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Schlacht von Verdun Die wichtigste Innovation 1916 war der Stahlhelm

Für die geplante Entscheidungsschlacht bei Verdun 1916 bot die deutsche Führung auch neue Taktiken und Waffen auf. Die wichtigste Entwicklung aber war ein Kopfschutz. Er wurde zu einem Symbol.

Anfang Februar 1916 wurde Leutnant Eugen Radtke an die Front vor Verdun verlegt. Er notierte: "Das Schauspiel, das sich uns hier bot, war einfach überwältigend … Jedes, auch das kleinste Waldstück verbarg dem Gegner eine Überraschung … Wo kamen nur die vielen Geschütze her, und wie war es möglich, diese riesigen Geschosse, die teilweise fast Manneshöhe erreichten, in dem Schlamm der aufgeweichten Wege heranzuschaffen … In den Wäldern stand Geschütz neben Geschütz, reihenweise neben- und hintereinander … Wir Fußlatscher bekamen doch auf einmal mächtigen Respekt."

Was der Zugführer des preußischen 24. Infanterieregiments sah, war das geheime Arsenal, mit dem die deutsche Oberste Heeresleitung (OHL) bei Verdun den entscheidenden Sieg im Ersten Weltkrieg erzwingen wollte. An einer zentralen Stelle der Front sollte die französische Armee zu einer Schlacht provoziert werden, die ihr Verluste zufügen sollte, die um das Zweieinhalbfache höher veranschlagt wurden als die eigenen Verluste. Die verbündeten Engländer würden mit einer überstürzten Entlastungsoffensive in Flandern in eine Falle laufen, und der schreckliche Krieg wäre zu einem siegreichen Ende gebracht. So stellte sich Erich von Falkenhayn, Chef des kaiserlichen Großen Generalstabs, das Unternehmen offenbar vor, für das die meisten Reserven der Armee aufgeboten wurden.

Aber der General setzte nicht nur auf eine komplizierte Strategie und die Moral seiner Soldaten, sondern wollte auch eine neue Taktik und neue Waffen zum Einsatz bringen, um das zermürbende Patt im Stellungskrieg endlich aufzubrechen. Denn nach eineinhalb Kriegsjahren zeigte sich deutlich, wie sehr die personellen und materiellen Ressourcen der Mittelmächte jenen der Entente unterlegen waren. Die Blockade, mit der die Royal Navy die deutsche Industrie von Einfuhren abschnürte, behinderte nicht nur den Nachschub an Waffen und Munition, sondern auch die Entwicklung neuen Kriegsgeräts. Verbesserungen des vorhandenen und ein neuer taktischer Einsatz sollten diese Mängel ausgleichen.

Mehr zum Thema: Verdun - ein Materialschlacht ohne tieferen Sinn

Die wichtigste Neuerung sah Leutnant Radtke auf seinem Transport in den Bereitstellungsraum. Mit 1225 Geschützen aller Kaliber auf einer Breite von zwölf und einer Tiefe von zehn Kilometern hatte die OHL eine Artilleriekonzentration aufgefahren, wie sie bis dahin noch nie gesehen worden war. Zweieinhalb Millionen Granaten waren für die ersten sechs Kampftage herangeschafft und regensicher gelagert worden. Außerdem listet der Historiker Olaf Jessen ("Verdun 1916") 420.000 Stielhandgranaten, 1100 Tonnen Stacheldraht, 2,1 Millionen Sandsäcke, 52.500 Spaten, 18.000 Drahtscheren, 52.500 Kreuzhacken und 105.000 Kubikmeter Bretter und Bohlen auf.

Vor allem aber: Dies und der Aufmarsch der drei Armeekorps der ersten Welle vollzog sich fast unsichtbar, nachts, unter dem Schutz von Wäldern, Sichtschutzmatten, verdeckten Gräben. Zehntausende kaiserliche Soldaten harrten über Tage hinweg in unterirdischen Stollen aus. Damit sollte verhindert werden, dass die französische Führung vorzeitig von der bevorstehende Offensive erfuhr und Truppen in die prestigeträchtige Festung Verdun verlegte.

Das neue Artilleriekonzept

Dem gleichen Zweck diente das neue Artilleriekonzept. Nicht mehr ein tagelanges Trommelfeuer sollte den Angriff vorbereiten, sondern ein nur neun Stunden dauernder konzentrierter Feuerschlag, der den Weg für die Infanterie buchstäblich freisprengen sollte. Um diese beim Vormarsch besser unterstützen zu können, hatten Pioniere Stellungen in vorderster Linie vorbereitet, in die die Geschütze nach Eröffnung des Angriffs nachgezogen werden konnten.

Auch die Dicke Berta, ein schwerer Mörser mit 42 Zentimeter Durchmesser der Firma Krupp, kam vor Verdun zum Einsatz. (Foto: picture alliance / akg-images)

Vor allem setzte die deutsche Führung auf ihre schwere Artillerie. Während sich die leichten französischen Feldgeschütze 1914 den deutschen Typen als überlegen erwiesen hatten, waren die Kanonen und Mörser mit Kalibern von 15 bis 42 Zentimetern unübertroffen. Die Angst, in dieser Waffengattung, der etwa das Zarenreich nichts Gleichwertiges entgegensetzen konnte, von der Entente überflügelt zu werden, hatte nicht zuletzt die deutschen Militärs 1914 dazu bewogen, das Risiko eines großen Krieges einzugehen.

