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Hitlers Panzer "Nur ein Windhauch in den russischen Steppen"

Weil der Krieg gegen die Sowjetunion ein Blitzkrieg sein sollte, verzichtete das NS-Regime 1941 auf massive Ausrüstung. Nicht einmal die eklatanten Mängel der deutschen Panzer wurden behoben.

Hitlers Weisung an die Wehrmacht vom 18. Dezember 1941, den "Aufmarsch gegen Sowjetrussland" vorzubereiten, brachte die deutsche Rüstungswirtschaft in eine fatale Lage. Nach dem schnellen Sieg über Frankreich hatten die beteiligten militärischen und zivilen Stellen sich zwar umgehend bemüht, die entstandenen Verluste auszugleichen. Aber statt durch die Umstellung auf eine konsequente Kriegswirtschaft Ressourcen für den nächsten Feldzug anzusammeln, hatte man die industriellen Kapazitäten geradezu eingefroren und war bemüht, die Hochstimmung in der Bevölkerung nicht durch weitere Einschränkungen der ohnehin heiklen Versorgungslage zu trüben.

Stattdessen begann das Konzept des "Blitzkrieges", das sich so unverhofft gegen Frankreich bewährt hatte, ein verhängnisvolles Eigenleben zu entfalten. Hatten die meisten deutschen Generäle Anfang 1940 noch geglaubt, dass der Krieg gegen die westliche Führungsmacht eine Neuauflage der Materialschlachten des Ersten Weltkriegs bringen würde, waren sie nun guter Dinge, dass ihnen der schnelle Sieg auch gegen die Sowjetunion gelingen werde.

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Nach dem "Blitzsieg", so die Folgerung, wäre es ein Leichtes, die rüstungsindustrielle Mangelwirtschaft in Deutschland mit den Ressourcen der geschlagenen Sowjetunion mit einem Schlag zu beenden. Die materielle Voraussetzung für den Entscheidungskampf im geplanten Vernichtungskrieg gegen den ideologischen Feind sollten also erst durch den Sieg gegen ihn eingefahren werden. Ein Vabanquespiel mit vielen Unbekannten.

Gros der Panzerwaffe nicht kampftauglich

In diesem Sinne wurde im Januar 1941 erst einmal der Deutsch-Sowjetische Wirtschaftsvertrag verlängert, der im August 1939 als Vorstufe des Hitler-Stalin-Pakts geschlossen worden war. Der sah die Lieferung von großen Mengen Getreide, Mineralöl, Eisenerz und anderer strategischer Bodenschätze zu günstigen Konditionen vor, ohne die die schleppende deutsche Aufrüstung kaum hätte bewerkstelligt werden können.

Wie sehr sich die deutsche Führung in Allmachtsfantasien verstieg, zeigt ihr Umgang mit der Waffe, der sie ihre bisherigen Triumphe vor allem verdankte, dem Panzer. Nach dem Versailler Vertrag verboten, waren die ersten Kampfwagen erst im Zuge der Wiederaufrüstung ab 1935 entwickelt worden. Als sie 1940 eingesetzt wurden, symbolisierten die meisten Typen noch "das rudimentäre Entwicklungsstadium der noch im Aufbau befindlichen deutschen Panzerwaffe", urteilt der Militärhistoriker Karl-Heinz Frieser.

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Von den 2500 bei Angriffsbeginn im Westen eingesetzten Panzern stellten knapp 1500 die Typen I und II, hinzu kamen 300 tschechische Beutepanzer. Nur die Typen III und IV waren für den Kampf Panzer gegen Panzer geeignet, erwiesen sich aber den britischen und französischen Typen deutlich unterlegen. Die beiden leichten Fahrzeuge I und II verfügten nur über Maschinenwaffen, die keinen Panzer durchschlagen konnten. Die tschechischen Typen und der Panzer III waren mit einem 3,7-Zentimeter-Geschütz ausgerüstet, das von den Soldaten abfällig als "Panzeranklopfgerät" bezeichnet wurde. Gegnerische Tanks waren damit nur an wenigen Stellen zu bekämpfen, die gefürchteten französischen Char B2 und britischen Matildas überhaupt nicht.

