich verimpft werden können, versuchen die Entwickler von DNA-Impfstoffen, aus dem Erbgut eines Erregers gezielt die notwendige genetische Information herauszufiltern und zur Grundlage neuartiger Vakzine zu machen.

Doch auch diese Entwicklung – und die anschließende klinische Prüfung dauert. Aus Sicht von Experten könnte daher der Ansatz des US-Unternehmens Intrexon kurzfristig zielführender sein. Das Unternehmen mit Sitz in Germantown im US-Bundesstaat Maryland hat im Sommer 2015 das britische Unternehme Oxitec übernommen.

Dieses setzt darauf, die durch Mücken übertragene Krankheit mit einem einfachen Mittel zu bekämpfen: noch mehr Mücken. Anders als ihre Artgenossen in freier Wildbahn sind die Oxitec-Insekten allerdings genverändert: Sie können sich nicht vermehren und sterben jung.

Mückenidee war schon einmal erfolgreich

Erste Tests in Brasilien, Panama und auf den Cayman-Inseln seien vielversprechend verlaufen, ließ das Unternehmen wissen: Die jeweiligen Mückenpopulationen seien bei Versuchen um über 90 Prozent reduziert worden. Die jüngste Testreihe in der brasilianischen Stadt Piracicaba habe sogar so gute Ergebnisse geliefert, dass die Stadt den Bau einer neuen Mückenfarm in der Region zugesagt habe.

In der Vergangenheit haben Forscher auf ähnliche Weise bereits einen durchschlagenden Erfolg gefeiert: Bereits Ende der Neunziger gelang es Atomwissenschaftlern im Rahmen eines Pilotprojektes, die Insel Sansibar von Tsetsefliegen, den Überträgern der Schlafkrankheit, zu befreien.

Dazu züchteten die Forscher 70.000 männliche Fliegen, die durch Bestrahlung unfruchtbar gemacht wurden. Die Population auf der Insel ging schließlich ein – und Sansibar war das Problem mit der Stechfliege und der durch sie verbreiteten Schlafkrankheit los.

Auf ein ähnliches Wunder hoffen Mediziner nun auch im Fall der Ägyptischen und der Asiatischen Tigermücke, die Zika übertragen. Und die der Welt nun keine drei Wochen nach dem offiziellen Ende der Ebola-Epidemie in Westafrika die nächste globale Seuche beschert haben.

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