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Schwieriges Erbe Erforschung der NS-Raubkunst stockt

"Zum 6.2.1939 herzlichst A. Hitler" steht auf der Rückseite einer Uhr von Eva Braun. Woher stammt sie? Niemand weiß es. Die Identifizierung von NS-Raubgut kommt langsam voran. Es fehlt Zeit und Geld.

Die Brillantuhr war ein Geschenk zu ihrem 27. Geburtstag. "Zum 6.2.1939 herzlichst A. Hitler" steht auf der Rückseite; die Uhr stammt aus dem Nachlass von Eva Braun. Gemeinsam mit anderen wertvollen Nazi-Erbstücken lagert die Uhr, vor der Öffentlichkeit weitgehend versteckt, im Depot der Pinakothek der Moderne in München.

Herkunft vieler Stücke bis heute unklar

Der "Spiegel" hat aus dieser Uhr seine aktuelle Titelgeschichte gemacht. Bei den Recherchen stieß das Magazin auch auf Manschettenknöpfe aus Gold und einen goldenen Champagnerbecher von Hermann Göring. Auf einer goldenen, brillantverzierten Zigarettendose von 1940 steht die Widmung: "Voller Glück und Stolz gratulieren zum "Reichsmarschall" in inniger Liebe Emmy und Edda" - Görings Ehefrau und seine Tochter. Dass die Stücke in München lagern, ist seit Jahrzehnten bekannt.

Woher Hitler die Uhr für seine Geliebte und spätere Ehefrau hatte, ist dagegen nach Museumsangaben noch immer nicht klar. Vielleicht ließ er sie anfertigen, vielleicht aber stammte sie auch von einer enteigneten jüdischen Familie. Schließlich gingen tausende wertvolle geraubte Gegenstände, Schmuck, Antiquitäten und vor allem Kunstwerke, an führende Nationalsozialisten. Auch Jahrzehnte nach dem Ende der Nazi-Gewaltherrschaft ist die Herkunft bei unzähligen Werken nicht geklärt. Der Umgang mit Nazi-Raubgut ist für deutsche Museen eine Mammut-Aufgabe - München ist ein Hauptschauplatz.

Schwierige Herausforderungen

Dabei klingt es auf dem Papier ganz einfach: Die Washingtoner Erklärung aus dem Jahr 1998 gilt als Wegweiser für Fragen rund um Raub- und Beutekunst. Die 40 unterzeichnenden Staaten - darunter Deutschland - verpflichteten sich damals, Nazi-Raubkunst zu identifizieren, die rechtmäßigen Besitzer zu finden und die Werke entweder zurückzugeben oder eine "faire Lösung" zu finden. So weit, so unklar. Denn was eine faire Lösung ist, darüber sind sich die Parteien in den seltensten Fällen einig.

Um Pablo Picassos "Madame Soler" tobt ein langjähriger Raubkunst-Streit zwischen der Pinakothek der Moderne und den Erben des jüdischen Kunstsammlers Paul von Mendelssohn-Bartholdy, in Düsseldorf fordern die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim die "Federpflanze" von Paul Klee von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zurück. Für eine schnelle Aufarbeitung verdächtiger Fälle fehlt allerdings vielfach das Geld. Der ehemalige Kulturstaatsminister Michael Naumann fordert im aktuellen "Spiegel" mehr Geld für die Erforschung von Nazi-Raubkunst in deutschen Museen und appelliert an die Bundesregierung.

Untersuchung sehr umfangreich

Allein in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen müssen nach Museumsangaben 4400 Gemälde und 770 Skulpturen, die nach dem Machtantritt der Nazis 1933 in die Bestände aufgenommen wurden, auf ihre Herkunft untersucht werden. Seit 1999 wurden neun Werke aus ehemals jüdischen Sammlungen restituiert. Die Provenienzforscherin Andrea Bambi soll klären, bei welchen Werken es sich möglicherweise um Nazi-Raubkunst handelt.

So wird zum Beispiel die Kunstsammlung von Günther Franke erforscht, dem die Pinakotheken den mit 70 Bildern weltweit zweitgrößten Werkbestand von Max Beckmann verdanken. Franke handelte während der Nazi-Zeit mit Werken von Künstlern, deren Kunst die Nazis als "entartet" diffamierten. "Wie hat er das geschafft?", lautet die große Frage, wie Bambi sagt.

Es fehlt Zeit und Geld

Kunsthistorikerin Bambi schätzt, dass es bei jedem einzelnen Werk zwischen sechs Monaten und einem Jahr dauert, bis seine Herkunft geklärt ist. In spätestens 5170 Jahren wäre ihre Arbeit damit abgeschlossen, wenn es gut läuft schon in 2585. "Aber wir können uns glücklich schätzen, dass wir überhaupt eine fest angestellte Mitarbeiterin haben. Die meisten Museen haben das nicht", sagt Pinakotheken-Sprecherin Tine Nehler.

"Gerade kleine Museen haben da Schwierigkeiten", sagt der Leiter der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche und -forschung in Berlin, Uwe Hartmann. "Die wollen wir an die Hand nehmen." Insgesamt gebe es in Deutschland etwa 80 Experten - bei mehr als 3000 Museen.

99 Projekte unterstützt Hartmanns Behörde deutschlandweit, seit 2012 stehen dafür zwei Millionen Euro im Jahr zur Verfügung, von 2008 bis 2011 war es nur die Hälfte. Dazu kommt dann noch einmal ein Eigenanteil der beteiligten Museen von rund vier Millionen. Die Arbeitsstelle an sich hat ein jährliches Budget von rund 360 000 Euro. Das Geld sei aber nicht das Hauptproblem, sagt Hartmann. "Uns fehlen einfach die Jahre." In den 1970er, 80er und frühen 90er Jahren habe die Herkunftsforschung in den Museen keine Rolle gespielt. "Da sind Kontinuitäten abgebrochen. Wir könnten heute ganz anders arbeiten, wenn uns diese Jahre nicht fehlen würden. Da wurde viel zu viel versäumt." Inzwischen, so betont er aber, sei man aber auf einem guten Weg.

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