Aus dem 12. Jahrhundert
Vorgängerbau der Erfurter Kapelle freigelegt
Bei der Sanierung der Erfurter Magdalenenkapelle sind Arbeiter auf die Überreste des Vorgängerbaus aus dem 12. Jahrhundert gestoßen. Bisher hatten schriftliche Quellen einen Bau nur vermuten lassen.
Der überraschend entdeckte Vorgängerbau der Erfurter Magdalenenkapelle entstand im 12. Jahrhundert. Eine ganz genaue Datierung werde aber kaum möglich sein, da dazu Holzreste oder eine zufällig verlorene Münze eines Bauarbeiters nötig wären, sagte Roland Altwein vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie am Dienstag. Bei der Sanierung der lange als Lager und Theater genutzten Kapelle waren nach Angaben des Bistums Erfurt Bauarbeiter am 17. Januar auf Reste der etwa sechs Meter langen älteren Kapelle gestoßen. Bisher hätten nur schriftliche Quellen einen Vorgänger des 1341 entstandenen heutigen Baus vermuten lassen, sagte Altwein.
Eine wechselhafte Geschichte
Die Kapelle war zuletzt 1850 profaniert, also aus der gottesdienstlichen Nutzung genommen worden. Zum Ende der DDR-Zeit diente sie bis 1991 der Dombauwerkstatt als Lager, danach als Atelier eines Bauunternehmens und wurde zuletzt von einer Theatergruppe genutzt. Nachdem der Mietvertrag auslief, begann das Bistum mit den Sanierungen. Die Kapelle soll ab Herbst Urnenbeisetzungsstätte sein. Seit 2007 gibt es ein solches Kolumbarium bereits in der nahe gelegenen Allerheiligenkirche, die aber wegen der großen Nachfrage nach dieser Beisetzungsform nicht mehr ausreicht.
Weihbischof Reinhard Hauke sagte, dass er mit solch einem Fund nicht gerechnet hätte. Allerdings sei die historische Innenstadt bekanntermaßen für Überraschungen gut: "Baumaßnahmen in der Innenstadt sind immer etwas gefährlich, weil man damit rechnen muss, etwas zu finden."
Die Zeit drängt
Die Sanierung der Kapelle steht wegen der bevorstehenden Sperrung der Zufahrt für andere Tiefbauarbeiten unter Zeitdruck. Deshalb würden die Denkmalpfleger bereits in dieser Woche ihre Untersuchungen abschließen, sagte Dombaumeister Andreas Gold. Die Fundamente und Mauerreste würden nach der Untersuchung und Dokumentation zugeschüttet.
Denkmalpfleger Altwein bezeichnete den Bau einer Kapelle an dieser Stelle als nicht ganz verwunderlich, da dieser Teil der heutigen Innenstadt ab dem 11. Jahrhundert bebaut worden sei. An die Kapelle grenzte ein Friedhof an, auf dem ein Hospital Tote bestattete. Dennoch habe es bisher nur ein Dokument gegeben, das für 1277 von einem schon "baufälligen Gebäude" sprach. 1277 war die Kapelle noch einmal um mehr als zwei Meter Länge vergrößert worden. 1341 erhielt sie ihre heutige Form.