 

Einzig der Panzer IV, der über eine 7,5 Zentimeter-Kanone mit kurzem Rohr verfügte, konnte auf wenige Hundert Meter gegen die alliierten Typen bestehen. Dabei war der Panzer IV gar nicht für den Kampf gegen Panzer, sondern als Unterstützungswaffe für die Infanterie konzipiert worden. Für den modernen Panzerkrieg hatte Heinz Guderian als Vordenker der deutschen Panzertruppe den Kampfwagen III vorgesehen. Zwar hatte er in seinen Denkschriften die Ausstattung mit einer besseren Kanone gefordert, das Heereswaffenamt hielt aber das kleinere Geschütz für ausreichend, zumal es parallel zu Infanteriewaffen gleichen Kalibers munitioniert werden konnte.

Überlegene deutsche Taktik sicherte den Sieg im Westen 

Dass diese "embryo-artigen" Tanks (K.-H. Frieser) die auch zahlenmäßig überlegenen Westalliierten besiegten, hing mit ihrem taktischen und operativen Einsatz zusammen. Während die Sieger des Ersten Weltkriegs ihre Kampffahrzeuge linear hinter der Front verteilten, fassten die Deutschen ihre Panzer in Divisionen und Regimentern zusammen, deren Einheiten ausnahmslos durch Funk geführt wurden. Anders als alliierte Kommandanten, die auch die Aufgabe des Richtschützen übernehmen mussten, konnten sich ihre deutschen Gegner auf den Bewegungskrieg konzentrieren. Im Zusammenspiel mit der Luftwaffe wurden die langsameren französischen und englischen Panzer ausmanövriert und blieben wegen ihres geringen Treibstoffvorrats oft genug liegen.

Nach Ende der Kämpfe im Westen war klar, dass die Panzer I und II allenfalls noch als Übungsfahrzeuge genutzt werden konnten. Es mussten daher nicht nur die erheblichen Verluste des Feldzuges, sondern auch die Lücken durch das Herausziehen der leichten Typen geschlossen werden. Dabei geriet die Rüstungsindustrie an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Denn die deutschen Panzer wurden nicht in Großserie, sondern in qualitätsvoller Handarbeit von diversen Herstellern produziert. So dauerte die Montage eines Panzers III 1800 Stunden, mindestens.

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Um die Schlagkraft der deutschen Panzer umgehend zu erhöhen, verfiel man auf zwei Wege. Zum einen wurde die Zahl der Kampfwagen in den Panzerdivisionen deutlich verringert. Zum anderen erhielt der Panzer III eine stärkere Kanone. Dies wurde möglich, weil Guderian bei der Einführung des Fahrzeugs diese technische Möglichkeit gefordert hatte.

Video: Überfall auf die Sowjetunion

 

Das Ergebnis war die Verstärkung der Frontpanzerung sowie der Einbau einer kurzen 5-Zentimeter-Kanone. Der gegenüber dem 3,7-Zentimeter-Kaliber etwas vergrößerte Durchmesser des Geschützes erhöhte Reichweite und Durchschlagskraft des Geschosses. Aber selbst gegen stärkere westalliierte Typen hätte der Panzer III das Nachsehen gehabt. Gegen den in der Entwicklung stehenden sowjetischen T34 sollte sich die neue Kanone als wenig wirkungsvoll erweisen.

Stalin verdreifachte seinen Panzerbestand

Als "Hybris des Siegers" (von 1940; d. Red.) erklärt der Historiker Rolf-Dieter Müller die Mängel in der deutschen Kriegswirtschaft am Vorabend des "Unternehmens Barbarossa" und zieht den Schluss: "Insgesamt war seit Kriegsbeginn die Personalstärke nahezu verdreifacht worden, die Ausstattung mit Waffen und Gerät hingegen konnte nur verdoppelt werden, bei Marine und Luftwaffe waren sogar geringere Steigerungsraten zu verzeichnen."

Von dem Panzer III, dem wichtigsten deutschen Kampfwagen, war der Gesamtbestand von 785 Exemplaren vor dem Frankreich-Feldzug im Mai 1940 auf gerade einmal 1440 Exemplare im Juni 1941 gestiegen. Die Zahl des stärkeren Panzers IV konnte von 290 auf 572 Stück gesteigert werden. Obwohl den Verantwortlichen in der deutschen Führung verborgen blieb, dass Stalins Sowjetunion im gleichen Zeitraum ihren Panzerbestand verdreifachen konnte, drückte der Amtschef des Allgemeinen Heeresamtes, Friedrich Olbert, gegenüber einem Vertrauten seine Sorge in drastischen Worten aus: "Unser Heer ist nur ein Windhauch in den weiten russischen Steppen."

Video: Kapitulation der 6. Armee bei Stalingrad

 

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