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Thorsten Legat im Dschungelcamp 2016 Diese Fähigkeit macht ihn unbezahlbar

Fußball-Kultfigur Thorsten Legat zieht ins Dschungelcamp. Die Verpflichtung des Sprachakrobaten aus dem Ruhrpott ist ein echter Coup. Denn er hat etwas Unbezahlbares, das gnadenlos ist.

Langsam hat Thorsten Legat die Faxen dicke. "Was heißt hier immer Dschungelcamp?", bölkt er und schnaubt dabei wie ein australischer Wasserbüffel: "Meine Kinder kichern schon und meine Frau guckt ganz komisch, weil hier alle immer nur vom Dschungelcamp reden." Auf den Geist gehe ihm das Gerede von diesem Dschungelcamp, aber mal richtig: "Ich bin nicht dabei. Ich ruf die von RTL morgen an und frag, was da los ist." Und überhaupt: "Wenn ein Thorsten Legat ins Dschungelcamp geht, dann gibt das ein Thorsten Legat auch bekannt", faucht der 47-Jährige.

Kultkicker mit Spaß-Garantie

Es war eine bemerkenswerte schauspielerische Leistung, die "ein Thorsten Legat" da hinlegte, vergangene Woche. Denn dass der Ex-Fußballprofi in den Fernsehdschungel einziehen wird, steht lange fest. Legat geht als vierter Fußballer nach dem früheren Nationaltorwart Eike Immel, Jimmy Hartwig und Ailton nach Australien, um sich beim Verzehren von Känguru-Hoden oder bei Mutproben zu beweisen. Vom 15. Januar an bezieht er neben anderen B-Promis wie Gunter Gabriel, Brigitte Nielsen und Rolf Zacher Stellung an der Ekelfront. Die Wahl ist brillant.

RTL hat den Zuschauern mit Legat eine Spaß-Garantie eingekauft. Denn dieser Mann mit dem kantigen Kiefer ist Kult; ist er immer schon gewesen, aber heute ist er es mehr denn je. Der Grund ist eine Pressekonferenz, die er zum Einstand als Trainer des Landesligisten FC Remscheid Ende September gab. Sie war an unfreiwilliger Komik nicht zu toppen. Allein, dass er seinen Klub beharrlich "FC Reeemscheid" nannte, obwohl die Remscheider traditionell viel Wert auf das kurze E im Ortsnamen legen, sorgte für Lacher.

Legat stolperte mit einer inbrünstigen Verbissenheit durch die deutsche Sprache, dass es fast wie einstudiert wirkte. "Für mich war mein größter Traum, einmal für den FC Reeemscheid Trainer sein zu dürfen. Das ist jetzt eingetroffen, nichtsdestotrotz freue ich mich darauf", ließ er wissen. Immerhin habe die Mannschaft "genug Kapital", den Klassenerhalt zu schaffen, seine Spieler müssten nur hart zu sich selbst sein: "Wenn die Leute meinen, sie müssen aufhören, nur weil sie den Finger gebrochen haben am Finger – Fußball spielen kann jeder." Wie einst Heinz Erhard ("Oh, all die schönen Apfelmusen und Pampelsinen") verdrehte er konsequent Silben und Floskeln zu einem grotesken Sprachbrei.

Muskel-Sixpack allererster Güteklasse

Es ist einfach, sich über Legats Verbalpogo lustig zu machen. Doch der frühere Mittelfeldspieler hat etwas Unbezahlbares: seine gnadenlose Authentizität. Einen markanteren Ruhrpott-Proleten gab nicht einmal Ralf Richter als Kalle Grabowski in der Komödie "Bang Boom Bang". Wie er denn zum Bodybuilding gekommen sei, ist Legat mal gefragt worden, nachdem er als Profi stolz ein Muskel-Sixpack allererster Güteklasse vorgezeigt hatte: "Immer die Castroper Straße rauf", hatte Legat geantwortet. Und das mit so unbewegter Miene, dass zu befürchten war, er meinte es tatsächlich ernst. Als er zum VfB Stuttgart wechselte, ließ er wissen: "Spätzle habe ich noch nicht probiert, aber im Allgemeinen mag ich Geflügel."

Vor seinen Grätschen als aktiver Kicker war niemand sicher – ebenso wenig vor seinen Streichen. Das Schalker Mannschaftsfoto des Jahres 2000 musste wiederholt werden, weil sich beim Betrachten der Abzüge herausstellte, dass Legat sich die Hose bis unter die Achseln hochgezogen hatte. Zwei Teamkollegen hatte ihm jeweils 1000 Mark für den Scherz geboten. "Ich wäre ja blöd gewesen, wenn ich das nicht gemacht hätte", erinnert sich Legat. Blöder war nur, dass er von Manager Rudi Assauer zu 10.000 Mark Geldstrafe verdonnert wurde.

Kurz vor der Saison 2000/2001 kam Thorsten Legat (zweite Reihe von vorn, 6. v. l.) eine Wette teuer zu stehen. Weil er auf dem Teamfoto von Schalke 04 die Hose zu weit hoch gezogen hatte, musste er eine Strafe von 10.000 Mark Strafe zahlen.... (Foto: picture alliance / augenklick/fi)

Hinter Legats rotziger Attitüde steckt ein schweres Schicksal. "Ich bin ein Straßenjunge", sagt er, halb trotzig, halb stolz. Als "asozial" und "Penner" sei er – ein Kind aus einfachsten Verhältnissen – früher beschimpft worden. Legat hat schon früh erfahren müssen, wie sich Hass anfühlt. "Ich bin mein Leben lang eine Figur gewesen, von der man sagt: 'Der ist nicht normal'. Ich stehe außen vor, immer noch", sagte er 2007 dem "Spiegel".

