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Krieg mit der Sowjetunion Frage nach dem "ob" eines Angriffs stellte Hitler nicht

"Es handelt sich um einen Vernichtungskampf": Am 30. März 1941 teilte Adolf Hitler seinen Generälen mit, wie er sich den Angriff auf die Sowjetunion vorstellte. Die Botschaft war eindeutig.

Mangelnde Klarheit konnte niemand Adolf Hitler vorwerfen. Im Gegenteil: Alle mehr als 200 Generäle der Wehrmacht, die am 30. März 1941 die Rede des "Führers" in der Berliner Reichskanzlei hörten, wussten danach genau, was auf sie zukam: ein bewusst eskalierter Vernichtungskrieg.

An diesem Sonntag waren die wichtigsten Offiziere Deutschlands für 11 Uhr einberufen worden. Auf dem Programm stand eine fast zweieinhalb Stunden lange Hitler-Rede. Franz Halder, als Generalstabschef des Heeres einer der wichtigsten Soldaten des Dritten Reiches, machte direkt danach eine ausführliche Aktennotiz in seinem Diensttagebuch.

Mehr zum Thema: Hitlers Panzer - "ein Windhauch in den russischen Steppen"

Demnach schilderte Hitler ganz typisch ausgreifend seine Sicht der Weltlage. Großbritannien habe den Fehler begangen, einen möglichen Frieden mit Deutschland auszuschlagen. Anschließend rief der Oberbefehlshaber seinen Generälen die Entwicklung der vergangenen Monate in Erinnerung – völlig unnötig, denn sie hatte die durchweg hervorragend ausgebildeten Offiziere in der Zeit der relativen Ruhe seit dem Waffenstillstand mit Frankreich ständig beschäftigt.

Scharf kritisierte Hitler die italienische Kriegführung – sie hatte dafür gesorgt, dass Wehrmachtstruppen erst im Februar 1941 in Libyen eingreifen mussten, und der Einmarsch in Griechenland sowie Jugoslawien stand unmittelbar bevor. London zöge Vorteile aus den Misserfolgen Italiens und setze seine Hoffnung auf Amerika und die Sowjetunion. Die aber beide ihre militärische und industrielle Höchstleistung erst in vier Jahren erreichen würden.

Hitler und sein wichtigster Kriegsplaner: Generaloberst Franz Halder, der Chef des Generalstabs des Heeres, entwarf das "Unternehmen Barbarossa". (Foto: picture alliance / IMAGNO/Votava)

Über die Risiken war sich der Hitler wohl bewusst

Damit war er bei seinem eigentlichen Thema für diesen Frühlingssonntag: dem bevorstehenden Angriff auf den Noch-Verbündeten Stalin. Wohl alle anwesenden Generäle wussten längst, dass entsprechende Pläne erarbeitet wurden; doch nun hörten die meisten von ihnen erstmals aus dem Mund des Diktators selbst den Hintergrund.

Die Frage nach dem "ob" eines Angriffs stellte Hitler gar nicht mehr – er beschrieb seine Entscheidung zum Krieg vielmehr als alternativlos. Nur wenn die Sowjetunion schnellstmöglich niedergerungen werde, so hielt Halder in seiner Notiz fest, "werden wir in der Lage sein, in zwei Jahren materiell und personell unsere Aufgaben in der Luft und auf den Weltmeeren zu meistern".

Über die Risiken dieses Krieges war sich der "Führer" offenbar durchaus bewusst. Jedenfalls sprach er ausführlich über das "Problem des russischen Raumes" und führte aus: "Unendliche Weite des Raumes macht Konzentration auf entscheidende Punkte notwendig." Daher müsse nach dem Muster der Blitzkriege (die es allerdings in Wirklichkeit gar nicht gegeben hatte) ein "Masseneinsatz von Luftwaffe und Panzern an entscheidender Stelle" erfolgen. Siegesgewiss fügte er hinzu: "Der Russe wird versagen gegenüber dem Masseneinsatz von Tanks und Luftwaffe."

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Nach einigen Ausführungen über die Verbündeten Deutschlands, auf die man sich besser nicht verlassen solle, und über die Frage, ob sich die Rote Armee dem Kampf stellen werde oder ausweichen, sagte Hitler dann einiges zum politisch-ideologischen Hintergrund. Es handele sich um den "Kampf zweier Weltanschauungen gegeneinander". Laut Halder fällte Hitler ein vernichtendes Urteil über "Bolschewismus", der nichts als "asoziales Verbrechertum" sei und eine "ungeheure Gefahr für die Zukunft".

Hitlers offener Befehl zum Massenmord

Als ob das noch nicht klar genug gewesen wäre, setzte der noch einen drauf: "Wir müssen von dem Standpunkt des soldatischen Kameradentums abrücken. Der Kommunist ist vorher kein Kamerad und nachher kein Kamerad. Es handelt sich um einen Vernichtungskampf." Deutlicher hat wohl nie ein Diktator vor doch relativ großer Zuhörerschaft den Befehl zu extensiven Kriegsverbrechen erteilt.

Offenbar aber glaubte er, diese Weisung begründen zu müssen: "Wenn wir es nicht so auffassen, dann werden wir zwar den Feind schlagen, aber in 30 Jahren wird uns wieder der kommunistische Feind gegenüberstehen." Das gehe nicht, denn: "Wir führen nicht Krieg, um den Feind zu konservieren."

Damit es keinerlei Missverständnis gab, formulierte Hitler klare Handlungsanweisungen: "Vernichtung der bolschewistischen Kommissare und der kommunistischen Intelligenz". Es müsse "verhindert werden, dass eine neue Intelligenz sich bildet". Das war ein offener Befehl zum Massenmord.

Die Konsequenz war eindeutig: "Der Kampf wird sich sehr unterscheiden vom Kampf im Westen. Im Osten ist Härte mild für die Zukunft."

Dass irgendeiner der Zuhörer, immerhin durchweg höchste Offiziere mit entsprechendem Selbstbewusstsein und nahezu ausnahmslos aufgewachsen im wilhelminischen Kaiserreich, Widerspruch geäußert hätte, ist nicht überliefert. Sicher wäre jeder, der das gewagt hätte, wohl umgehend seines Postens enthoben worden. Aber hätte es sein Leben gekostet? Eher nicht.

Zutreffend bilanziert der Historiker und Wehrmachtsexperte Johannes Hürter, dass die "Truppenführung des Ostheeres bereit war, sich auf eine in Planung, Durchführung und Ziel wahrhaft radikale Kampagne einzulassen".

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