Ein Herz für Afrika
David Livingstone vor 200 Jahren geboren
Er drang als erster Europäer seiner Zeit in noch unerforschte Gegenden Afrikas vor und entdeckte die Victoriafälle: David Livingstone. Am 19. März jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal.
Eigentlich sollte David Livingstone nach China. Als ihm der Opiumkrieg einen Strich durch die Rechnung machte, ging der gebürtige Schotte nach Afrika - eine für die Wissenschaft unschätzbar wichtige Zufallsentscheidung. Livingstone, in dessen Adern des Blut des unbeugsamen Highlanders floss, wurde zu einem der bedeutendsten Afrikaforscher der Neuzeit. Er entdeckte den Sambesi-Fluss und die Victoria-Wasserfälle im heutigen Simbabwe und galt als einer der Vorreiter im Kampf gegen den Sklavenhandel. Am 19. März jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal.
Ein Europäer betritt Neuland
Als Sohn einer Arbeiterfamilie wuchs David Livingstone im schottischen Blantyre auf. Schon während seines Medizinstudiums in Glasgow arbeitete er für die Londoner Missionsgesellschaft. Im Dezember 1840 schickte diese ihn auf Missionstour in den Süden Afrikas. Dort verbrachte Livingstone mehrere Jahre in den Missionsstationen Kuruman, Mabotsa und Koloben.
Der Kontinent faszinierte den Schotten so sehr, dass sein ursprünglicher Auftrag, die Missionierung und Zivilisierung der Einheimischen, immer weiter in den Hintergrund rückte. Zusammen mit dem reichen Engländer William Oswell brach Livingstone 1849 zu seiner ersten großen Expedition auf und durchquerte als erster Europäer die Kalahari-Wüste.
Auf seiner Reise begegnete er immer wieder Einheimischen, die noch nie zuvor einen weißen Mann gesehen hatten. Nicht alle traten ihm friedlich gegenüber. Er konnte sich aber mit dem Häuptling der Makolo anfreunden, der ihn auf eine Reise in den Norden mitnahm. 1851 traf Livingstone auf einen mächtigen Strom - den Sambesi, dessen Verlauf noch nie ein Europäer zuvor gesehen hatte.
Mit den Makolo folgte Livingstone dem Sambesi in Richtung Westen zur Mündung im Indischen Ozean. Dabei entdeckte er gigantische Wasserfälle, die er zu Ehren der Queen Victoriafälle taufte. Noch heute steht dort ein Denkmal, das an den legendären Forscher erinnert. Im britischen Empire - zu jener Zeit auf dem Höhepunkt seiner weltweiten Machtentfaltung - galt er schon zu Lebzeiten als Nationalheld. Seine Bücher waren ausverkauft, bevor sie überhaupt gedruckt waren. Noch heute gelten sie als wichtige Forschungsdokumente.
Große Feier zum Jubiläum
Der 200. Geburtstag des Forschers wird in seinem Geburtsland und in seiner afrikanischen Wahlheimat gebührend gefeiert. Die Präsidentin des afrikanischen Staates Malawi, Joyce Benda, reist anlässlich des Jubiläums eigens ins schottische Blantyre, die Geburtsstadt Livingstones, ehe sie an sein Grab in London reisen wird. Der frühere schottische Ministerpräsident, Jack McConnell, ist sich sicher: "Anfangs wurde Livingstone vom Glauben getragen. Später wurde das vor allem durch den Kampf gegen die Sklaverei überlagert", sagte er im schottischen Fernsehen.
In Blantyre finden an dem Jubiläumswochenende zahlreiche Ausstellungen, Lesungen und auch ein afrikanischer Trommel-Workshop statt. Außerdem treffen sich in der nach dem Forscher benannten Stadt Livingstone an den Victoriafällen (Sambia) Wissenschaftler aus der ganzen Welt, um sich über sein Leben und sein Vermächtnis auszutauschen. Abenteuerlustige Fans können sich bei einer 1000 Kilometer langen Mountainbike-Tour auf die Spuren von Livingstone begeben. Vorbei an dem Ort, an dem er angeblich gegen einen Löwen kämpfte, und vorbei an dem Baum, in den er seinen Namen ritzte.
Livingstones suche nach der Nilquelle
Um sich voll und ganz auf seine Forschungsreisen konzentrieren zu können, trat Livingstone aus der Mission aus und ging mit Unterstützung der Regierung in London auf eine zweite große Expeditionstour. Er sollte neue Handelsrouten ausfindig machen und Rohstoffe finden - jedoch ohne Erfolg. Während seiner dritten Expedition konzentrierte sich Livingstone auf die Suche nach den Nilquellen - sein großer Forschertraum. Livingstone musste sich jedoch mit über 50 Jahren den Strapazen seiner Reisen geschlagen geben: 1868 erreichte er völlig erschöpft und fieberkrank die Arabersiedlung Ujiji - ein Zentrum des Sklavenhandels. Seine Berichte über den Horror dort führten zu einem neuen Bild der Lage in Europa.
Da er zu der Zeit als vermisst galt, schickte der Verleger des "New York Herald" den Journalisten Henry Morton Stanley auf die Suche nach Livingstone. Mit den berühmten Worten "Mr. Livingstone, nehme ich an" begrüßte Stanley 1871 den Verschollenen in Ujiji, im heutigen Tansania. Später suchte er zusammen mit Stanley weiter nach dem Ursprung des Nils, den er aber nie fand. Sein Herz schlug immer für Afrika, und genau dort fand es nach seinem Tod 1873 die letzte Ruhe. Der Rest seines Körper wurde nach London gebracht und in der Westminster Abbey beigesetzt.