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Atombunker voller Ersatzgeld Wie die Bundesbank den Falschgeld-Krieg gewinnen wollte

Durch tonnenweise Falschgeld hätte die DDR die Bundesrepublik in die Knie zwingen können. Die Bundesbank hatte sich in den 1960er Jahren auf dieses Szenario vorbereitet - mit einer Ersatzwährung.

Natursteine im Erdgeschoss, darüber beige Putzfassaden und Schieferdach: Unauffälliger könnten die beiden Häuser in der Straße Am Wald 35 in Cochem hoch über der Mosel kaum sein. Nichts deutet darauf hin, dass es sich um etwas anderes handeln könnte als um zwei ziemlich langweilige Mehrfamilienhäuser aus den 1960er-Jahren.

In Wirklichkeit verbirgt sich in den beiden Häusern der Eingang zum deutschen Fort Knox, das allerdings schon seit 28 Jahren außer Diensten ist. Im Erdgeschoss des Doppelhauses beginnt nämlich der geheime Bunker der Bundesbank. In der rheinland-pfälzischen Bürgeridylle waren, soweit man weiß, ein Vierteljahrhundert lang die Bestände der westdeutschen Reservewährung untergebracht.

Das war eine eigenständige, optisch leicht unterscheidbare Serie von Banknoten, kurz Bbk II genannt. Grundlage waren die zweitplatzierten Entwürfe für die DM-Noten aus dem Wettbewerb für neue Banknoten von 1959. Der Grund war nicht zuletzt der Kalte Krieg. Denn mit massenhaft in Umlauf gebrachten perfekten Blüten konnte eine Volkswirtschaft schnell in Turbulenzen gebracht werden.

Rückseite eines 100-D-Mark-Scheins der Ersatzwährung. (Foto: Bundesbank/Public Domain)

Wenn Falschgeld zur Waffe wird

Im Zweiten Weltkrieg hatten die Nazis ein solches Vorgehen gegen Großbritannien vorbereitet und massenhaft gefälschte Pfund-Noten im KZ Sachsenhausen drucken lassen. Eingesetzt wurde diese "Waffe" allerdings nicht; die meisten "Pfund"-Noten und die dazugehörenden Druckplatten wurden 1945 im Toplitzsee in Österreich versenkt.

Kein Zweifel: Auf ein ähnliches Vorgehen, um die Bundesrepublik zu schwächen, hätten auch die Stasi und der KGB kommen können. Auf diesen Fall wollte die Bundesbank vorbereitet sein – durch die Reservewährung. Falls massenhaft aufkommende Blüten in höchster Druckqualität, also aus echten Gelddruckereien, aufgetaucht wären, hätte die Notenbank die Ersatzserie aktivieren, den Bargeldumlauf massiv einschränken und alle bisherigen Noten zurückrufen können. Um so etwas direkt umzusetzen, musste genügend alternatives Bargeld an einem sicheren Ort bereitgehalten werden: in einem Tresor am Sitz der Bundesbank in Frankfurt am Main – und im geheimen Bunker in Cochem.

Erst 1988 wurde diese Reservereihe ausgemustert, und jetzt, abermals 28 Jahre später, öffnet der einst streng geheime Lagerort seine massiven Stahltüren für normale Besucher. Der Museumsbetrieb startet am Freitag mit einem Fest.

Hinter dem Eingang geht es zuerst 30 Meter hinein in den Fels. Es fallen dicke Betonwände auf, gepanzerte Zwischentüren und Gitterboxen mit Schlössern: In jeder lagerten in Säcken und Kartons Hunderttausende Geldscheine. Insgesamt war in Cochem die Hälfte der Reservewährung gelagert, fast 400 Millionen Scheine im nominellen Gesamtwert von 15 Milliarden D-Mark. Und trotzdem ohne jeden Wert, solange sie nicht offiziell ausgegeben worden wären. Denn schon auf den ersten Blick ist der Unterscheid zu den damals regulären Noten zu erkennen – auch wenn auf der Bildseite dieselben Personen abgebildet sind.

