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Jamie-Lee Kriewitz Die erste würdige ESC-Kandidatin seit Lena

Eine Manga-Elfe mit Pandabär und Glitzerbäumen im Haar tritt für Deutschland beim ESC an. Das Verrückteste ist nicht Jamie-Lee Kriewitz' Outfit, sondern wie sehr die 17-Jährige überzeugt.

Was für Gefahren drohten! Welche bisher nicht für möglich gehaltenen Abgründe, Unbilden, was, ja was wenn die Siegerin einfach nochmal Nein gesagt hätte auf der Bühne? Zum Glück hatte Moderatorin Barbara Schöneberger alle Teilnehmer nach eigener Aussage 10.000 mal aufsagen lassen "Ja, ich nehme die Wahl an. Ja, ich nehme die Wahl an".

Und im Moment der Verkündung musste die 17 Jahre alte Jamie-Lee Kriewitz gar nichts mehr rufen. Sie hüpfte einfach in die Höhe, strahlte übers Puppengesicht, wischte mit Leichtigkeit alle schlechten Erinnerungen an den nationalen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) 2015 weg.

"Unser Lied für Stockholm" am Donnerstag Abend in Köln fand ein gutes Ende. Deutschland hat eine ESC-Teilnehmerin, und es ist eine würdige Kandidatin, die vielleicht erste seit Lena.

Als japanische Manga-Elfe mit Pandabärchen auf dem Kopf und Glitzer-Bäumchen im Haar sang Jamie-Lee Kriewitz das Lied "Ghost". Es ist ein moderner Pop-Song mit würdigem Stimmeinsatz, der sowohl die ESC-Tauglichkeitsprüfung besteht als auch eigenständig genug ist, um nicht im tiefen Tal der Wiederholung unter zu gehen.

Ein bisschen Frieden, Part II

Die Schülerin erinnert in ihrer spleenigen Verrücktheit an die Isländerin Björk, und sie hat etwas von der Naivität von Alice im Wunderland. Ein romantisches Mädchen, das auf der Bühne im kurzen, aufgeplusterten Röckchen zwischen dürren Bäumen und Nebelschwaden stand, gar nicht verloren, sondern selbstbewusst und kraftvoll.

Nach all dem Ärger und den Befürchtungen blieb so am Schluss Staunen. Als Kriewitz nach dem Televoting zum dritten Mal "Ghost" sang, waren ein seliges Lächeln auf dem Gesicht und eine Leichtigkeit zu sehen, die, wenn sie es in Stockholm Mitte Mai dergestalt bringen kann, ihr viel internationale Zuneigung sichern könnte. 44,5 Prozent der Zuschauer wählten in der Schlussrunde Kriewitz.

Nah dran war der schwergewichtige Liedermacher Alex Diehl mit der Anti-Terror-Weise "Nur ein Lied", das getrost als "Ein bisschen Frieden, Part II" gelten kann (33,9 Prozent). Dritte wurde die Rockband Avantasia, die für das Lied "Mystery Of A Blood Red Rose" einen großen Schluck aus der Meat-Loaf-Weinbrandverschnitt-Pulle genommen hat (21,6 Prozent).

Alex Diehl hatte eine politische Botschaft. (Foto: dpa)

Erinnerungen an den Eklat mit Xavier Naidoo

An diesem Abend kamen auf leichte Weise viele unangenehmen ESC-Wahrheiten der letzten Zeit auf den Tisch. Schöneberger sang zu Beginn ein paar Zeilen, es ging mit "Dieser Weg wird kein leichter sein / Ohne Xavier müssen wir tapfer sein". Kurz darauf zur Melodie von Nicole: "Ein bisschen siegen, ein bisschen Hoffnung, nicht mehr null Punkte, das wünsch ich mir". Dafür, dass die ARD im vergangenen November den Eklat mit Xavier Naidoo hingelegt hat, waren das hübsche Pointe.

