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Gehaltsstudie Diese Studiengänge zahlen sich richtig aus

Über 64.000 Euro im Jahr verdient der Durchschnittsarzt. Ein Medizinstudium lohnt sich also. Auch wer kein Top-Abitur schafft, kann später richtig Geld scheffeln - alles eine Frage der Fächerwahl.

Sprachen, Architektur oder doch lieber "etwas mit Medien" – für Maja (19) war klar: Nach dem Abitur soll es ein Studium mit Technik sein. Für ein 19-jähriges Mädchen ein eher ungewöhnlicher Berufswunsch. "Die Jobaussichten sind mir wichtig", sagt die Abiturientin aus Stuttgart. "Ich will nicht auf voller Linie in die Arbeitslosigkeit hineinstudieren." Sie liebäugelte mit Lebensmittelchemie, schnupperte in das Wirtschaftsingenieurwesen hinein und entschied sich dann für Informatik. Im Sommer beginnt sie ihr Studium in Berlin.

Eine gute Entscheidung, und lukrativ dazu. Denn Absolventen der Wirtschaftsinformatik können mit einem ordentlichen Einkommen rechnen. Mit einem durchschnittlichen Bruttogehalt von 62.382 Euro im Jahr liegt Wirtschaftsinformatik unter den Studiengängen mit dem höchsten Gehalt auf dem vierten Platz, ergab der Gehaltsreport 2016 der Online-Jobbörse Stepstone, einer Tochter des Medienkonzerns Axel Springer (N24, "Welt", "Bild"). Noch mehr gibt es demnach nur für Absolventen der Ingenieurswissenschaften, Rechtswissenschaften und Medizin.

Weniger lukrativ sind Architektur und Philosophie

Ein Mediziner verdient im Durchschnitt mit 64.100 Euro rund 20.000 Euro mehr als ein Pädagoge, Designer oder Historiker, die am unteren Ende des Gehaltsrankings nach Studiengängen landeten. Für den Gehaltsreport hat Stepstone Ende 2015 die Gehaltsdaten von rund 50.000 Fach- und Führungskräften ausgewertet, die an einer Online-Befragung teilgenommen haben.

Danach liegt das Durchschnittsgehalt aller Fach- und Führungskräfte wie im Vorjahr unverändert bei 52.000 Euro. Im oberen Mittelfeld landen Naturwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften, gefolgt von Psychologie, Politik und dem Lehramt.

Etwas weniger lukrativ sind Architektur, Philosophie und Geisteswissenschaften. "Studieren lohnt sich" – lautet ein Ergebnis des Reports, der bereits zum fünften Mal erscheint. So verdient ein Master im Schnitt 28 Prozent mehr als ein Nichtakademiker.

(Foto: Infografik Die Welt)

Zwei-Klassen-Gesellschaft bei Juristen

Dass Mediziner, Ingenieure und IT-Fachkräfte zu den Top-Verdienern in Deutschland gehören, überrascht nicht. Denn diese Berufsgruppen werden als Erste genannt, wenn in Deutschland vom "Fachkräftemangel" die Rede ist. Auch ganz offiziell fällt es den Arbeitgebern nach der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit in diesen "Mangelberufen" deutlich schwerer, offene Stellen zu besetzen. Etwas überraschend ist dagegen, dass auch Juristen in der Liste der Top-Verdiener auftauchen – erstmals konnten sie sich sogar mit 63.100 Euro auf den zweiten Platz vorschieben. Dabei gibt es einen allgemeinen Mangel an Rechtswissenschaftlern eher nicht.

Experten raten zur differenzierten Betrachtung. "Die Juristen mit Prädikatsexamen können sich die hoch bezahlten Jobs aussuchen", sagt Karin Wilcke, Karriere- und Studienberaterin aus Düsseldorf. Juristen mit Prädikat seien in Ministerien, großen Kanzleien und Unternehmen gefragt. "Doch davon gibt es nur wenige", sagt Wilcke, höchstens 15 Prozent eines Jahrgangs schafften diese Top-Note, die alle Türen öffnet. "Alle, die nur mit einer Drei oder Vier rausgehen, tun sich schwer." Als "Feld-Wald-und-Wiesen-Anwalt", der bei Nachbarschaftsstreitigkeiten und Verkehrsrecht berät, werde man nicht reich.

Es fehlen Lehrer, die bei Mathe und Physik begeistern

Doch bei der Berufswahl ist für junge Leute nicht unbedingt das Geld ausschlaggebend. "Für Jungen schon", sagt Wilcke zwar. Da gebe es schon die Abiturienten, die sagen: "Eigentlich wollte ich Geschichte studieren, aber jetzt mache ich BWL, da verdiene ich mehr." Mädchen gingen eher nach ihren Neigungen.

Wenn es um die Berufswahl geht, ist auch die Karriereberaterin technikbegeistert. Die Nachfrage nach technisch ausgebildeten Fachkräften in einem Industrieland wie Deutschland sei groß – das Angebot allerdings gering. "Es studieren einfach zu wenige die technischen Fächer", klagt Wilcke.

Für die Expertin ist dies eine Folge des hiesigen Bildungssystems: Physik könne leicht abgewählt werden, Mathematik müsse oft nur als Grundkurs besucht werden, beide Fächer gelten als schwierig. Der Mangel an Lehrern, die Begeisterung für Technik bei den Schülern, vor allem bei den Schülerinnen, wecken könnte, sei groß. "Wer Physik studiert, geht als Tüftler ins Labor, und stellt sich nicht vor eine Schulklasse", sagt Wilcke.

Flop-Branchen: Handwerk und Gastronomie

Wer einen Spitzenverdienst will, sollte nach Hessen ziehen und dort bei einer Bank arbeiten und möglichst bei einer ganz großen. Denn im Ländervergleich schafften die Hessen zum vierten Mal in Folge Rang 1 bei den Top-Gehältern, unter den Branchen sind es die Finanzinstitute, vor den Finanzdienstleistern und der Pharmaindustrie.

Und wer in einem Großunternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern arbeitet, kann sich im Schnitt über ein Gehaltsplus von 16 Prozent freuen, verglichen mit dem Kollegen, der den gleichen Job in einer kleinen Firma macht. Zu den Flop-Branchen mit vergleichsweise niedriger Bezahlung gehören danach das Handwerk und die Gastronomie.

(Foto: Infografik Die Welt)

Auch ein Jobwechsel sorgt für ein Gehaltsplus. Dem Report zufolge steigt das Gehalt nach dem ersten Wechsel im Schnitt um elf Prozent, beim zweiten und dritten Wechsel sind es immer noch jeweils fünf Prozent. Besonders häufig wechseln Ärzte und Pfleger sowie Fachkräfte aus dem Vertrieb ihre Arbeitsstelle. Juristen und Ingenieure sind ihrem Arbeitgeber dagegen eher treu – überdurchschnittlich viele von ihnen haben maximal einen Wechsel hinter sich.

"Die Menschen hängen an ihrem Arbeitgeber", sagt Wilcke dazu. "Für viele ist das Ideal immer noch: Ich fange bei einem Arbeitgeber an und bleibe dort mein Leben lang." Gewechselt werde auch eher aus privaten Motiven, etwa weil die Partnerin einen Job in einer anderen Stadt findet, seltener aus Karrieregründen. "Der Berufsaufstieg wird innerhalb der Firma gesucht, nicht außerhalb. Erst wenn das nicht klappt, dann wechselt man."

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