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Ehrlich Brothers "Wir haben einen Lkw komplett mit Haarspray"

Die Ehrlich Brothers haben als Magier bereits Hunderttausende Menschen begeistert. Im Interview verraten sie, wie sie zu ihrem Namen kamen und was David Copperfield von ihnen wollte.

Sie verbiegen Bahnschienen mit bloßen Händen, lassen blitzschnell Bäume wachsen und fahren mit einem Motorrad aus einem überdimensionalen Tablet heraus. Andreas Reinelt, 38, und sein Bruder Chris, 33, stammen aus Ostwestfalen. Sie zauberten bereits als Jugendliche, begannen Mathematik und Sport (Andreas) und Anglistik und Romanistik (Christian) zu studieren. Zunächst traten sie getrennt solo bei Veranstaltungen auf, bevor sie sich 2000 zusammentaten, ab 2004 als Ehrlich Brothers. Mehr als 600.000 Menschen haben die aktuelle Show inzwischen gesehen. Wir haben die Magier nach ihrem Auftritt in Berlin getroffen.

Wie zum Teufel kommt man mit einem Motorrad in ein Tablet?

Andreas Reinelt: Mit Magie natürlich! Ehrlich.

Wieso eigentlich Ehrlich. Es hätte doch sicher einen Namen gegeben, der zauberhafter klingt.

Chris Reinelt: Das stimmt. Aber früher sind wir getrennt voneinander aufgetreten, als "Chris Joker" und "Andy McJoy". Das klang uns irgendwann zu sehr nach Las Vegas.

Andreas: Außerdem hat ein Freund mal zu mir gesagt, "Andy McJoy" klinge wie ein Vibrator. Da wusste ich: Ich muss den Namen loswerden. Die Wahl fiel dann auf "Ehrlich", weil wir offen damit umgehen, dass wir nichts Übernatürliches vollbringen, sondern mit Illusion arbeiten.

Gibt es denn wirklich Leute, die glauben, Sie hätten übernatürliche Kräfte?

Andreas: Ja! Teilweise dachten Leute wirklich, wir könnten sie von ihren Krankheiten heilen. Das wollten wir vermeiden. Wir sind Showkünstler.

Wird man komisch angeschaut, wenn man in Las Vegas als Showkünstler vorspricht und sagt, man kommt aus Bünde?

Andreas: Die Frage hat sich nie gestellt. Wir waren tatsächlich da, mit einem Stapel Bewerbungsmappen. Aber als wir ankamen, haben wir schnell gemerkt, das ist nicht unsere Welt.

Chris: Und dann sind wir zurück nach Hause und dachten: "Ist das schön hier!" Bünde ist unser Rückzugsort.

Früher traten sie getrennt als "Chris Joker" und "Andy McJoy" auf, heute stehen Andreas (r.) und Chris Reinelt als Ehrlich Brothers gemeinsam auf der Bühne. (Foto: Ralph Larmann)

Haben die Nachbarn in Bünde die Ambitionen nicht belächelt?

Andreas: Das war ein Prozess. Es ist gewachsen. Ich habe mit acht Jahren angefangen, bin im Altersheim aufgetreten oder bei Firmenfeiern. Es wurde Jahr für Jahr mehr. Irgendwann hatte ich doppelte Anfragen, und da habe ich gesagt: "Ich habe da jemanden, der kostet nur die Hälfte, ist aber auch nur halb so gut" … (beide lachen)

Chris: … und dann war ich im Geschäft.

Haben Ihre Eltern nicht gesagt: "Kinder, macht doch was Solides?"

Andreas: Doch, klar. Unser Vater hat speziell mich, weil ich eben der Ältere bin, ganz oft zur Seite genommen. Allerdings hat er auch irgendwann gemerkt, dass es nichts bringt. Aber sie haben ja gesehen, dass es ganz gut lief und wir auch davon leben konnten.

Chris: Ja, und irgendwann haben wir beide unser Studium abgebrochen, um uns ganz der Magie zu widmen.