Obwohl aus der Not geboren, geriet die Show ganz ansehnlich und kurzweilig. Schöneberger moderierte gewohnt witzig und geschmackssicher. Zu einem kurzen Ausschnitt von Céline Dion beim ESC 1988 rief sie grimassierend "Oh, damals noch mit dem alten Gesicht!"

Wie immer beim Vorentscheid waren ein paar Heulbojen und bizarre Auftritte mit dabei. Die Mönche von Gregorian traten in der Glitzer-Kutten auf und brummten Unverständliches, bevor sie aus ihren Fingern Laserstrahlen schießen ließen als würden sie gleich das Universum für die dunkle Seite der Macht erobern wollen. Und dann entpuppte sich ein Mönchs-Jüngling als Falsettsänger, was ein wenig an vergangene Eunuchenpraktiken denken ließ.

Ella Endlich im schwarzen BH

Die Schlagersängerin Ella Endlich stellte sich im Einspielfilm als natürliche, lebenslustige junge Frau im VW Käfer vor. Auf der Bühne stand sie dann als Vamp im schwarzen BH und mit einem sehr seltsamen Minirock, die von halbnackten Tänzern umgarnt von "Adrenalin" jauchzte. Der Auftritt sah aus, als wolle Endlich bereits jetzt konsevative ESC-Zuschauer in den Ländern Osteuropas becirzen. Es half wenig.

Nach der Hälfte der Beiträge wurde ESC-Kommentator Peter Urban gefragt, was denn einen Siegertitel ausmache. Antwort: Es muss kribbeln beim Hören, irgend etwas muss sich festsetzen, sei es die Melodie, der Refrain, egal. Davon war vorerst nichts zu hören.

Jamie-Lee Kriewitz trat als neunter Act auf, nach ihr folgte nur noch die 19-jährige Laura Pinski, Schützling des ewigen Ralph Siegel, der es noch einmal zum Song Contest schaffen wollte.

Ralph Siegel schickte die 19-jährige Laura Pinski ins Rennen. (Foto: dpa)

Pinski stand still auf der Bühne, die Schleppe ihres Kleides reichte sternenförmig meterweit um sie herum, und darauf wurden Blumen, Leuchtdingens, Flitter projeziert. Ja, so sinnfrei großkitschig kann ESC sein. Doch das konnte vom altbacken wirkenden Drama-Unfug des Lieds nicht genug ablenken. Aus für Siegel, der sich vor der Verkündungen noch so gerührt und ehrlich angespannt gezeigt hatte.

Abitur-Pläne sind erstmal verschoben

Jamie-Lee Kriewitz stammt aus Springe in der Region Hannover (Nähe zu Lena!). Fünf Jahre lang sang sie in einem Gospelchor, mehr musikalische Vorbildung hat sie nicht. Sie nahm 2015 an der Pro-7-Castingshow "The Voice of Germany" teil. Bei ihren Auftritten trug sie verschiedene Kostüme im Decora-Kei-Stil, inspiriert von japanischen Animes. Sie überzeugte die Juroren Smudo und Michi Beck von den Fantastischen Vier, die sie dann betreuten; auch in Köln waren die zwei Musiker jetzt bei ihr.

Im Dezember gewann Kriewitz schließlich die Show, und ihr Lied war damals schon "Ghost", was ihr nun beim Televoting sicher geholfen hat. Die Abiturpläne sind derzeit verschoben, bis zum Finale in Stockholm Mitte Mai wird viel zu tun sein.

Jamie-Lee Kriewitz ist nicht wie Lena ein bürgerliches Fräuleinwunder, sie kann aber vielleicht ähnlich mitreißend wirken. Erfolg beim ESC hängt stets vom Rückhalt im eigenen Land ab, das könnte ganz gut werden. Sie trug bei ihrem Siegerauftritt Armbänder, auf denen zwei Worte standen. "Und", "los". Gutes Motto.

Und los.

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