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Inês de Castro Die blutige Rache der untoten Königin von Portugal

Um die Nachfolge zu regeln, ließ Portugals König 1355 die Geliebte seines Sohnes Peter beseitigen. An die Macht gelangt, nahm dieser Rache und inszenierte ein grotesk-morbides Schauspiel.

Inês de Castro galt einst für Kastiliens reizendste Wunderblume; ihre Unschuld wetteiferte mit ihrer Schönheit. Doch Trug oder Verrat ist den Frauen angeboren", behauptete ein portugiesischer Troubadour im 14. Jahrhundert. Das Subjekt seines Gesanges verkörperte Liebe und Tragik wie kaum eine andere Frauengestalt im Mittelalter.

Die schöne Inês de Castro kam 20-jährig im Gefolge der kastilischen Prinzessin Constança an den Hof von Lissabon. Hier wurde Constança 1340 mit dem portugiesischen Thronfolger Peter verheiratet. Die Hochzeit hatte sein Vater König Alfons IV. von Portugal aus politischen Gründen arrangiert, und die daraus resultierende Ehe war keineswegs glücklich. Peter begann vielmehr eine heftige Affäre mit Inês de Castro, bis sein verärgerter Vater die Hofdame 1344 aus dem Land weisen ließ.

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Nachdem Constança ein Jahr später bei der Geburt ihres dritten Kindes gestorben war, holte Peter seine Geliebte zurück und zog mit ihr in die Stadt Coimbra. Dort verbrachten sie sieben gemeinsame Jahre. Inês bekam drei Kinder, darunter zwei Söhne. Bald hieß es, das Paar habe heimlich geheiratet. Der Kronprinz selbst tat nichts, um dies zu dementieren.

Die Liebe zu Inês (1320–1355) führte nach deren Ermordung zu einem Bürgerkrieg zwischen König Alfons IV. und dem Infanten Peter. (Foto: picture-alliance / Mary Evans Pi)

Der Fall bekam nun eine enorme politische Dimension. Die Familie Castro gehörte zu den mächtigsten Sippen des spanischen Kastilien. Wenn Inês tatsächlich rechtmäßige Gemahlin des künftigen Königs wäre, dann könnten ihre Söhne Johann und Dionysius gute Ansprüche auf den portugiesischen Thron anmelden. Die Verwandtschaft von Inês machte aus ihren diesbezüglichen Ambitionen keinen Hehl, was den einheimischen Hochadel alarmierte. Denn die Angst vor einer Vereinnahmung durch die benachbarten Spanier zieht sich wie ein roter Faden durch Portugals Geschichte.

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Viele Adlige bestürmten nun König Alfons IV., er möge Inês de Castro aus dem Weg räumen, schreibt Maria Zulmira Albuquerque Furtado in ihrem Buch "Die Tragödie von Pedro und Ines". Sie klagten, "dass dieses stolze Weib Don Pedro völlig zu verblenden und zur Befriedigung unbegrenzter Ehrsucht sowie zur Machtverleihung an ihre Familie zu bringen wusste". Drohend hieß es: "Wir Altadligen Portugals werden uns zum Verderben dieses hochfahrenden Weibes und ihrer tyrannischen Familie verbrüdern."

Besorgt um Portugals Unabhängigkeit, berief der Monarch Anfang 1355 einen Kronrat, welcher die Kastilierin des Hochverrats beschuldigte und gleichzeitig zum Tode verurteilte. "Er glaubte, dass im Blut schmachvollen Todes das Feuer der treuen Liebe erlöschen werde", schrieb ein Dichter. Drei Adlige (Alvaro Goncalves, Pedro Coelho und Diogo Lopes Pacheco) machten sich an das finstere Werk. Am 7. Januar 1355 – Peter befand sich gerade auf einer Jagdpartie – drangen die Mörder in den Palast von Coimbra ein und schlugen Inês vor den Augen ihrer Kinder den Kopf ab. Von der Jagd heimgekehrt, fand Peter ihr blutiges Haupt vor.

Alfons IV. (1291 bis 1357) von Portugal befürchtete, dass Inês den Thron für ihre Kinder beanspruchen und dadurch die kastilische Familie Castro Portugals Unabhängigkeit bedrohen könnte. (Foto: picture-alliance / akg-images)

Rasend vor Wut entfesselte der Prinz nun einen Krieg gegen seinen Vater, den beide Seiten nicht gewinnen konnten. Der Konflikt endete im August 1355 mit einem Kompromiss, wonach Vater und Sohn sich verpflichteten, alles Geschehene zu vergessen. Peter hielt sich freilich eine Hintertür offen. Im Artikel drei des Vertrages hieß es: "Ich verspreche Euer Majestät, dass ich, solange Euer Majestät leben werden, die schuldigen Mörder meiner verewigten Gemahlin, der Dona Inês de Castro, nicht verfolgen will." Nachdem Alfons Ende Mai 1357 gestorben war, zeigte sich, dass der neue König es bitter ernst mit dieser Klausel meinte.

