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Fastenzeit beginnt Was eine Alkoholpause mit dem Körper macht

Wer in der Fastenzeit auf Alkohol verzichtet, will seinem Körper etwas Gutes tun. Doch eine Abstinenz auf Zeit kann auch gefährlich werden. Was bringt es wirklich, die Finger vom Alkohol zu lassen?

Vierzig Tage auf Alkohol verzichten – für viele mag das hart klingen. Doch jeder Vollrausch führt zu einem massenhaften Untergang von Nervenzellen im Gehirn. Das klingt härter. Zumal sich bei Erwachsenen keine neuen Zellen nachbilden. Mit einem vierzigtägigen Verzicht wäre das Gehirn zumindest kurzzeitig vor dem Nervengift geschützt, und die Leber hätte die Chance, sich zu regenerieren.

In Deutschland wird die temporäre Alkoholabstinenz immer beliebter, gerade in der Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern, die nun beginnt. Im vergangenen Jahr gaben im Rahmen einer repräsentativen Forsa-Studie 19 Prozent der Befragten an, in den vierzig Tagen auf etwas verzichten zu wollen. Bei 70 Prozent von ihnen war das Alkohol. 56 Prozent der Befragten finden einen Verzicht aus gesundheitlicher Sicht sinnvoll.

Alkoholverzicht kann zu Gewichtsverlust führen

Wer zum Beispiel in der Fastenzeit abstinent bleibt, der wird schon positive Entwicklungen am eigenen Körper wahrnehmen können, einen besseren Schlaf oder Gewichtsverlust zum Beispiel. Das kann alarmieren. Dass Alkohol nicht harmlos ist, hat jeder schon einmal gehört. Was er aber wirklich anrichtet, zeigen Zahlen, die zum Beispiel die Drogenbeauftragte der Bundesregierung veröffentlicht hat.

Etwa 1,3 Millionen Menschen sind bundesweit alkoholabhängig. Jedes Jahr sterben in Deutschland 74.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs. Auch in anderen europäischen Ländern ist die Gefahr der Alltagsdroge gegenwärtig: In Großbritannien sind 1,5 Millionen Menschen alkoholabhängig, die Zahl hat sich in den vergangenen 40 Jahren verdoppelt. Weltweit werben Aufklärungskampagnen für einen bewussten Alkoholkonsum. Oder wenigstens für Trinkpausen.

Die britische Hilfsorganisation Alcohol Concern rief in diesem Jahr zum vierten Mal den "Dry January" aus, eine Kampagne, die möglichst viele Menschen überzeugen will, die ersten 31 Tage des Jahres ohne Alkohol auszukommen.

Sie werben mit einer signifikanten Verbesserung der Gesundheit, mit Gewichtsverlust und besserem Schlaf. Im vergangenen Jahr machten laut Angaben der Organisation zwei Millionen Briten mit. Eine vergleichbare Kampagne gibt es in Australien, den "Dry July".

Eine Alkoholpause kann Geld sparen

Ob eine plötzliche Abstinenz wirklich gesund ist, darüber streiten Ärzte und Wissenschaftler. Anlässlich des "Dry January" veröffentlichte das Fachmagazin "British Medical Journal" eine Diskussion zwischen den Experten Ian Gilmore und Ian Hamilton. Ian Gilmore unterstützt den "Dry January" in Großbritannien. Er ist Professor für Hepatologie an der Liverpool University.

Auch eine Kurzzeitabstinenz wirke sich zum Beispiel schon positiv auf den Blutdruck, die Leber und das Gewicht aus, sagt er. Fast 80 Prozent der Teilnehmer gaben im vergangenen Jahr an, durch den "Dry January" Geld gespart zu haben, gut 60 Prozent haben besser geschlafen, etwa die Hälfte habe Gewicht verloren und acht Prozent seien sogar im Anschluss trocken geblieben. Die Kampagne fördere einen bewussteren Umgang mit Alkohol, so Gilmore.

