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Bericht widerlegt Mythen So beeinträchtigt die Sommerzeit unsere Gesundheit

Viele Deutsche lehnen die Sommerzeit ab. Sie sorgen sich um ihre Gesundheit. Ein neuer Bericht zeigt, wie die Zeitumstellung unsere Gesundheit beeinträchtigt. Er widerlegt gleich mehrere Mythen.

Die Deutschen sind ein ruheloses Volk. Es fällt ihnen schwer, abends einzuschlafen. Und viele fühlen sich morgens nicht richtig ausgeruht. Dass zwei Mal im Jahr an der Uhr gedreht wird, macht es nicht besser. Im Gegenteil. Ein neuer Bericht des Bundestages zeigt: Die Sommerzeit beeinträchtigt den Schlaf-wach-Rhythmus der Menschen nachhaltig.

Pünktlich, eine gute Woche vor Beginn der Sommerzeit, hat das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) eine Bilanz vorgelegt. Auf 212 Seiten sucht sie nach Antworten auf die Frage, wie sinnvoll es ist, dass in ganz Europa zwei Mal im Jahr die Zeit umgestellt wird.

Am 27. März ist es wieder so weit, dieses Jahr fällt die Umstellung der Uhren in die Nacht auf Ostersonntag. Um zwei Uhr werden die Uhren eine Stunde vorgestellt. Das bedeutet, die Nacht ist etwas kürzer. Dafür bleibt es abends länger hell. Aus diesem Grund wurde die Sommerzeit ursprünglich eingeführt. Zur Zeit der Ölkrise in den 1970er-Jahren wollten einige Staaten Energie sparen. Andere schlossen sich an, bis die Regelung schließlich vereinheitlicht wurde, damit es innerhalb der EU nicht unterschiedliche Zeitzonen gibt.

Dass die Umstellung Energie spart, zweifeln Kritiker seit Jahren an – und verweisen zudem auf Folgen für die Gesundheit der Menschen. Es komme zu mehr Herzinfarkten, wie unter anderem eine Studie der DAK zeigt. Außerdem haben mehr Menschen als sonst am Montag nach der Zeitumstellung einen Unfall. Geradezu fahrlässig sei es, den Biorhythmus der Bürger derart aus dem Takt zu bringen. Der Bundestag wollte nun wissen, welche Vor- und Nachteile die Sommerzeit wirklich hat.

Für die "Bilanz der Sommerzeit" sahen sich die TAB-Mitarbeiter gemeinsam mit externen Gutachtern alle Studien an, die sie auftreiben konnten. Sie fanden keinen belastbaren Hinweis darauf, dass die Sommerzeit irgendeinen positiven Effekt hat – weder ökonomisch noch gesundheitlich. Die Energieersparnis sei allenfalls winzig, kaum der Rede wert.

Dafür bestätigt der Bericht, was viele Menschen spüren: Die fehlende Stunde bringt die biologische Uhr nachhaltig durcheinander. Der Schlaf-wach-Rhythmus werde nicht nur ein paar Tage, sondern "womöglich über die gesamte Sommerzeitperiode" empfindlich gestört. Betroffen seien vor allem sogenannte späte Chronotypen, also Menschen, die eher spät am Tag ihre aktivste Phase haben. Das jedenfalls legten zwei empirische Untersuchungen nahe.

Gibt es tatsächlich mehr Verkehrsunfälle?

Vergleichsweise viele Studien fanden die Autoren zum Zusammenhang zwischen Herzinfarkten und der Sommerzeit. Sie kommen aber zu unterschiedlichen Ergebnissen. Es könnte sein, schreiben sie, dass die ohnehin zu erwartenden Herzinfarkte in der Umstellungswoche eher auf die ersten beiden Tage fallen. Dann wären es nicht mehr Infarkte, sie verteilten sich einfach anders.

Insgesamt müssten nicht mehr Menschen ins Krankenhaus als sonst auch. Auch die Unfallhypothese wackle, heißt es im Bericht. In den meisten Studien, die eine erhöhte Unfallzahl nachwiesen, wurde der Montag nach der Zeitumstellung mit dem Montag der Vorwoche verglichen.

Für Unterschiede in der Unfallstatistik könnte in diesen Fällen aber auch mehr Verkehr verantwortlich sein. Neuere Analysen sprächen eher dagegen, dass tatsächlich mehr Menschen nach der Zeitumstellung Autounfälle bauen, weil sie übermüdet seien.

Schlaganfallrisiko steigt offenbar

Nicht berücksichtigt werden konnte eine gerade erst erschienene Studie, die einen Zusammenhang zwischen der Zeitumstellung und dem Auftreten von Schlaganfällen herstellt. Man weiß schon länger, dass ein gestörter Schlaf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

Eine Studie aus Großbritannien hatte 2011 ergeben, dass Menschen, die weniger als sechs oder mehr als acht Stunden pro Nacht schliefen, viel öfter einen Schlaganfall erlitten als jene, die die als gesund geltenden sechs bis acht Stunden ausruhten.

Das Team um Jori Ruuskanen von der Universität Turku in Finnland wertete Daten aus neun Jahren aus und sah sich an, wie viele Menschen in der Woche nach der Zeitumstellung in finnischen Krankenhäusern einen ischämischen Schlaganfall erlitten. Bei dieser häufigsten Art des Schlaganfalls wird das Gehirn plötzlich nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt – meist, weil eine Arterie verstopft ist. Im Anschluss verglichen sie die Daten mit jenen aus den zwei Wochen vor und nach der Woche der Zeitumstellung.

In den ersten beiden Tagen nach der Zeitumstellung waren statistisch signifikant mehr Personen von einem Schlaganfall betroffen als in den Vergleichswochen. Das Risiko war demnach um acht Prozent erhöht. Deutlich häufiger betroffen waren Menschen, die an Krebs erkrankt waren, und Menschen, die älter waren als 65 Jahre. Ihr Risiko war um 25 beziehungsweise 20 Prozent höher als in den Vergleichswochen.

Jeder Zweite schläft eh schon nicht gut

Die finnische Untersuchung hat Stärken, die den Autoren der neuen Bilanz zufolge vielen Studien abgehen: Sie beruht auf Daten aus einem relativ langen Zeitraum, die Versuchsgruppen sind mit mehr als 3000 Patienten in der Umstellungs- und 11.000 Patienten in den Kontrollwochen vergleichsweise groß – und sie berücksichtigt besondere Risikogruppen wie kranke und ältere Menschen.

Es gebe bisher zu wenig Langzeitstudien und solche, die auch kranke Menschen in den Blick nehmen, kritisieren die Autoren der Bilanz. Sie gehen davon aus, dass der "Anpassungsprozess manchen Menschen größere Mühe bereiten kann, als in früheren Jahren angenommen wurde." Gemeint sind auch jene, die ohnehin schlecht schlafen.

Glaubt man einer aktuellen Forsa-Umfrage für die Krankenkasse Knappschaft, betrifft das in Deutschland überraschend viele. Ein Viertel der Deutschen beurteilt demnach den eigenen Schlaf als schlecht, gut die Hälfte fühlt sich morgens regelmäßig nicht ausgeruht.

Dass die Sommerzeit für diese Menschen ernsthafte gesundheitliche Folgen hat, lässt sich aber bisher nicht nachweisen, heißt es in der Bilanz. Deshalb prophezeien die Autoren, dass alles bleibt wie gehabt. Nicht weil die Sommerzeit-Relegung sinnvoll wäre, sondern weil es mehr als einen begründeten Verdacht braucht, um eine unbefristete EU-Richtlinie zu kippen.

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