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Erster Weltkrieg Alleinschuld des Deutschen Reiches zweifelhaft

Deutschland trägt die Alleinschuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Das war ein Kernpunkt im Versailler Vertrag. Doch Historiker sehen die Kriegsschuldfrage heute anders.

Experten wie der Historiker Matthias Rogg bezweifeln die alleinige Schuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg. Der 50 Jahre alte Oberst ist Direktor des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden und will 2014 mit mehreren Ausstellungen dazu beitragen, die Erinnerung an das Zeitalter der beiden Weltkriege wachzuhalten. Im Interview der Nachrichtenagentur dpa spricht Rogg unter anderem über die Kriegstreiber von einst und die unterschiedliche Wahrnehmung des Krieges in den beteiligten Ländern.

Der Erste Weltkrieg ist in den Vorstellungen vieler ein Stellungskrieg gewesen. Man hat vor allem den Grabenkampf in Erinnerung. Stimmt das aus militärhistorischer Sicht?

Nein. Wir möchten mit unserer großen Weltkriegsausstellung 2014 zeigen, dass dieser Krieg eine unglaubliche Dynamik entfaltet hat, selbst der Grabenkrieg. Die Vektoren zeigen plötzlich in alle Richtungen. Der Krieg, der am Boden festgefressen ist, wird unterirdisch in Stollensystemen weitergeführt, aber auch in der Luft. Es kommt zu einer Massenmobilisierung und zu einer Rüstung mit neuen technischen Entwicklungen. Noch nie wurde ein Krieg so industriell geführt. Die Dynamisierung spiegelt sich auch in Biografien wider. Die Menschen scheinen in diesen vier Jahren unheimlich schnell zu altern. Nicht nur, weil Gewalterfahrung eine Rolle spielt, sondern weil es eine unheimliche Dichte an Ereignissen gibt.

Es mehren sich Zweifel an der Alleinschuld Deutschlands? Teilen Sie diese Auffassung?

Momentan diskutieren alle über Christopher Clarks "Die Schlafwandler". Er setzt sich minutiös mit dem Vorfeld des Krieges auseinander. Es gab nicht nur Säbelrassler. Nicht alle sind wie ferngesteuert auf den Krieg gerannt. Wenn man das konzediert, kann man nicht mehr von einer alleinigen Kriegsschuld sprechen. Ja, es gab Kräfte in Deutschland, die diesen Krieg wollten. Die losschlagen wollten, bevor zum Beispiel Russland über ein Eisenbahnnetz verfügte, mit dem eine zügige Generalmobilmachung erst möglich war.

Auf der anderen Seite ging der gesamte Führungsstab im Sommer 1914 in Urlaub. Das tut man nicht, wenn man das Gefühl hat, es könnte jeden Moment losgehen. Richtig ist aber auch: Die Schwelle für den Einsatz von Waffen war ganz niedrig. Das war damals ein legitimes Mittel der Politik.

Wie gut war Deutschland auf den Krieg vorbereitet?

Viele glaubten im Sommer 1914 wohl, das bleibt ein lokaler Konflikt, nur Serbien und Österreich, dafür wird keiner einen Schlag in dieser Dimension wagen. Sonst hätte sich Deutschland nicht auf dieses Vabanquespiel eingelassen. Die deutschen Munitionsvorräte reichten ja nur bis Oktober. Wenn es nicht eine Möglichkeit gegeben hätte, die Abhängigkeit von Salpeterlieferungen durch ein neues chemisches Produkt abzulösen, hätte Deutschland den Krieg liquidieren können. Es gab auch bei den Regierungen von England, Frankreich und Russland das Bestreben, Probleme jetzt zu lösen. Kriegstreiber und Skeptiker waren auf allen Seiten vorhanden. Der Erste Weltkrieg war keine Naturkatastrophe, die wie ein Tsunami hereinbrach und gegen die man nichts machten konnte.

Warum unterscheidet sich die Sicht auf den Ersten Weltkrieg aus Perspektive der Konfliktparteien?

In England, Frankreich und Deutschland spielen die beiden Weltkriege in der Erinnerungskultur eine unterschiedliche Rolle. Die Deutschen meinen mit Weltkrieg immer den Zweiten. In Frankreich und Großbritannien ist es der Erste. Beide Weltkriege gehören aber zusammen. Man versteht den Zweiten nicht ohne den Ersten. Dazwischen haben wir die eine Art Inkubationszeit. Es ist nicht die Zeit eines großen Friedens. Es ist die Zeit vieler ungelöster Probleme. Der Zweite Weltkrieg hat also eine Vorgeschichte. Es ist auch wichtig, die Gedankenwelten dieser Zeit zu betrachten, wie die Gesellschaften damals tickten. Sonst kann man nicht diese Art von Kriegsbegeisterung und Aufbruchstimmung im August 1914 verstehen. Diese Euphorie von vielen ist uns heute völlig fremd.

 

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