In seiner Autobiographie "Wenn das Leben foul spielt" erzählt er von seinem gewalttätigen Vater: "Mehr als einmal musste ich mitansehen, wie er zuerst meine Mutter und dann einen meiner Brüder windelweich schlug. Anschließend war ich an der Reihe. Er war einfach nur ein mieses Schwein." Auch von sexuellem Missbrauch berichtet er. Und gesteht: "Ich wünschte meinem Vater den Tod."

Rambo aus dem Revier

Wer weiß, was aus ihm geworden wäre, wenn ihn in jungen Jahren beim VfL Bochum nicht Fußballlehrer Hermann Gerland unter die Fittiche genommen hätte. Der heutige Cotrainer des FC Bayern, ein Bochumer Urgestein wie Legat, hat dem Talent am Anfang der Zusammenarbeit eins klargemacht: "Wenn Du nicht wieder zurück auf die Straße willst, dann musst du kämpfen, kämpfen, kämpfen."

Genau das tat Legat. Er war hart, gegen sich und gegen andere. Er wisse nicht, was ohne Gerland aus ihm geworden wäre, sagt Legat: "Der ist mein absolutes Vorbild. Der kommt aus den gleichen Verhältnissen wie ich." Ein anderer Streetworker des Fußballs, Otto Rehhagel, stand ebenfalls auf den "Rambo" aus dem Revier. Beim SV Werder verbrachte Legat seine erfolgreichste Zeit, wurde Anfang der 90er Jahre Europapokalsieger der Pokalsieger, Deutscher Meister und holte mit den Bremern den DFB-Pokal.

Thorsten Legat (r., hier im Trikot von Werder Bremen) war resolut in den Zweikämpfen. Das bekam einst auch der frühere Stuttgarter Stürmer Maurizio Gaudino (l.) zu spüren. (Foto: picture alliance / augenklick/fi)

Legat mag auf und abseits des Platzes den Charme einer Kreissäge versprüht haben mit seinem Muckibody und dem Mackergehabe, doch im Herzen ist er wachsweich. Die Gemeinschaft einer Mannschaft gab ihm immer Halt. Schwer wurde es, als er 2001 wegen Sportinvalidität seine Karriere beenden musste. Er fiel in ein Loch, das Selbstwertgefühl sackte in den Keller. "Für mich gab es nur eins: Fußball, Fußball, Fußball", sagt Legat.

Ohne Ball fehlte was. Er begann zu trinken, seine Ehe kriselte, er prügelte sich. Als ihn 2007 auf einem Parkplatz eine Gruppe Jugendlicher anmachte, holte er ein Samurai-Schwert aus dem Kofferraum seines Wagens und ließ die Bengel flitzen. Warum er ein Schwert im Auto habe, wollte der Richter wissen, nachdem die verschreckten Halbwüchsigen ihn verklagt hatten. Es sei ein Familienerbstück, gab Legat zu Protokoll.

Er hat die Lebenskrise gemeistert. Seine Familie sei für ihn ein großer Rückhalt gewesen, sagt er, Gattin Alexandra und seine beiden Söhne. Und der Einstieg in den Trainerjob. In Remscheid jedenfalls ticken die Uhren anders, seit Legat da ist. Wobei er das schöner formulieren kann: "Ich kann in den Köpfen der Spieler eins sagen: Dass sich andere Zeiten hier in Remscheid ändern." In der Tat führt Legat seit Amtsantritt eine Frontalattacke auf die Gemütlichkeit der Hobbykicker durch. Mit seiner Zwischenbilanz ist er nicht unzufrieden. "Hier ist doch früher gar nicht richtig trainiert worden", sagt er, "aber ich bin jetzt neun Wochen dabei. Hier ist jetzt ein anderes Gesicht, ein anderer Geist."

An die Veredelung seiner Arbeit will er nach dem Dschungelcamp arbeiten, dann will er für den Klassenerhalt alle Register ziehen. "Sehen Sie sich den Thomas Müller an. Der ist dünn, nicht tätowiert, macht Späße, aber gibt immer Gas", sagt er, selbst ziemlich tätowiert und wenig dünn. So jemand sei ein Vorbild, nicht die vielen anderen Profis, die er nicht beim Namen nennen will.

"Ich hatte echt Angst"

Die, die nur "dicke Karren", "viel Geld" und "Frauen" im Kopf haben, oder "am besten gleich einen Harem". Vielleicht, sagt Legat, werde er einmal eine Frauenmannschaft zum Training seiner Jungs einladen. Warum? "Viele von denen haben mehr Eier." Im übertragenen Sinn natürlich, fügt Legat schnell an und lacht. Ein Motto für die Rückrunde hat er sich auch schon ausgedacht: "Das volle Ruhrpott-Programm".

Aber erst mal: Dschungelcamp. Es ist nicht das erste Mal, dass es Legat in trashige TV-Formate zieht. In "Hell's Kitchen", einem Kochduell für B- und C-Promis, hat er mitgemacht ("Ob ich mir eine Fingerkuppe abschneide, ist egal – Hauptsache, ich gewinne"). Und natürlich beim Promiboxen. Sein Auftritt gegen den Rapper Trooper Da Don war bizarr. Legat stand derartig unter Adrenalin, dass er wie ein wildes Tier wirkte. Beim Interview im Ring riss er die Augen weit auf, zog Grimassen und schrie in die Kamera ("Den hol ich mir"). Moderatorin Andrea Kaiser fürchtete sich: "Ich hatte echt Angst." Dr. Bob sollte sich warm anziehen...

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