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30 Millionen Dokumente Akten aus dem "Dritten Reich" werden konserviert

Die Zeit nagt unaufhörlich an den Akten aus der Zeit des Nationalsozialismus. 30 Millionen Dokumente müssen vom Internationalen Suchdienst konserviert werden. Doch das Geld dafür ist knapp.

Ein eingerissenes Stück Papier, vergilbt - und doch so wertvoll. In den Archiven des Internationalen Suchdienstes (ITS) im nordhessischen Bad Arolsen liegen rund 30 Millionen Dokumente zur NS-Zeit über Inhaftierte in Arbeits- und Konzentrationslagern. An dem Papier nagt der Zahn der Zeit. "Mit zunehmendem Alter zerstören Säuren das Papier, es vergilbt und wird brüchig", erzählt Nicole Dominicus, die Leiterin der Archivverwaltung des Suchdienstes. Deshalb wird derzeit jedes einzelne Blatt bearbeitet. Auch in diesem Jahr sind es Tausende Originaldokumente zur NS-Zeit, die konserviert werden sollen.

Berühmte Exemplare lagern im Archiv

In den Archiven lagern auch berühmte Dokumente: Eine Transportkarte von Anne Frank etwa. Oder die Liste, mit deren Hilfe der Fabrikant Oskar Schindler einst etwa 1200 Juden vor dem Tod rettete. Von ihnen sind Duplikate angefertigt worden, damit die Originale nicht mehr so oft angefasst werden.

Der Bestand aus dem Konzentrationslager Buchenwald ist bereits konserviert. "Die Dokumente sind auf schlechtem Papier gedruckt. Das war aber normal im Zweiten Weltkrieg", sagt Alexander Geschke, Geschäftsführer der Preservation Academy Leipzig (PAL). Die Unterlagen aus Bad Arolsen werden nach Leipzig gebracht und dort nicht nur entsäuert, sondern auch restauriert. Kleine Risse werden geschlossen oder sehr dünnes, sogenanntes Japan-Papier, hinter die Originaldokumente geklebt. Es hat etwa ein Zehntel der Stärke von normalem Papier. Alte Klebebänder werden entfernt, Schimmel bekämpft.

Kampf gegen die Zeit

PAL ist spezialisiert auf die Entsäuerung von Papier. Pro Jahr werden hier rund 200 000 Bücher entsäuert, nicht nur aus Nordhessen. Das Unternehmen mit rund 25 Mitarbeitern ist bereits seit Jahren für den ITS tätig. Hunderttausende Objekte seien schon bearbeitet worden, sagt Geschke. Die Bundesregierung stellt dem Suchdienst pro Jahr etwa 200 000 Euro für die Konservierung der ITS-Unterlagen zur Verfügung. Seit dem Jahr 2000 ist knapp ein Zehntel des Bestandes repariert worden. Bis etwa 2018 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Die Akten werden bereits in Bad Arolsen vorbereitet. Bevor es nach Leipzig geht, werden Trennblätter zwischen die einzelnen Dokumente gelegt, damit Stempel nicht auf andere Blätter übertragen werden. Dokumentare überprüfen, ob es sich um Originale oder Fotokopien von damals handelt. "edes einzelne Papierstück wird in die Hand genommen", sagt Dominicus.

In Leipzig werden die Unterlagen in eine Maschine gesteckt, die mit Magnesiumcarbonat geflutet wird. Die Chemikalie neutralisiert das Papier. Mit dem Anheben des PH-Wertes wird es langfristig vor dem Verfall geschützt. Anschließend geht es zum Ausdünsten, dann wird restauriert. "Jeder Umschlag wird individuell bearbeitet. Risse kitten ist eine Sache von Minuten", betont Anja Grubitzsch, ebenfalls Geschäftsführerin bei PAL.

"Laminieren ist das Schlimmste"

Vor allem in den 1960er Jahren wurden die Aktenblätter laminiert - im guten Glauben, sie so zu erhalten. Heute weiß man: Die Weichmacher darin zerstören das Papier langsam, aber sicher. "Laminieren ist das Schlimmste. Das war gut gemeint, aber ist aus heutiger Sicht nicht mehr geeignet. Deshalb ist man davon wieder angekommen", erzählt Geschke. "Da lauert noch viel Arbeit", betont Grubitzsch.

Alle Dokumente, die nach Leipzig gebracht werden, wurden vorher digitalisiert. Es gehe nicht nur um Dokumente aus der Kriegszeit, sondern auch aus der Zeit danach von Vertriebenen und ehemaligen Zwangsarbeitern. "Die Aufgabe ist, die Informationen im Original zu bewahren - für die Geschichte, die Nachwelt oder die Forschung", erzählt Archivverwaltungsleiterin Dominicus. Für einen Familienangehörigen eines früheren KZ-Häftlings sei es ein bedeutender Unterschied, ob er eine Kopie oder das Original einer Häftlingskarte in der Hand halte, sagt Dominicus. "Das ist erhaltungswürdig."

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