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Academy Awards 2016 Die Oscars sind ein Fall für den Psychologen

Ein unsichtbarer Dramaturg hat die Fäden bei der Oscar-Verleihung gezogen. Es war ein Drama bis zum Schluss. Verstehen kann man die Entscheidungen nur mit einem Trick.

Wenn wir uns nicht zu 99,9 Prozent sicher wären, dass bei den Oscars wirklich keiner außer drei Leuten bei einer Wirtschaftsprüferfirma Bescheid weiß, müssten wir bei der 88. Verleihung an eine meisterhafte Inszenierung glauben.

Die Erwartung aller Zuschauer: Es gibt einen Triumph für "The Revenant" mit Leonardo DiCaprio. Dann wird der Favorit in der ersten Hälfte der Veranstaltung regelrecht gedemütigt; wann immer er gegen "Mad Max" bei den Nominierungen antritt, gewinnt der Wüstenkriegerfilm. Dann, im Mittelteil, werden relativ unwichtige Preise an andere Wettbewerber verteilt.

Kurz vor Schluss schließlich die dramatische Wendung: "The Revenant" kehrt mit einem dramatischen Comeback zurück. Alle Leo-Fans sind glücklich, der ersehnte "Beste Hauptdarsteller" gehört ihm. Klassische "Rocky"-Dramaturgie.

Und dann setzt der nicht existierende Dramaturg noch eines drauf: der erneute, tiefe Fall des Favoriten "Revenant". Die wichtigste Trophäe des Abends geht an einen Film, der vorher gar keine Rolle gespielt hatte: das Enthüllungsjournalistendrama "Spotlight" über den Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche. Es war ein Schlusspaukenschlag, wie ihn die Oscars seit Jahren nicht mehr erlebt haben.

Der Januskopf einer jeden medialen Aufregung

Aber zum ersten Mal seit Jahren gab es außer der Preisverteilung noch einen anderen Grund, die Oscars anzusehen: die Minderheitenfrage. Weil Kontroversen immer gut für Quoten sind, hat der Streit um die fehlenden Nominierungen für Afro-Amerikaner dem Oscar eine Aufmerksamkeit eingebracht, die er lange nicht mehr erregt hatte.

Das ist der Januskopf einer jeden medialen Aufregung: Einerseits wird ein reales Problem thematisiert, andererseits profitiert der Problemverursacher. Die Akademie hat mit dem Verhalten eines aufgescheuchten Huhns reagiert und jede nur denkbare Präsentatorenrolle mit einem Schwarzen (wo blieben die Latinos und die Asiaten?) und dem wahrscheinlich frechsten denkbaren Moderator besetzt, dem schwarzen Komiker Chris Rock.

Während der Veranstaltung kursierte im Netz ein Trinkspiel: Die Teilnehmer mussten/durften ein Glas Alkohol für jeden Gag kippen, der dem versammelten Hollywood-Establishment im Saal weh tat. Doch wie viele Gläser waren das wirklich? Der bitterste Gag von Rock richtete sich nicht gegen Hollywood, sondern gegen die Polizei: Anstelle einer Würdigung verstorbener Filmschaffender solle man all die Schwarzen im Bild zeigen, die auf dem Weg in ein Kino erschossen worden seien.

Das heißt nicht, dass Rocks Witze zahnlos gewesen wären wie die seines Vorgängers Neil Patrick Harris im vorigen Jahr, aber keinem im Saal musste ihretwegen das Lachen im Gesicht gefrieren. In bester postmoderner Manier wurde auch die ganze Nominierungsdiskussion bereits in der Show wieder ironisiert, und zwar von dem englischen Komiker Sacha Baron Cohen, der fragte, warum die "kleinen gelben Leute" nicht auch berücksichtigt worden seien – und als alle an Chinesen dachten, setzte er noch eins drauf: "die Minions!"

Um die Preisvergabe zu verstehen, muss man wohl zur Massenpsychologie greifen. Dass der cinematografisch überragende "Revenant" den "Besten Film" an den spannenden, aber filmisch unaufregenden "Spotlight" verlor, hat wohl mit dem in den letzten Wochen enorm gewachsenen öffentlichen Druck zu tun, für "Revenant" zu stimmen – ein Film, dessen Brillanz jeder anerkennt, der aber von längst nicht allen gemocht wird.

Am Ende war es ein Kompromiss

Der Kompromiss für viele der 6000 Wähler der Academy dürfte gewesen sein, dem Regisseur und dem Hauptdarsteller ihre unvermeidlichen Preise zu geben, aber einen anderen Film zu krönen. Die Schwarmintelligenz hat sich in diesem Fall so kompromisslerisch wie eine Jury benommen - und sie lag falsch, wie in vielen Fällen in 88 Oscar-Jahren, in denen der überragende Film den Hauptpreis nicht erhielt.

In vielen anderen Kategorien kann man die Wähler aber nur beglückwünschen. Zum Beispiel, dass sie Sylvester Stallone den Gnaden-Oscar für "Creed" verweigerte, obwohl er - altgewordener Heros – einfach dran zu sein schien; die beste Nebenrolle ging völlig verdient an den Briten Mark Rylance aus "Bridge of Spies". Oder die beste Hauptdarstellerin Brie Larson, die bis zu ihrer Rolle in "Room" praktisch unbekannt war. Oder der Segen von sechs Oscars in Nebenkategorien, der über "Mad Max" herunter ging. Und ja, Ennio Morricone, der in bald 60 Jahren 525 Filme komponiert hat, war für seine Musik zu "The Hateful Eight" wirklich dran.

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