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Zombie-Experte Steven Schlozman "Eine Epidemie ist längst überfällig"

Ob im TV oder im Kino: Zombies sind populärer denn je. Der US-Arzt Steven Schlozman hat die Untoten genauer untersucht. N24.de sprach mit ihm über Zombie-Gehirne, Pandemien - und die Apokalypse.

N24: Herr Schlozman, die TV-Serie "The Walking Dead" ist weltweit erfolgreich, Zombie-Filme wie "Warm Bodies" und "World War Z" locken Millionen Zuschauer an. Was macht die Untoten so populär?

Steven Schlozman: Zombies sind die ultimative Bedrohung. Sie kümmern sich nicht darum, wer ihre Opfer sind. Sie attackieren einfach. Ob es nun jene Person oder die daneben erwischt: Das spielt für Zombies keine Rolle. Jeder Mensch will aber einzigartig sein. Das macht die Untoten so bedrohlich.

Ob Zombies, Aliens oder Maschinen: In den USA gibt es immer mehr "Prepper", die sich auf einen Weltuntergang vorbereiten. Was halten Sie davon?

Die Apokalypse hat in der Menschheitsgeschichte schon immer eine große Rolle gespielt. Viele denken, dass dann ein gar nicht mal so schlechtes Leben beginne. Ohne Arbeit, dafür aber mit einer romantischen Laterne vor der Tür. Nach dem Motto: Weniger ist mehr. Wir Amerikaner sind immer noch von der Grenzmentalität fasziniert, von der Linie, die den damals unerforschten Kontinent von bereits bewohnten Gegenden trennte. Aber diese Zeit war schrecklich. Die Leute wurden nicht alt, harmlose Krankheiten brachten sie um. Heute lassen wir uns von solchen Fantasien verführen. Gegen solche gelegentlichen Träume ist nichts einzuwenden, aber wen wir uns zu sehr einlassen, geraten wir in Schwierigkeiten. 

Müssen wir uns denn auf eine Zombie-Apokalypse vorbereiten?

Nein, das müssen wir nicht. Es wird keine solche Apokalypse geben. Ich mache mir Sorgen, wenn ich lese, dass sich Amerikaner auf so etwas vorbereiten.

Sie haben sich trotzdem mit einer solchen Katastrophe beschäftigt. Wie kam es zu Ihrem Buch "The Zombie Autopsies"?

Es war mehr oder weniger Zufall. 2008 erkrankte meine Frau an Brustkrebs. Es war für mich eine unheimliche Zeit. Nachts konnte ich nicht schlafen, ich schaute daher oft Fernsehen. Eines Tages sah ich den Zombie-Klassiker "Die Nacht der lebenden Toten" von George Romero aus dem Jahr 1968. Ich dachte über diese Wesen nach. Ich fragte mich: Woran sind sie eigentlich erkrankt? Ich setzte mich an meinen Rechner und schrieb eine hypothetische Abhandlung über Zombies.

Diese veröffentlichten Sie zunächst im Internet.

Dort löste der Text zahlreiche Diskussionen aus. Er verbreitete sich weiter, ich bekam sogar Einladungen, öffentlich darüber zu sprechen. Irgendwann rief mich dann ein Mitarbeiter des Verlags Grand Central Publishing an, der mich fragte, ob ich mir nicht vorstellen könnte, ein Buch daraus zu machen.

In "The Zombie Autopsies" geht es um drei UN-Wissenschaftler, die gegen eine Apokalypse kämpfen. 

Die Zombies in meinem Buch leiden an ANSDS, an einer neurodegenerativen Hunger-Ataxie. Der Frontallappen in ihrem Gehirn ist beschädigt, so dass sie sich nur noch von ihren ursprünglichen Trieben wie beispielsweise Wut und Hunger treiben lassen. Das ist auch der Grund, warum sie ständig Lust auf Fleisch haben. Sie essen und essen – und werden doch nie satt.

Gibt es für Sie denn eine Heilungsmöglichkeit?

Die medizinischen Entdeckungen von einem dieser Wissenschaftler stehen im Zentrum des Romans. Über Umwege kommt die UNO an das Buch und muss versuchen, Schlüsse daraus zu ziehen. Am Ende gebe ich einen Hinweis auf eine mögliche Heilung. Ich arbeite zurzeit an einer Fortsetzung der "Zombie Autopsies", in der ich diese Heilungsmöglichkeit näher erklären werde.

Sie bezeichnen einen Virus als wahrscheinlichste Grundlage für eine Apokalypse. 

Ich gehe nicht davon aus, dass es je einen Virus gibt, der Menschen so verändern kann, dass sie sich in Zombies verwandeln. In meinem Buch benutze ich einen solchen Virus, doch das ist pure Science-Fiction. Was feststeht: Die Menschheit ist immer wieder von weltweiten Pandemien heimgesucht worden, die nächste kommt ganz bestimmt. Aus wissenschaftlicher Sicht ist eine solche virale Epidemie längst überfällig.

Welche Folgen könnte eine solche Epidemie haben?

