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Til Schweiger im Interview "Ich sehe die Zukunft in der Tat ziemlich finster"

Nick Tschiller, Helene Fischer und eine Doppelfolge: 2016 beginnt mit viel "Tatort". Im Interview sprechen Til Schweiger und Ferris MC über den IS, Salafisten und die Integration von Flüchtlingen.

Seit drei Jahren kämpft der Hamburger "Tatort"-Kommissar Tschiller, gespielt von Til Schweiger, auf Kino-Actionfilm-Niveau gegen die organisierte Kriminalität. Die erste vom NDR produzierte Folge stellte 2013 mit 12,74 Millionen Zuschauern einen neuen Quotenrekord auf und liefert sich seither mit den Kultermittlern vom "Tatort" Münster (13,13 Millionen Zuschauer) einen spannenden Wettkampf um die "Tatort"-Krone.

Die neue Tschiller-Doppelfolge "Der große Schmerz" mit Helene Fischer in einer Gastrolle als russische Auftragskillerin und Ex-Prostituierte und "Fegefeuer" mit dem Titelsong "Glück ohne Scherben" von Ferris MC, der in der ersten Folge einen russischen Gangster spielt, wird am 1. und 3. Januar ausgestrahlt. Der Sendetermin wurde wegen der Terroranschläge in Paris von der ARD verschoben. Ein Gespräch mit Til Schweiger und Ferris MC über Terrorismus, Filmmusik, Flüchtlinge und die Zukunft des "Tatorts".

Herr Schweiger, Sie haben den Tatort in Deutschland auf ein neues Niveau gehoben. Inwieweit gehört die Musik zum Konzept – und wie kam es zur Zusammenarbeit mit Ferris MC?

Til Schweiger: Auf ein neues Niveau gehoben hat den Tatort Christian Alvart, der Regisseur, das ist sein Verdienst. Es war auch eine Idee von Christian, den Ferris zu besetzen. Er stimmt das dann mit mir ab – und wir waren uns sofort einig, weil ich finde, dass Ferris einfach eine unbezahlbare Fresse hat.

Wie lief denn Ihre Zusammenarbeit beim Drehen?

Schweiger: Wir hatten nur zwei Szenen, einmal die Folterszene, in der Ferris mir die Hand absägen will, einmal im Krankenhaus. Der zweite Drehtag im Krankenhaus lief ziemlich scheiße, weil es arschkalt war. Das war in einem Hochhaus, da herrschten gefühlt minus 20 Grad.

Ferris MC: Ich war natürlich nervös. Ich wollte niemanden enttäuschen, hatte auch 'ne Vision, wie ich die Rolle ansetzte, so mit einem leichten Akzent. Ich hatte erst Befürchtungen, ob Christian das gutheißen wird, aber es ging dann ja alles okay.

Sie wirken beide völlig entspannt, trotz der vielen Arbeit, trotz Ihres Erfolgs, wie gelingt es Ihnen, diesen Normalzustand zu bewahren, der wiederum das Fundament für die erfolgreiche künstlerische Arbeit ist?

Ferris MC: Jeder von uns hat einen Haufen Lebenserfahrung. Ich weiß ja nicht, wie es bei Til jetzt ist, aber meine Höhenflüge hab ich mit Mitte 20 abgefeiert und dann war's auch gut. Wichtig ist auch, dass man mal Misserfolge hat, damit man das zu schätzen weiß, wenn man mal wieder was erreicht.

Schweiger: Ich hatte eigentlich nie einen Höhenflug, hab nie gedacht "Ich bin jetzt der König". Ich hab immer nur versucht, das, was ich mache, so gut wie möglich zu machen. Ich glaub, ich bin so auf die Welt gekommen.

Ferris MC: Man muss auch im Höhenflug unterscheiden können, ob man sich wie ein Arschloch verhält oder nicht.

Schweiger: Ich weiß noch, wie Bernd Eichinger bei meinem ersten eigenen Film, "Knockin' on Heaven's Door", der ja megaerfolgreich war, gesagt hat: Feier das, nimm dir die Zeit, das zu genießen. Du wirst es noch erleben, dass du mit demselben Elan Filmwerke erschaffst, die nicht denselben Erfolg haben. Und ich wusste, was er meint, hab's aber trotzdem nicht getan, sondern direkt den nächsten Film gemacht und gemerkt, das ist ja gar nicht so leicht. Als dann der nächste große Hit kam, hatte ich die Lektion gelernt und hab erst mal gefeiert.

