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Erster Weltkrieg Nach vier Tagen war die Schlacht um Verdun verloren

Am 25. Februar 1916 fiel Fort Douaumont vor Verdun. Doch zugleich lief sich die deutschen Offensive tot. Die Ziele für die geplante Falle wurden nicht erreicht. Zehn Monate ging das Sterben weiter.

Der Sieg kam überraschend – und war doch unübersehbar: Am Nachmittag des 25. Februar 1916, ein Freitag, nahmen Soldaten vor allem des brandenburgischen Infanterieregiments 24 aus Neuruppin das Fort Douaumont ein, die größte aller Befestigungen rund um Verdun.

Dabei war die bis zu 400 Meter lange, insgesamt drei Hektar große, teilweise unterirdische und mit massiven Mauern geschützte Festung gar nicht das Ziel an diesem Tag. Sie galt, errichtet seit 1883 und immer wieder modernisiert, als viel zu mächtig, um im Sturmangriff erobert werden zu können.

Doch genau das geschah: Die deutschen Soldaten drängten zunächst die Männer der französischen Einheiten zurück, die sich vor dem Fort eingegraben hatten. Dann stellten sie überrascht fest, dass aus den an sich unbezwingbaren Stellungen von Douaumont kaum geschossen wurde.

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Otto Kunze, Vizefeldwebel im sächsischen II. Pionierbataillon, beschloss, die Gelegenheit zu nutzen. Von einem gefangenen Franzosen erfuhr er, dass das Fort nur schwach besetzt sei. Unter dem Protest seiner kleinen Truppe setzte er den Angriff fort und entdeckte einen offenen Gang ins Innere der Festung – nicht ohne zuvor noch einen französischen Korporal, der "wie vom Teufel besessen" mit seinem MG weiterfeuerte, erschossen zu haben. Wenig später drang er, begleitet von nur zwei Mann, ins Innere vor.

Auf der anderen Seite des Forts stiegen derweil Neuruppiner Soldaten in eine Bresche in den Befestigungen, die ein schwerer Mörser geschlagen hatte, und kamen ebenfalls in die Festung. Vorneweg ging Leutnant Eugen Radtke, auf den das Innere von Douaumont "bedrohlich, seltsam, düster" wirkte. In den langen Gängen hingen lediglich trübe Petroleumlampen. Der Zugführer entdeckte einen älteren französischen Soldaten mit weißem Schnurrbart, "wahrscheinlich ,Monsieur le commandant', der völlig resigniert und gebrochen an der Wand des Hauptgefechtsganges" lehnte, "anscheinend untröstlich" über die Eroberung des Forts.

Kein Zweifel: Am vierten Tag der Offensive gegen Verdun, dem "Unternehmen Gericht", hatten die deutschen Soldaten mit der Einnahme des Forts einen Sieg errungen. Niemandem in den Planungsstäben wäre vorher in den Sinn gekommen, dass ausgerechnet Fort Douaumont schon beim ersten Abtasten durch einige Patrouillen fallen könnte. Etwa 20 Deutsche bezwangen die 67 Mann starke französische Garnison. Der stärkste Pfeiler im Verteidigungsring rund um Verdun war nun in deutscher Hand.

Das Fort Douaumont nördlich von Verdun kurz vor der Erstürmung durch das 24. brandenburgische Regiment am 25. Februar 1916. (Foto: picture-alliance / akg-images)

Daheim wurde gejubelt. Die nationalistische Presse feierte die Siegesmeldung der Obersten Heeresleitung, nur die liberalen Blätter berichteten distanziert. Der glänzenden Stimmung tat das keinen Abbruch.

"Sieg bei Verdun! 3000 Gefangene! Zehn Kilometer breit, drei Kilometer tief durchgestoßen! Hurra! Die deutsche Offensive im Westen ist da! Nun kann's nimmer fehlen! Jetzt kriegen wir Verdun, Calais, Paris, Frankreich, England und den Endsieg – spätestens im Frühjahr!", fasste der linksradikale Schriftsteller und Kriegsgegner Erich Mühsam die vorherrschende Meinung auf Münchens Straßen in seinem Tagebuch zusammen.

