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Vom Sand der Zeit begraben Rätselhafte Sphinx mit Hieroglyphen freigelegt

Es ist eine bisher einzigartige Entdeckung: Historiker haben die Sphinx des altägyptischen Pharaos Menkaure freigelegt. Der Fund der 4000 Jahre alten Statue gibt der Fachwelt viele Rätsel auf.

Unter Altertumsforschern gilt es als eine Sensation: Vor kurzem haben Archäologen zu ihrer großen Überraschung im Norden Israels Teile der Sphinx eines altägyptischen Pharaos ausgegraben. Zur Freude der Forscher ist sie sogar mit einer Inschrift aus Hieroglyphen versehen. Nun rätseln die Archäologen, wie die Statue vor tausenden Jahren in die antike Stadt Tel Hasor nördlich des See Genezareth gelangt sein kann. Noch nie wurden im östlichen Mittelmeerraum vergleichbare Funde gemacht.

Ein steinernes Relikt aus Granit

Das aus Pfoten und Teilen der Unterarme samt Sockel bestehende Fragment aus Granitstein wurde der Öffentlichkeit in der vergangenen Woche vorgestellt. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP berichtet Grabungsleiter Amnon Ben-Tor, dass damit erstmals eine Sphinx entdeckt wurde, die per Inschrift dem ägyptischen Herrscher Menkaure gewidmet ist.
Der Pharao Menkaure, besser bekannt unter dem griechischen Namen Mykerinos, regierte etwa 2500 Jahre vor unserer Zeitrechnung. "Auch ist dies die einzige monumentale ägyptische Statue, die jemals in der Levante gefunden wurde, also dem heutigen Israel, Libanon und Syrien", erläutert der Archäologieprofessor an der Hebräischen Universität von Jerusalem.

Hieroglyphen-Widmung an Mykerinos

Die zwischen den Pfoten eingravierten Hieroglyphen widmen die Sphinx Mykerinos, "geliebt vom Göttlichen in Heliopolis, das ihm ewiges Leben gab". Deshalb gehen die Archäologen davon aus, dass die Statue ursprünglich in dieser antiken Tempelstadt im Norden Kairos gestanden hat. Wie das Monument, dessen Gesamtgröße auf Grundlage des Fundstücks auf anderthalb Meter Länge und einen halben Meter Breite berechnet wird, dann nach Tel Hasor kam, darüber gibt es nur Vermutungen.

Der Hasor-Hügel ist laut Ben-Tor die wichtigste archäologische Grabungsstätte in Israel. Die UNESCO erkannte sie bereits als Weltkulturerbe an. Hier stand die Hauptstadt des südlichen Kanaan. In der Bronzezeit vor etwa 4700 Jahren gegründet, zählte sie in ihrer Blütezeit etwa 20.000 Einwohner. Im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zerstört, wurde die Stadt 150 Jahre später von Israeliten wiederbesiedelt, bis die Assyrer sie 732 vor unserer Zeitrechnung endgültig verwüsteten.

Wie kam die Sphinx nach Hasor?

Da es zu Lebzeiten von Pharao Mykerinos keinerlei Verbindungen ins Gebiet des heutigen Galiläa gab, ist die Statue wahrscheinlich erst später nach Hasor gelangt. Eine These der Wissenschaftler ist, dass sie als Beutekunst in der Zeit der Hyksos-Könige dorthin gebracht wurde. Die aus Kanaan stammenden Hyksos hatten Ägypten ab etwa 1700 bis 1532 vor unserer Zeitrechnung beherrscht.

Am wahrscheinlichsten ist für Altertumsforscher Ben-Tor aber die Annahme, dass die Sphinx als diplomatisches Geschenk auf Reisen ging: "Dann wäre sie irgendwann nach Beginn des Neuen Reichs 1550 vor unserer Zeitrechnung hierher gekommen, als die Pharaonen auch Kanaan regierten, aber die lokalen Herrscher auf ihren Thronen ließen. Da könnte der ägyptische Regent die Sphinx dem König von Hasor geschenkt haben, der sein wichtigster Statthalter in der Region war."

Die Archäologin Schlomit Blecher, die das Fragment entdeckte, erinnert sich noch genau an den Moment im vergangenen August : "Es war wirklich die letzte Stunde am letzten Tag dieser Grabungsperiode", erzählt sie. "Wir machten alle Freudensprünge, waren total begeistert." Viele Monate dauerte es dann, das Fundstück von den Verkrustungen zu befreien, bis die Inschriften voll sichtbar und entzifferbar wurden.

"Wir hoffen, dass hier noch andere Teile liegen und dass wir sie sehr bald finden", sagt Blecher. Grabungsleiter Ben-Tor erläutert, dass die Statue vermutlich von den Eroberern von Tel Hasor zerschlagen wurde, wie es üblich war, um die alte Herrschaft zu entwürdigen. Trocken fügt er hinzu: "Der Fund der Sphinx kam unerwartet, aber so ist das halt bei Archäologen."

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