Anders sieht das Ian Hamilton, Dozent für Gesundheitswissenschaften an der York University. Er äußert sich besorgt über die Auswirkungen, die eine Abstinenz auf Zeit mit sich bringen kann. Die Teilnehmer könnten sie als Erlaubnis verstehen, den Rest des Jahres zu ihrer gewohnten Trinkmenge zurückzukehren.

Für Alkoholabhängige wäre eine plötzliche Kurzzeitabstinenz sogar regelrecht gefährlich. Sie könne zu ernsten Entzugssymptomen führen, die ärztlicher Hilfe benötigten. Ihnen sei mit einem Do-it-yourself-Entzug nicht geholfen. Sollten sie scheitern und während ihrer geplanten Abstinenz wieder zur Flasche greifen, könnte sie das für einen künftigen Entzug entmutigen.

Wer sich Alkoholpausen vorschreibt, könnte süchtig sein

Ähnliche Bedenken hat Tom Bschor, Chefarzt der psychiatrischen Abteilung in der Berliner Schlosspark-Klinik. Er behandelt viele alkoholkranke Patienten. "Wenn sich jemand Vorgaben für Abstinenzzeiten macht, dann ist das für mich eher ein Warnsignal." Das könne ein Indikator für süchtiges Verhalten sein. Körperlich sei eine Alkoholpause sicher gut: Die Leber könne sich erholen, sofern sie noch keine bleibenden Schäden durch Alkoholexzesse davon getragen habe.

Nur das Gehirn regeneriere sich nicht vollständig. "Jeder Vollrausch führt zu einem Massensterben von Nervenzellen", sagt Bschor. Bis zum dritten Lebensjahr entstehen immer mehr Nervenzellen im Gehirn, danach nimmt die Zahl kaum noch zu. Man müsse mit dem Vorrat auskommen, den man in der Kindheit angelegt hat, erklärt Bschor.

Auch ohne Alkoholrausch sterben jeden Tag Nervenzellen ab, da das Gehirn einen großen Puffer hat, wird der Verlust aber erst im hohen Alter bemerkbar. Regelmäßiger Alkoholkonsum führt dazu, dass dieser Nervenzelluntergang rascher voranschreitet.

Achtsamer Alkoholgenuss sei daher notwendig, das bedeute aber nicht unbedingt wochenlang vollständig zu verzichten. Ein Mann sollte am Tag nicht mehr trinken als 30 Gramm reinen Alkohol, das entspricht etwa einem Dreiviertelliter Bier. Bei Frauen liegt der empfohlene Maximalwert bei 20 Gramm, also einem halben Liter Bier. Die Grenze zwischen normalem Alkoholkonsum und einer Abhängigkeit sei fließend, sagt Tom Bschor.

In jeder Woche alkoholfreie Tage einlegen

Entscheidend seien nicht in erster Linie Menge und Häufigkeit des Alkoholkonsums. Bschor fragt seine Patienten: Wie stark ist das Verlangen nach Alkohol? Verlieren Sie manchmal die Kontrolle über Ihr Trinkverhalten? Brauchen Sie immer mehr Alkohol, um die gewünschte Wirkung zu erzielen? Trinken Sie heimlich? Das seien typische Indikatoren für ein süchtiges Verhalten.

Wer zum Beispiel jeden Abend ein Glas Wein zur Entspannung trinkt und sich ohne unwohl fühlt, sollte sich Gedanken machen, findet er. In diesem Fall seien bereits einige Indikatoren erfüllt, die auf eine Sucht schließen lassen. Das Verlangen nach Alkohol zum Beispiel und das Bedürfnis nach der entspannenden Wirkung.

Statt strikter Abstinenz in der Fastenzeit empfiehlt Bschor, wöchentlich Tage ohne Alkohol einzulegen – für den Körper und um einer Abhängigkeit vorzubeugen. "Jeder Tag ohne Alkohol ist ein guter", findet Bschor.

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