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Erster Weltkrieg So starben die Männer von "Seiner Majestät U-31"

Nach 101 Jahren ist das Schicksal eines 1915 vermissten U-Bootes aufgeklärt: Das Tauchschiff lief 90 Kilometer vor Ostengland auf eine Mine. Das Wrack bleibt als Seemannsgrab unangetastet.

Genau 199 U-Boote verlor die Kaiserliche Marine im Ersten Weltkrieg – durch den Feind, vor allem die Royal Navy, durch technisches Versagen oder auch durch schlechte Wetterverhältnisse. Nur einige Dutzend davon sind bis heute gefunden worden; nur sehr wenige ihrer Besatzungsmitglieder konnten ordentlich bestattet werden. Im Gegenteil: Die meisten der toten U-Boot-Soldaten gelten nach den Maßstäben des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge bis heute als vermisst; sie liegen im Seemannsgrab.

Für immerhin 31 Männer hat sich das jetzt geändert; ihre Namen sind auf dem U-Boot-Ehrenmal Möltenort bei Kiel dokumentiert. Denn das Wrack ihres Bootes "SM U-31" ist jetzt identifiziert worden. Entdeckt worden waren die Überreste schon im September 2012, in einer Tiefe von nur 30 Metern rund 91 Kilometer vor Caister-on-Sea an der Ostküste Englands. Gefunden wurde es bei der Erkundung des Meeresbodens durch das Unternehmen Scottish Power Renewables, das Windparks errichtet und betreibt.

So sieht das Wrack von U-31 heute aus

Ursprünglich hatten die Finder geglaubt, das im Juni 1940 vermisste niederländische U-Boot " HNLMS O13" geortet zu haben. Genauere Untersuchungen am Wrack ergaben jetzt jedoch, dass es sich in Wirklichkeit um das deutsche Boot "U-31" handelt. Aufgrund einer Metalltafel aus der Brücke des Bootes, die mit "SM Unterseeboot U-31" beschriftet ist, konnte das eindeutig festgestellt werden. Niederländische Marinetaucher bargen sie aus dem Wrack.

"SM U-31" gehört zu den Booten, die die Kaiserliche Marine in den Jahren unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg in Auftrag gegeben hatte. Erst 1906 war das erste tauchfähige Kriegsschiff in Deutschland in Dienst gestellt worden. Doch der Admiralstab unter Alfred von Tirpitz hatte kein wirkliches Interesse an dieser neuen Waffe. So wurden zwar ab 1909 mehrere Serien von Booten bei verschiedenen Werften in Auftrag gegeben; entsprechend der ersten Erfahrungen bei Ausbildung und Übungsfahrten wurde die Technik fortlaufend verbessert. Dennoch standen im August 1914 erst 28 Boote zur Verfügung, die zum Teil bereits veraltet waren.

Ab "SM U-19" hatten neu entwickelte Dieselmotoren die deutlich weniger leistungsstarken Petroleummaschinen ersetzt. Auch die Elektromotoren für die Tauchfahrten wurden von Serie zu Serie verbessert. Da die Ingenieure der jeweils beauftragten Werften, der Kaiserlichen Werft in Danzig oder der Germaniawerft in Kiel die Konstruktionen selbst weiterentwickelten, unterschieden sich die U-Boot-Serien geringfügig.

Mit "SM U-31" begann die letzte Serie von Vorkriegsbauten. Das Boot lief am 7. Januar 1914 in Kiel vom Stapel und wurde nach Ausrüstung und Probefahrten am 18. September 1914 offiziell in Dienst gestellt, also sechs Wochen nach Kriegsbeginn. Das Boot war 64,70 Meter lang und 6,32 Meter breit; es verdrängte 685 über und unter Wasser 878 Tonnen. Die maximal zulässige Tauchtiefe betrug 50 Meter; abtauchen konnte "U-31" in 50 bis 100 Sekunden je nach Manöver. Die beiden Dieselmotoren für Überwasserfahrt leisteten je 925 PS, die beiden Elektromotoren für Tauchfahrten je 600 PS.

Seine Besatzung bestand neben den beiden Seeoffizieren Oberleutnant Siegfried Wachendorff, dem Kommandanten, und Leutnant Friedrich Dohse aus dem Maschineningenieur Paul Middendorf und seinem Stellvertreter, dem Ingenieursanwärter Friedrich Stiehler, sowie aus 27 Mannschafts- und Unteroffiziersdienstgraden. Viele von ihnen stammten aus küstennahen Orten, aber manche auch etwa aus Essen, Mannheim, Berlin oder Geisenheim: Die Kaiserliche Marine war keineswegs beschränkt auf Norddeutsche. Im Gegensatz zu den vorwiegend regional organisierten Landstreitkräften war sie tatsächlich eine nationale Streitmacht.

Wachendorff trainierte mit seiner Besatzung zunächst, bevor sie am 13. Januar 1915 von Wilhelmshaven aus zu einer Feindfahrt in die Gewässer um die Britischen Inseln ausliefen. Hier verlor sich die Spur von "SM U-31". Die beiden Funker (damals offiziell Funktelegraf-Gasten genannt) Karl Meyer und Fritz Zöllner meldeten von dieser Fahrt nichts mehr. Da auch keine zum Verschwinden des Bootes passenden Versenkungsmeldungen der Royal Navy überliefert sind, nahm die Seekriegsleitung an, Wachendorff sei mit seinem Boot in schwerem Wetter havariert und gekentert.

Die Erkenntnisse der Marinetaucher weisen auf ein anderes Schicksal hin: Der Rumpf des Wracks ist heute noch etwa 57 Meter lang; Bug und Heck sind teilweise stark beschädigt. Das deutet auf eine Minenexplosion hin. Tatsächlich war das Seegebiet, in dem das Boot verloren ging, durch britische Minensperren gesichert. Mit entsprechenden Karten konnten Schiffe sie umfahren; ohne Pläne war das Passieren oft lebensgefährlich.

Das Wrack und die sterblichen Überreste der Besatzung werden vor Ort bleiben. Der geplante Windpark wird an anderer Stelle errichtet, damit die Totenruhe nicht gestört wird. Das Schicksal von "SM U-31" ist, nach genau 101 Jahren, aufgeklärt.

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