Ein Büroraum im ehemaligen Bundesbank-Bunker in Cochem. (Foto: dpa)

Anfang der 1960er-Jahre, die Ersatzserie war gerade im Druck, erwarb die Bundesbank den Standort für den Reservewährungsbunker im Moseltal. Die linksrheinische Gegend war offensichtlich in dieser Hinsicht attraktiv: Nur knapp 60 Kilometer weiter nördlich entstand zur selben Zeit der Bunker für die Bundesregierung im Ahrtal, offiziell Dienststelle Marienthal genannt.

Das Grundstück direkt am Hang, im Gebäude eine ehemalige Arztpraxis, umfasste rund 9000 Quadratmeter. Von 1962 bis 1964 entstanden im Berg der Geheimbunker und die beiden Häuser als Tarnung. Als Kosten veranschlagt waren 2,3 Millionen Mark; sie vervierfachten sich im Laufe der Bauarbeiten auf zehn Millionen Mark.

Natürlich bekamen die Anwohner mit, dass in ihrer sonst so ruhigen Gegend ungewöhnliche Bauarbeiten im Gange waren. Man belog sie: "Sie wurden damit beschwichtigt, dass sie hier bei einem Krieg in einem normalen Zivilschutzbunker unterkämen", berichtet die Chefin des neuen Museums, Petra Reuter. Tatsächlich hätten hier im Notfall bis zu 175 Menschen zwei Wochen in der Tiefe überleben sollen, autark mit Trinkwasserbrunnen, Dieselgeneratorenstrom, Sandfilter für die Luftversorgung und Dekontaminationsräumen für atomare Verstrahlung.

Auch die Lüftung war so ausgelegt, dass sie einen Angriff mit Nuklearwaffen überstehen sollte. (Foto: dpa)

Auch in der Bundesbank, die die beiden Tarnhäuser als komfortable Schulungsstätte nutzte, war nur wenigen der eigentliche Zweck der Anlage bekannt. Es soll vorgekommen sein, dass Bundesbank-Mitarbeiter nach den Seminaren im Schulungsheim am Swimmingpool des Vorbesitzers nächtliche Feste feierten, ohne etwas vom wertvoll-wertlosen Schatz unter ihnen zu ahnen.

1988 wurden die Millionen Scheine abtransportiert und durch den Reißwolf gejagt. Die Geheimakten darüber dürfen laut Reuter frühestens 2018 freigegeben werden. Vermutlich waren die echten Bargeldbestände inzwischen so groß geworden, dass die Ersatzserie eine eventuelle Überflutung mit Blüten aus dem Osten nicht mehr hätte eindämmen können. Zudem gab es nun elektronische Zahlungsmöglichkeiten, die jedenfalls durch Blüten nicht gefährdet werden konnten.

Die Cochemer Volksbank kaufte einige Jahre später das Geldversteck und baute in den Bunkervorraum Schließfächer ein. "Beim Moselhochwasser 1993 waren ihre früheren Schließfächer abgesoffen", erklärt Reuter. Doch das bewährte sich nicht. Nach jahrelangem Leerstand erwarben Petra und Manfred Reuter 2014 die ungewöhnliche Immobilie, in der es seit 2010 einige wenige Führungen gegeben hatte. Das Ehepaar, das ein Busunternehmen betreibt, verwandelte den denkmalgeschützten Bunker in ein Museum und baute die Tarnhäuser zu einem Hotel mit 34 Betten um. Die Eröffnung ist für den 1. Mai geplant.

Ob die Europäische Zentralbank heute eine Ersatzserie an Euro-Banknoten irgendwo aufbewahrt, ist nicht bekannt. Angesichts der Billionen Euro an Staatspapieren, die die EZB seit Jahren aufkauft, dürfte eine Blütenflut eher ein geringeres Problem darstellen.

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