Bis 1916 waren zahlreiche Geschütze verbessert, ihre Reichweiten erhöht worden. Und sie hatten Granaten mit einem fürchterlichen Inhalt erhalten: Diphosgen, ein chlorhaltiger Lungenkampfstoff. Dieses Giftgas musste nicht mehr aus Tanks mit dem Wind abgeblasen, sondern konnte direkt in die feindlichen Linien geschossen werden. Bei Verdun sollten 100.000 dieser Grünkreuzgeschosse zum Einsatz kommen.

Hauptmann Schwert entwarf den Stahlhelm

Auch das Vorgehen der Infanterie war verändert worden. Sie sollte nicht mehr auf breiter Front aus den Gräben steigen und ihren Weg durch den Stacheldraht des Niemandslandes suchen. Stattdessen sollten Stoßtrupps wie Keile Wege durch das Gelände bahnen, das zuvor von der Feuerwalze der Artillerie geöffnet worden sein würde. Diese Taktik war an den zerklüfteten Fronten in den Mittelgebirgen entwickelt worden. "Sturmabteilungen" stießen unter Ausnutzung von Senken und Trichtern vor und zielten auf Schwachpunkte in der gegnerischen Verteidigung. Im Idealfall sollten sie MG-Nester und Artilleriestellungen ausschalten.

Die nachhaltigste Neuerung erhielten die deutschen Soldaten aber mit einer neuen Schutzausrüstung: dem Stahlhelm. 1914 hatte es sich schnell gezeigt, dass die Kopfbedeckungen, mit denen die Heere in den Krieg zogen, gegen die Wirkung der modernen Artillerie wirkungslos waren. Die preußisch-deutsche Pickelhaube, die Mitte des 19. Jahrhunderts noch ein Hightech-Produkt gewesen war, bot gegen die Splitterwirkung der Granaten keinen Schutz. Kopfverletzungen machten zwei Drittel der schweren Verwundungen aus.

Bereits 1915 hatten Engländer und Franzosen moderne Helme aus Stahlblech eingeführt. Mitte 1915 legte der Hauptmann Friedrich Magnus Schwert, im Zivilberuf Professor für Werkzeugmaschinen, Fabrikorganisation und -betrieb an der TU Hannover, im Auftrag des Kriegsministeriums den Entwurf eines Helms vor, der den Kopf von der Nase bis zum Nacken schützen sollte, ohne seinen Träger beim Laufen oder im Liegen zu behindern.

Das Ergebnis wurde im November 1915 unter der Bezeichnung Stahlhelm M 1916 für die Produktion zugelassen. Zunächst aus Stahlblech und später aus Chromnickelstahl in nur sechs Arbeitsschritten gefertigt, war er ein bis 1,1 Millimeter stark und wog je nach Größe zwischen 950 und 1350 Gramm. Damit war der Stahlhelm zwar deutlich schwerer als die Modelle der Entente, bot aber auch einen wirksameren Schutz.

"Dank des Augenausschnittes und des vom Hinterkopf abstehenden Nackenschutzes war der erforderliche Gesichts-, Nacken- und Schläfenschutz sichergestellt, ohne dass der Soldat beim Hinlegen und beim Gewehranschlag behindert wurde", schreibt der Historiker Gerhard P. Groß. Obwohl Materialmangel die Herstellung erschwerte, konnten bis Februar 1916 30.000 Stahlhelme an die Front geliefert werden, die meisten gingen an Truppen der ersten Linie bei Verdun. Bis 1917 trugen ihn alle deutschen Kampftruppen, außerdem zahlreiche Einheiten der österreichischen und bulgarischen Verbündeten. Bis Kriegsende wurden 7,5 Millionen Exemplare hergestellt.

Allen guten Plänen und Vorbereitungen zum Trotz war der deutsche Angriff auf Verdun nach wenigen Tagen faktisch gescheitert. Allerdings sollte es noch rund 300 Tage dauern, bis sich die Führung das eingestand. In dieser Zeit kosteten die Kämpfe 320.000 bis 350.000 Menschen das Leben und vielen Hunderttausenden die Gesundheit.

Gemessen an den hochfliegenden Plänen war Verdun eine schwere Niederlage für die Deutschen. Die blutigen Versuche, das über Monate hinweg durch minimale Geländegewinne zu kaschieren, machte den Namen der Festung zum Symbol für die Sinnlosigkeit des maschinellen Grabenkrieges. Seine Ikone wurde der Stahlhelm, dessen mittelalterlicher Habitus dem einfachen Soldaten die Aura des opferbereiten und zu allem entschlossenen Kämpfers zu verleihen schien. Nicht umsonst nannte sich der rechtskonservative Bund der Frontsoldaten, der Ende 1918 gegründet wurde, Stahlhelm. Er wob an den mythischen Bildern weiter, die einen Weltkrieg später noch in ganz anderer Weise korrumpiert werden sollten.

 

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