Ihre nächste Feier ist ja von der ARD verschoben worden, der Doppel-"Tatort" wird wegen der Terroranschläge in Paris erst jetzt gezeigt.

Schweiger: Meiner Meinung nach hat man mit der Verschiebung sogar den gegenteiligen Effekt, weil es auch hier bei uns genug Leute gibt, die mit der Organisation IS sympathisieren und auch mit denen im Austausch stehen. Das Erste, was die da runterfunken, ist: "Hey, die haben sogar ihr Fernsehprogramm wegen uns verändert, obwohl der Anschlag nicht in Hamburg, sondern in Paris war. Das ist toll, das zeigt doch, dass unser Terror funktioniert." Die ARD hat die Sendung wegen dem vierten Teil verschoben, weil es da eine Situation gibt, die an die Anschläge von Paris erinnern könnte. Ich hab's nicht verstanden, weil es bei uns ein verbrecherischer Akt ist, kein terroristischer.

Ferris MC: Ich bin Tils Meinung: Man hätte es nicht verschieben sollen. Man sollte Fiktion und Realität weiterhin auseinanderhalten können.

Sie haben die Sympathisanten erwähnt, die der IS in Deutschland hat, nun kommen Flüchtlinge in großer Zahl, muss das Land seine Integrationsleistung aus Ihrer Sicht verbessern?

Ferris MC: Das liegt in der Hand und der Verantwortung der Politik, die Hilfen zu verbessern und die Flüchtlingshilfe besser zu koordinieren. Wir haben mit Deichkind T-Shirts bedruckt und leiten den Gewinn an Pro Asyl weiter. Til macht ja auch schon ohne Ende, hat gerade seine Stiftung für Flüchtlingshilfe gegründet.

Der "Tatort" zeichnet ein finsteres Bild der gut vernetzten Kriminalität in der globalisierten Welt, wie sind aus Ihrer Sicht die Zukunftsaussichten?

Schweiger: Ich sehe die Zukunft in der Tat ziemlich finster. Natürlich müssen wir die Menschen, die hier sind, so gut es geht integrieren, denn wenn wir sie nicht integrieren, dann haben wir hier eine große Menge von Menschen, die anfällig sind für genau die Leute, vor denen sie fliehen.

Sie meinen die Salafisten?

Schweiger: Ich verstehe nicht, warum hier Moscheen, in denen Hassprediger auftreten, nicht zugemacht werden und warum diese Hassprediger nicht abgeschoben werden. Ich weiß, dass das ob des Grundgesetzes nicht möglich ist, aber warum schützt unser Grundgesetz die Menschen, die es nicht achten?

Schaffen wir das, Herr Schweiger?

Sehen Sie Parallelen zu Frankreich?

Schweiger: Frankreich hat bei der Integrationspolitik ziemlich viel Mist gebaut. Dabei haben die Franzosen eine hohe Verantwortung, weil sie sehr viel Schaden angerichtet haben in ihren "Kolonien" in Afrika, zum Beispiel in Algerien. Das Ergebnis sehen wir jetzt in ihren Banlieues. Dort gibt es eine Parallelgesellschaft, die wir ja zum Teil auch haben in Berlin, Hamburg oder Bremen. Aber die Menschen, vor allem die Kinder, die vor Krieg und Terror fliehen, denen müssen wir eine Perspektive geben, das ist unsere Pflicht.

Glauben Sie, wir schaffen das?

Schweiger: Keine Ahnung, aber wir haben keine Wahl. Wenn man ein bisschen nachdenkt, weiß man ja, dass noch mehr Flüchtlinge kommen werden. Die Erderwärmung wird sich fortsetzen, das Wasser wird knapp. Da hilft auch kein Zaun. Wir Deutschen würden auch dorthin gehen, wo es Frieden und Wasser gäbe. Natürlich muss man erst mal den Krieg in Syrien beenden, aber wie das geht, wissen ja nicht mal die Experten. Man guckt da fassungslos zu.

Meinen Sie die recht hilflos wirkenden Versuche, das Problem vor Ort zu lösen?

