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Wernher von Braun Hitlers Helfer und Pionier der Raumfahrt

Wernher von Braun gehört in den USA zu den Wegbereitern des Mondflugprogramms der USA. Doch schon im Dienste von Adolf Hitler schrieb der Raumfahrt-Pionier Geschichte.

Das Foto zeigt einen jungen Mann in Anzug unter uniformierten Nazi-Größen. In der ersten Reihe der Aufnahme posiert Adolf Hitler, die Hände in die Taschen seines Ledermantels gegraben. Hinten in der Mitte der vorletzten Reihe schaut der Mann in Zivil fest in die Kamera. Es ist Wernher von Braun (1912-1977), 22 Jahre jung, Mitarbeiter der militärischen Raketen-Versuchsstelle Kummersdorf. Nur drei Jahre nach dieser Aufnahme von 1934 hat sich von Braun als Technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf Usedom von der hinteren Reihe an die Spitze der deutschen Militärraketenforschung katapultiert.

Vater der "V2"-Rakete

Das Foto hat Symbolwert: Die Nähe zu den politischen Eliten ist dem eloquenten und charismatischen Aristokratensohn Zeit seines Lebens nicht fremd, wie der Dortmunder Techniksoziologe Johannes Weyer erläutert. Immer steht er auf der Seite der Mächtigen und profitiert davon - auch nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes, für das der Physiker von Braun und sein Peenemünder Team Hitlers "Wunderwaffe V2" entwickeln. Die "V2" ist zugleich die erste Rakete, die am 3. Oktober 1942 mit einer Flughöhe von 84,5 Kilometern die Grenze des Alls erreicht.

In den USA führt der Forscher nach einer "Schonfrist" und angeheizt vom Kalten Krieg seine Arbeiten fort. Mit früheren Kollegen konstruiert er die "Redstone", die erste atomar bestückte Mittelstreckenrakete der Welt. Die Amerikaner scheinen kein Problem mit der Vergangenheit des deutschen Raketenentwicklers im Dritten Reich zu haben. Obwohl Mitglied der NSDAP und SS - und entgegen geltender Gesetze - erhält er 1955 die Staatsbürgerschaft der USA.

Von Braun an der Spitze der Nasa

Als Know-how-Träger kommt ihm eine Schlüsselstellung in den Anfängen der US-Raketenentwicklung zu. Ein Jahr nach Gründung der Raumfahrtbehörde Nasa im Jahr 1958 wird von Braun Direktor des George C. Marshall Space Flight Centers in Huntsville. Damit steht er an der Spitze des Entwicklerteams der "Saturn"- Trägerraketen und arbeitet am Mondflugprogramm Apollo mit. 1970 - sieben Jahre vor seinem Tod - übernimmt er den Posten als Planungsdirektor bei der Nasa.

In der beispiellosen Karriere offenbart sich zugleich von Brauns Dilemma: Inspiriert von Hermann Oberths 1923 verfassten Buch "Die Rakete zu den Planetenräumen" und beseelt vom Flug zum Mond stellt er seine Fähigkeiten vor allem in den Dienst der Militärforschung.

Verdrängen der Nazi-Herrschaft

War von Braun ein unpolitischer Techniker, ein aktiver Mitläufer oder gar Täter im Nazi-Regime? Das lange gepflegte Bild von Brauns als Weltraumvisionär erfährt erst seit den 1990er Jahren eine differenzierende Bewertung, ausgelöst durch die Recherchen des Kanadiers Michael J. Neufeld und des deutschen Politikwissenschaftlers Rainer Eisfeld. Lange postuliert von Braun eine Trennung von sauberer Raketenforschung und Nazi-Politik.

Noch 1966 leugnet von Braun, von den unmenschlichen Bedingungen gewusst zu haben, unter denen KZ-Häftlinge in den Stollen von Mittelbau Dora die V2 zusammenbauen mussten. "Ich möchte nachdrücklich feststellen, dass ich während meiner Besuche nie einen Gefangenen sah", erklärt er. Ehemalige Häftlinge wie Adam Cabala erinnern sich dagegen an von Braun, wie er bei einen seiner vielen Inspektionsreisen in das thüringische Bergwerk ungerührt an den Bergen von Toten vorbeischritt: "Prof. Wernher von Braun ging daran vorbei, so nahe, dass er die Leichen fast berührte."

Raketen auf Usedom

Ins "Reich der Fabel" gehöre die später immer wieder behauptete Trennung dieser angeblich "heilen Welt" auf Usedom von der V2-Fertigung durch KZ-Häftlinge im Mittelwerk, schreibt Eisfeld im Vorwort der vor wenigen Tagen erschienen 3. Auflage seines Buches "Mondsüchtig". Und selbst dort, wo die Welt angeblich heil und die Raketenforschung sauber war - in der militärischen Großforschungsanstalt Peenemünde - waren KZ-Häftlinge in Arbeitslagern tätig, wie Dokumente von Arbeitsbesprechungen des Heimat-Artillerie-Parks 11 im August 1943 auf Usedom belegen.

"Es ist unvorstellbar, dass von Braun als Leiter des Entwicklungswerks nichts von den Häftlingen wusste", sagt Manfred Kanetzki, Mitarbeiter des Museums Peenemünde. "Peenemünde war nie als Ort der zivilen Raketenforschung konzipiert."

Begnadeter Motivator

Für Weyer von der TU Dortmund, der auch eine Biografie über den Raketenforscher verfasst hat, war von Braun vor allem der "Büttenredner der Raumfahrt". Belegt und von ehemaligen Mitarbeitern bezeugt sind immer wieder seine Fähigkeiten als begnadeter Manager und Motivator. Vor den Entscheidern - sei es Hitler im Dritten Reich oder später in den USA - wirbt er dank seines mitreißenden Auftretens und dem taktischem Kalkül, seine Raumfahrtpläne in geopolitische Bedrohungsszenarien einzubetten, immer wieder erfolgreich um Gunst und Geld. Für Neufeld, Chef der Abteilung für Geschichte der Raumfahrt im National Air and Space Museum der Smithsonian Institution in Washington, hat von Braun mit seiner Arbeit im NS-Regime einen "Pakt mit dem Teufel" geschlossen.

Hätte von Braun Alternativen gehabt, ohne die verhängnisvolle Allianz mit dem NS-Regime seine Träume vom Raketenflug zu verwirklichen? Sicher, er hätte emigrieren können. "Doch diese Frage", da ist sich Weyer sicher, "hat sich für von Braun nie gestellt".

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