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Erster Weltkrieg Sturm legt deutsches U-Boot-Wrack frei

Die Gezeiten haben das Wrack eines deutschen U-Bootes aus dem Ersten Weltkrieg freigelegt. Der Koloss vor der englischen Küste bietet einen gespenstischen Anblick - und ist kein Einzelfall.

Seit fast einem Jahrhundert liegt es auf einer Sandbank am Fluss Medway nahe der englischen Küste: Ein U-Boot der deutschen Marine aus dem Ersten Weltkrieg. Viele wussten nichts von seiner Existenz, obwohl es schon immer teilweise sichtbar gewesen ist. Doch erst jetzt konnte das Wrack von Experten genauer untersucht werden – möglich machten dies die Gezeiten.

Die neuen Forschungsergebnisse britischer Marine-Historiker bringen Licht in die Geschichte des deutschen U-Bootes. Sie lösen die Umstände, wie das U-Boot einst auf der Sandbank strandete und warum es seit fast einem Jahrhundert völlig unberührt dort liegt.

"Das U-Boot liegt seit 1921 hier. Es war eines von 100 U-Booten, die sich am Ende des Ersten Weltkrieges den Briten ergeben haben und ursprünglich nach Harwich geschleppt werden sollten.", sagte der Marine-Historiker Mark Dunkley der britischen Zeitung "Daily Mail". "Einige davon wurden jedoch Frankreich übergeben, aber die meisten wurden abgewrackt, um das Metall wiederzuverwerten", fügte Dunkley hinzu. Nach fast hundert Jahren ist nun auch die Identität des U-Bootes geklärt: Es handelt sich um UB-122.

Das U-Boot war seinerseits eines der modernsten Kriegswaffen der kaiserlichen Flotte. Erst im Februar 1918 wurde UB-122 in Dienst gestellt. Es gehörte zur U-Boot-Klasse-III. 95 Exemplare wurden zwischen 1916 und 1918 gebaut - geplant waren ursprünglich 200. 34 Mann Besatzung fanden in der U-Boot-Klasse Platz. Es hatte eine Reichweite von bis zu 9.000 Seemeilen.

Wrack soll nicht geborgen werden

Bei der Inspektion des Wracks standen die Historiker zunächst vor einem Rätsel. Die Hülle des U-Bootes ist weitestgehend noch immer intakt, während der Innenraum komplett leer ist. Was ist mit der Technik und den Waffen geschehen? "Aufzeichnungen zeigen, dass die Diesel-Motoren von UB-122 entfernt und in einer Zementfabrik eingebaut wurden. Die englische Industrie wollte ihren Nutzen aus der Kriegstechnik ziehen.", sagte Mark Dunkley.

"Was wir noch nicht exakt wissen ist, warum oder wie UB-122 dort landete, wo es sich jetzt befindet. Es ist wahrscheinlich, dass es in der Medway-Mündung in Schlepptau genommen wurde, um abgewrackt zu werden. Es gibt Vermutungen, dass ein schwerer Sturm das Abschlepp-Manöver zunichte machte und das Kabel riss. UB-122 wurde dann auf die Sandbank gedrückt - und dort zurückgelassen", fügte Dunkley hinzu. Demnach wäre dies ein Zufall der Geschichte: Ein Sturm wurde dem U-Boot einst zum Verhängnis - jetzt legte ein Sturm das Wrack vollständig frei.

Heute ist UB-122 das einzige äußerlich komplett erhaltene U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg in den englischen Gewässern. Den Recherchen zufolge war es mit zehn Torpedos ausgestattet und darauf spezialisiert nahe der Küste zu operieren, um feindliche Schiffe zu versenken.

Trotz des bevorstehenden 100. Jahrestags vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges gibt es keine Pläne das Wrack zu bergen. "Es gibt keine Bergungspläne. Allerdings soll der Ort noch weiter untersucht werden. Gut möglich, dass die Gezeiten noch nicht alle Trümmer zum Vorschein gebracht haben", sagte Dunkley.

Kein Einzelfall

Das Schicksal von UB-122 ist in der Geschichte kein Einzelfall: Insgesamt sechs deutsche U-Boote gingen nach dem Ersten Weltkrieg unter vergleichbaren Umständen verloren. Ein ähnliches Drama entwickelte sich zum Beispiel beim Abschlepp-Manöver von SM U 118. Auf dem Weg zur Abwrackung nach Frankreich zerstörte hier ein Sturm das Abschleppkabel.

Wind und Wellen spülten das deutsche U-Boot auf den Strand von Hastings, direkt vor das Queens Hotel in einer dicht bewohnten Region. Drei Schlepper versuchten später das Wrack vom Strand zu ziehen – ohne Erfolg. Ein französisches Kriegsschiff versuchte es mit seinen Geschützen zu zerstören, allerdings schlug auch dieses Vorhaben fehl.

Das Wrack wurde rasch zur Touristenattraktion. Später verlangte die Stadtverwaltung sogar Eintrittsgeld für die Besichtigung des deutschen U-Bootes. Erst im Herbst 1919 wurde SM U 118 demontiert und abgewrackt.

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