Schweiger: Wir geben jetzt Milliarden in die Türkei, obwohl der türkische Präsident Erdo?an die Kurden nicht durchlässt, um gegen den IS zu kämpfen, aber IS-Anhänger kommen problemlos durch nach Syrien. Er führt Krieg gegen die Kurden, obwohl die die Einzigen sind, die dem IS die Stirn bieten. Wir liefern diesen Kurden, weil wir das anerkennen, Waffen. Und jetzt ist diese Türkei unser Verbündeter? Saudi-Arabien auch. Wenn ich so lese, was der BND über die berichtet, verliere ich meine letzte Hoffnung. Na ja, wir haben wenigstens beim Irakkrieg Nein gesagt, darauf kann Deutschland stolz sein, denn der verlogene Irakkrieg ist ein Hauptgrund für die Katastrophe, die wir jetzt haben.

Ferris MC: Wie man den Kreislauf durchbrechen soll, ist die Frage, wie biegt man gerade, was vor Jahrzehnten verbockt wurde? Wie greift man die Wurzel des Bösen?

Glück an der Säge: Ferris MC spielt nicht nur im neuen "Tatort" mit, sondern hat auch Musik dafür geschrieben. (Foto: NDR/Gordon Timpen)

Zu dieser Frage passt Ihr Song "Glück ohne Scherben", der ja auch eine finstere Welt gegen diese Hoffnungszeile stellt und der Titelsong des vierten Tatorts "Fegefeuer" ist. Was bedeutet das für Sie persönlich, Glück ohne Scherben?

Ferris MC: Der Songtext war ja gar nicht auf die jetzige Situation gemünzt, als ich ihn geschrieben habe, überhaupt nicht. Der war ja auf mein Leben gemünzt. Das ist natürlich krass, dass so ein Song mit solchen Situationen eine ganz andere Kraft, eine ganz andere Aussage gewinnen kann.

Herr Schweiger, brauchen Sie den harten Typen im "Tatort" als Ausgleich für die Kinokomödien?

Schweiger: Also ich persönlich lache sehr gerne und mag besonders Filme, die mich auf mehreren Ebenen berühren, die mich emotional stimulieren und mich für zwei Stunden aus dem Alltag entführen. Es gibt so viele Filme, da hab ich nach fünf Minuten keinen Bock mehr weiterzugucken.

Ferris MC: Speziell deutsche Filme?

Schweiger: Nö, auch bei anderen, aber die Deutschen sind da schon Marktführer.

Ferris MC: Ich bin Thrillerfan. Aber der deutsche Markt ist einfach zu klein.

Schweiger: Erzähl das mal einem Isländer. Kriegs- und Actionfilme haben, das hängt mit unserer Vergangenheit zusammen, die schwächsten Zuschauerzahlen im deutschen Kino. Dazu gibt es bei uns eine Übersättigung mit Krimis im Fernsehen. Jedes Wochenende ein neuer "Tatort", jeden zweiten Tag eine "Tatort"-Wiederholung und dann noch alle anderen Krimis, von "Der Kommissar" bis "Bella Block". Außerdem ist Deutschland das kinofaulste Land auf der Welt. Wir gucken immer voller Neid nach Frankreich. Im laufenden Jahr hatten die fünf französische Filme mit jeweils über fünf Millionen Zuschauern, wenn wir einen im Jahr haben, ist das schon eine Sensation.

Liegt das nicht auch daran, dass in Deutschland im Gegensatz zu Frankreich und England die guten Drehbuchautoren fehlen?

Schweiger: Ja, das ist ein großes Manko. Wir waren zwar noch nie so gut aufgestellt bei Schauspielern wie jetzt, gerade die jungen werden immer besser, das hängt meiner Meinung nach auch mit der Migration zusammen, weil die Ausländer ein viel physischeres Schauspiel nach Deutschland gebracht haben. Wir haben auch viele tolle Regisseure und Kameramänner, aber uns fehlen die Autoren. Zumindest die, die Comedy schreiben können.

Spielen Sie lieber einen Kommissar wie Nick Tschiller oder einen Killer?

Schweiger: (lacht) Ich spiel lieber den Tschiller als den Killer. Und ich hab ja schon ein paar Killer gespielt, aber immer nur in amerikanischen Filmen, da kriegst du immer nur die Bösen.

Geht's weiter mit dem Tschiller-"Tatort" und haben Sie höhere Budgets in Aussicht?

Schweiger: Es ist ja nicht so, dass der NDR am Hungertuch nagt, aber mehr Geld wird's für den "Tatort" nicht geben. Das finde ich schade, denn der "Tatort" ist das Flaggschiff der ARD. Ich hab für noch einmal vier Folgen unterschrieben, eine davon ist dann schon der Kino-"Tatort". Wir haben uns aber noch nicht beraten, wer der neue Feind ist, den es zu bekämpfen gilt.

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