Er selbst sah es freilich ganz anders: "Dieses hirnteppige naive Volk ist wirklich wieder beim Himmelhochjauchzen. Sagt man den Kindern heute, dass dieses Erfölgchen für den Ausgang des Krieges soviel und sowenig bedeutet, wie seine scheußlichen Blutkosten die Erschöpfung näher führen, dann ist man ein miserabler Kerl, der nur alles für Deutschland Ungünstige sieht."

Mühsam behielt recht. Denn eigentlich markierte der 25. Februar 1916, der Tag des Sieges über Fort Douaumont, zugleich das Scheitern der deutschen Offensive insgesamt. Nur auf den ersten Blick ist das ein unauflösbarer Widerspruch.

Denn schon in der Nacht vom 24. auf den 25. Februar waren die ersten französischen Reserveeinheiten auf dem Schlachtfeld von Verdun angekommen, in Bewegung gesetzt bereits vor dem dem Losbrechen des deutschen Angriffs. Durch den Verlust des nur mit einem Elftel der vorgesehenen Stärke bemannten Forts, das zudem nur noch eine einzige 15,5-cm-Kanone hatte, wurde ihr Kampfgeist enorm angeheizt: Noch eine Festung, etwa das nahe gelegene kleinere Fort Vaux, sollte keinesfalls fallen.

Noch wichtiger aber war ein Gespräch, das an diesem Freitag im War Office in London geführt wurde. Der Oberbefehlshaber des britischen Expeditionskorps in Frankreich und Belgien, Douglas Haig, war zu einer Besprechung mit seinen Vorgesetzten gekommen. Kriegsminister Herbert Kitchener lehnte dabei Haigs unausgegorene Pläne für eine schnelle Gegenoffensive ab.

Vielmehr solle es bei der bereits im Dezember 1915 festgelegten Strategie bleiben: Im Sommer wollen Großbritannien und Frankreich in einer massiv vorbereiteten Attacke beiderseits des Flusses Somme angreifen und hier den Zusammenbruch der deutschen Front erzwingen.

Kitchener, bekannt für seinen selbst für damalige Verhältnisse ungewöhnlich scharfen Zynismus, begrüßte die deutsche Offensive sogar: "Die Deutschen spielen uns in die Karten, indem sie uns bei Verdun jene Zermürbungsschlacht anbieten, die wir selbst wollen." Nur im Falle einer "Katastrophe" der französischen Armee sollte der Angriff an der Somme vorgezogen werden.

Im Übermut der Eroberung von Fort Douaumont gaben deutsche Offiziere für den folgenden Tag – Sonnabend, den 26. Februar 1926 – als Tagesziel die Erstürmung von Fort Vaux aus. Doch eben dieser Tag wurde, nach schlimmen Verlusten, der erste seit Beginn der Schlacht, an dem abends kein Geländegewinn vor Verdun mehr vermeldet werden konnte. Ab sofort herrschte ein Patt auf den Höhenzügen östlich der Maas.

Anfang Juni konnte Vaux zwar doch noch erobert werden, unter entsetzlichen Verlusten auf beiden Seiten. Wichtiger aber war, dass am 25. Februar 1916 die Dynamik des deutschen Angriffs, die in vier Tagen zu dem für den Stellungskrieg erstaunlichen Geländegewinn von 30 bis 40 Quadratkilometern geführt hatte, sich buchstäblich totlief.

Die Hoffnung, mit einem massiven, insgeheim vorbereiteten Schlag Frankreichs Verteidigung ins Wanken zu bringen, hatte sich nicht erfüllt. Stattdessen setzte sich der Abnutzungskampf, der schon an den anderen Abschnitten der Westfront herrschte, auch in Lothringen fort. In den folgenden 299 Tagen ging es nur mehr darum, immer mehr Reserven und Granaten herbeizuschaffen. Sie um aufgewühlte, vergiftete, von Blut durchweichte Quadratkilometer ringen zu lassen.

Eine Aussicht auf einen wirklichen Durchbruch gab es ab dem Abend des 25. Februar 1916 eigentlich nicht mehr. Damit war die Schlacht um Verdun faktisch verloren.

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