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Eine seiner ersten Maßnahmen bestand darin, die Mörder von Inês zu bestrafen. Einer aus dem Trio, Lopes Pacheco, konnte noch rechtzeitig nach England entfliehen, die beiden anderen ließ Peter in der Stadt Santarém mit ausgefeilter Grausamkeit zu Tode foltern. Vor Beginn der Tortur mussten sie sich aussuchen, ob ihnen am Ende das Herz von hinten oder von vorne bei lebendigem Leib ausgerissen werden sollte. Der schockierte Adel gab dem Monarchen deswegen den Beinamen "O cruel" (der Grausame), während das Volk seine Rachegelüste durchaus billigte.

1360 soll Peter dann einen Schritt unternommen haben, der wohl einzigartig in der Geschichte dasteht. Er ließ den Leichnam von Inês de Castro aus ihrer Grabstätte, dem Kloster Santa Clara, in die Kathedrale von Coimbra überführen. Dort musste sich die gesamte Hocharistokratie Portugals einfinden mit dem Reichskanzler Vasco Martins de Souza an der Spitze.

Die Ermordung der Inês de Castro: Die Mörder schlugen ihr vor den Augen ihrer Kinder den Kopf ab. (Foto: Wikimedia/Museu Militar de Lisboa)

Peter hatte ein unglaubliches Spektakel vorbereitet. "Der Fußboden vor dem Hochaltar wurde mit echtem Goldstoff bis in den letzten Winkel ausgelegt", schreibt der Schriftsteller Paul Gerhard Zeidler in seiner Inês-Biografie. "Der Sarkophag, in dem die tote Königin überführt werden sollte, war aus getriebenem Gold hergestellt. Eine Purpurdecke würde den Sarg verhüllen, die so schwer war, dass sechs Nonnen Mühe hatten, sie zu tragen ... Auf allen Altären, in allen Nischen standen Blumen in Fülle. Dieser Blumenschmuck sollte während des Ehrendienstes für die tote Königin alle vier Stunden erneuert werden."

Zwei Thronsessel waren aufgestellt, den einen besetzte der König, auf den anderen wurden die Überreste von Inês gehoben. Die Tote trug ein Purpurgewand, zahlreiche Juwelen und eine Krone auf dem kahlen Haupt. Der Erzbischof von Braga salbte die Leiche und küsste den Saum ihres Gewandes sowie ihre skelettierte Hand.

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Anschließend wurde Inês de Castro von der Kathedrale in eine neue Begräbnisstätte überführt. Peter hatte befohlen: "Die Königin wird in feierlicher Prozession nach dem Kloster Alcobaça gebracht. Alle Stände ohne Ausnahme, auch Kinder und Kranke, haben sich mit brennenden Kerzen an dieser Prozession zu beteiligen."

Der Sarkophag, den Peter für Inês in Auftrag gab, gilt als eines der herausragendsten Beispiele gotischer Bildhauerkunst. Seinen eigenen ließ der König zum Zeichen ewiger Liebe gegenüber dem ihren aufstellen. (Foto: picture alliance / Arco Images G)

In der Abteikirche von Alcobaça ließ Peter zwei Sarkophage für sich und Inês errichten, unmittelbar gegenüber, "damit bei der Auferstehung vor dem Jüngsten Gericht ihr erster Blick ein Blick der Liebe sein wird". Wie eine Röntgenuntersuchung ergab, ruhen die Körper heute noch in dieser Position.

Bei aller morbiden Romantik gelang es Peter nicht, seine gemeinsamen Kinder mit Inês auf den Thron zu heben. Nach seinem Tod 1367 wurde Ferdinand I., Sohn der Constança, zum König ausgerufen. An Inês de Castro blieb die Erinnerung, wie sie Portugals großer Nationaldichter Luis de Camões formulierte: "Die zarte Blume, schön und prangend, die vor des Welkens Zeit gebrochen ward – Liebe ist ihr Name und Tränen ihre Welle."

Jan von Flocken ist Journalist und Historiker und hat zahlreiche Bücher, darunter "Geschichten zur Geschichte" sowie zur Militärgeschichte, veröffentlicht. Er lebt bei Berlin.

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