Auf Schloss Colditz
Ruine einer romanischen Kapelle freigelegt
Auf Schloss Colditz haben Archäologen die Reste einer Kapelle freigelegt. Bereits während des Zweiten Weltkrieges waren Gefangene alliierte Soldaten bei einem Fluchtversuch auf Mauern gestossen.
Archäologen haben auf dem Gelände des Schlosses Colditz Reste einer Kapelle aus dem 11. Jahrhundert ausgegraben. Mehr als 64 Mauerreste und zahlreiche gefundene Gegenstände seien ein Glücksfall, sagte der Archäologe des sächsischen Landesamts für Archäologie, Thomas Westphalen. "Der Ort war früher Herrschaftsmittelpunkt und spielt eine wichtige Rolle für die sächsische Geschichte", sagte Westphalen. Die neuerlichen Funde sollen etwa die Geschichte der Burg im Kreis Leipzig weiter erhellen.
Ausstellung über die Funde geplant
Nach den Grabungen bis Ende November könne der Grundriss der 14 Meter langen und 4 Meter breiten Kapelle rekonstruiert werden. Die Funde wurden von den Archäologen auf das 11. und 12. Jahrhundert datiert - in dieser Zeit wurde auch das Schloss Colditz erstmals urkundlich erwähnt. Für die Öffentlichkeit sollen die Funde zunächst nicht zu sehen sein. "Sie werden abgedeckt, um sie zu konservieren." Jedoch sei geplant, einige Funde und Ergebnisse in einer späteren Ausstellung im Schloss zu zeigen.
Mit den Grabungen endet ein mehr als 60 Jahre langes Rätselraten. "Im Zweiten Weltkrieg stießen im Schloss gefangene Soldaten beim Graben ihrer Fluchttunnel auf Mauern und mussten Umwege graben", erklärt Westphalen. Das Renaissanceschloss Colditz wurde international bekannt, weil zwischen 1939 und 1945 hier hochrangige alliierte Militärs in einem Gefangenenlager inhaftiert waren. Heute beherbergt das Schloss ein Museum, eine Jugendherberge und die Landesmusikakademie.
Colditz - eine Anlage mit langer Geschichte
Laut Urkunden begann die bewegte Geschichte der Burg Colditz 1046. Über die Jahrhunderte wurde der Bau niedergebrannt, um- und ausgebaut. International bekannt wurde der wichtige mittelalterliche Herrschaftssitz jedoch erst im Zweiten Weltkrieg: Das NS-Regime machte aus dem Renaissancebau zwischen 1939 und 1945 das Kriegsgefangenenlager «Olflag IV C», ein Sonderlager für hochrangige alliierte Militärs. Im April 1945 wurden die Gefangenen von amerikanischen Soldaten befreit. In der DDR wurde das Schloss Colditz als Krankenhaus genutzt. Nachdem die Mediziner 1996 ausgezogen waren, begann eine schrittweise Sanierung des Baus.
Das Schloss Colditz ist eine von 19 Immobilien der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsens. Im älteren Teil des Baus ist ein Museum eingerichtet, das auch von der Geschichte als Gefangenenlager erzählt. Zudem beherbergt das Schloss inzwischen eine Jugendherberge sowie die Landesmusikakademie.