Sie wird unsere gesellschaftlichen und sozialen Strukturen stark beschädigen. Ich glaube aber, dass die Menschheit nicht daran zugrunde gehen wird. Vor allem die westliche Welt hat sich nach dem SARS-Ausbruch vorbereitet. Trotzdem bleiben solche Viren in einer globalisierten Welt eine große Gefahr.

Die Art, wie Zombies im TV und im Kino für Angst und Schrecken sorgen, hat sich verändert. Sie sind schneller und aggressiver geworden. Warum ist das so?

Ich persönlich finde ja die langsamen Zombies unheimlicher. Attackieren sie schnell und aggressiv, reagieren die Opfer immer auf die gleiche Art: Sie rennen davon. Taucht aber aus dem nebligen Wald ein Zombie auf, langsam und schleichend, ist das viel spannender. Die Menschen überlegen, was sie tun sollen, wie sie sich und ihre Nächsten retten können. Zögern sie, ist es oft zu spät. Diese Unsicherheit macht eine solche Situation so spannend.

Und was ist realistischer?

Die langsamen Zombies sind aus wissenschaftlicher Sicht realistischer. Es ist schwer vorstellbar, dass eine Infektion oder ein Virus die Menschen schneller werden lässt. Es ist ja auch im Alltag so: Wenn man krank ist, verlangsamen sich die Bewegungen.

Warum jagen Zombies überhaupt Menschen? Sie sind bereits tot, sie können nicht mehr verhungern?

Das ist eine viel diskutierte Frage. Ich kenne George Romero, den Regisseur von "Die Nacht der lebenden Toten", gut. Er und andere Akteure aus der Filmbranche sagen, dass gierige Zombies den Film am Laufen halten. Aus wissenschaftlicher Sicht können die Toten nicht wieder lebendig werden. Das ist unmöglich. In meinem Buch schreibe ich daher, dass die UN die Zombies lediglich für tot erklärt hat. 

Romero hat für die "Zombie Autopsies“ bereits ein Drehbuch geschrieben. Wie sieht es mit einem Film aus?

Ich hoffe, dass es klappt. George hat ein tolles Skript geschrieben, an dem ich sogar mitarbeiten durfte. Nun müssen die Studios entscheiden, wie es weitergeht.

Die besten Zombie-Filme aller Zeiten finden Sie hier

Was passiert mit einem Menschen, der von einem Zombie gebissen wurde?

In gehe von verschiedene Phasen aus. Der Autor Max Brooks, der "World War Z“ und den "Zombie Survival Guide" geschrieben hat, sieht das ähnlich. Wir beschreiben einen langsamen Verlauf, bei dem die höheren Gehirnfunktionen der Reihe nach ausfallen. Die Menschen fangen an, sich langsamer zu bewegen. All das sind Folgen des Virus, der sich im Körper ausbreitet.

Vor einigen Wochen tauchte in den USA eine neue Horror-Droge auf. "Krokodil" frisst die Haut der Abhängigen quasi auf. Macht eine solche Droge einen Zombie-Virus wahrscheinlicher?

Diese Droge ist wirklich schrecklich. Ich würde in diesem Zusammenhang aber nicht von einem potenziellen Virus sprechen. Die Menschen entwickeln solche Drogen seit Jahrzehnten, seit sie die technischen Möglichkeiten dafür haben. Wir haben es hier letztlich mit einem zerstörerischen Heroin-Ersatzmittel zu tun. Dagegen können wir glücklicherweise medizinisch vorgehen.

Die "Zombie Autopsies" haben Sie landesweit bekannt gemacht. Sie arbeiten weiterhin als Arzt, unter anderem als Kinderpsychologe. Eine ungewöhnliche Kombination.

Das ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. Vor dem ersten Arzttermin suchen Patienten natürlich im Internet nach Informationen. Das ist in meinem Fall genauso. Die Kinder finden das Zombie-Thema cool, die Eltern sind ab und zu skeptisch. Trotzdem ist es so, dass ich den größten Teil meiner Zeit hier am General Hospital als Arzt arbeite. Ich hoffe, dass das mehr Eindruck macht.

Die Frage ist für einen Zombie-Experten unausweichlich. Was sind Ihre drei Lieblingsfilme?

Auf den ersten beiden Plätzen liegen zwei Filme von George Romero: die Originalversion von "Dawn oft the Dead" aus dem Jahr 1978 und "Die Nacht der lebenden Toten", den er zehn Jahre zuvor drehte. Mit letzterem hat George das ganze Genre überhaupt erst gestartet. "28 Days Later" von Danny Boyle kommt auf dem dritten Platz.

Interview: Johannes Altmeyer

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Dr. Steven Schlozman, 47, arbeitet als Psychologe am Massachusetts General Hospital in Boston. Das MGH ist das größte Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät der Harvard-Universität, wo Schlozman als Juniorprofessor lehrt. Im März 2012 erschien sein Buch "The Zombie Autopsies" im Verlag Grand Central Publishing.

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