Mögen Sie die Fragen, oder muss ich Angst haben, dass Sie mich verschwinden lassen?

Andreas: Die Fragen sind super. Aber Vorsicht, wir können Menschen verschwinden lassen!

Chris: Wir haben gerade eine Nummer für unser neues Programm erarbeitet. Da werden wir Menschen teleportieren. Aber das funktioniert nur mit Schwiegermüttern! Man kann uns da auch gerne Empfehlungen aussprechen.

Andreas: Was man aber noch sagen muss: Sie tauchen wieder auf.

Chris: Na ja, kommt auf das Angebot an. (lacht)

Andreas, Sie sind verheiratet. Was sagt denn eine Frau, wenn man sie kennenlernt und man erklärt ihr, dass man sein Geld als Zauberer verdient? Hatte sie nicht Angst, dass sie zersägt wird?

Andreas: Nein, in meinem Fall nicht. Wir kennen uns schon 15 Jahre. Sie hat da ja noch viel von den Anfängen mitbekommen, uns gefahren und die Videoaufnahmen gemacht. Sie ist da mit reingewachsen.

Wie kommt man mit einem Motorrad aus einem iPad? Und vor allem: Wie kam man vorher hinein?. (Foto: Ralph Larmann)

Kann man heutzutage denn überhaupt noch Menschen mit Zauberei begeistern?

Chris: Ja, schon. Ich habe das Gefühl, dass in einer Zeit, wo so viel in 2D und auf Bildschirmen stattfindet, die Menschen gerne auch mal eine solche Show mit allen Sinnen erleben.

Andreas: Ich glaube, dass Menschen immer gerne träumen. Und es ist einfach schön, wenn die Menschen vielleicht etwas leichter und beschwingter nach Hause gehen, als sie gekommen sind.

Wenn ich für Sie arbeiten würde, würden Sie mir verraten, wie man mit einem Motorrad in ein iPad kommt?

Andreas: Ja, klar. Sie müssten aber eine Klausel unterschreiben. Die besagt: Wer petzt, wird erschossen. (lacht)

Chris: Nein, jetzt mal ohne Witz. Das Geheimnis ist natürlich ein wichtiger Teil der Magie, aber eben nicht nur.

Was ist es denn noch?

Chris: Zauberei ist sehr individuell. Es gibt kein Studium. Man muss als Magier seinen eigenen Stil finden. Und bei uns ist es eben vor allem auch das Erschaffen eigener Illusionen, viel Tüftelei und Technik. Das haben wir schon immer so gemacht. Ab in Papas Werkkeller und tüfteln.

Andreas: Und so entstehen unsere Illusionen heute noch. Wir arbeiten sehr lange an einer Nummer, manchmal Jahre.

David Copperfield wollte ja sogar einen der Tricks kaufen.

Chris: Ja, da haben wir lange gehadert. Das war für uns auch völlig verrückt, als er da plötzlich zu Hause auf dem Festnetz anrief. Er wollte zwei Illusionen haben. Aber unser Vater hat dann gesagt: "Wenn der das will, muss es wirklich gut sein, und ihr müsst damit selbst auf Tour gehen." So gesehen ist Copperfield schuld daran, dass wir heute unterwegs sind.

Was würde passieren, wenn Utensilien geklaut werden?

Chris: Das kommt ganz darauf an. Aber das ist wie bei vielen anderen Showproduktionen. Einige Nummern könnten wir wahrscheinlich hinkriegen, aber wir brauchen unsere Hilfsmittel schon.

Andreas: Na ja, wir haben einen Lkw komplett nur mit Haarspray. Wenn der geklaut wird, läuft gar nichts mehr. (lacht)

Was wird, wenn es mal wirklich nicht mehr läuft?

Andreas: Wir haben noch eine Schwester, die hat was Solides gelernt. Sie ist Lehrerin und hat gesagt, sie füttert uns durch. (lacht)

Die aktuelle Tournee "Magie – Träume erleben" dauert bis Ende Mai. Termine unter ehrlich-brothers.com

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