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"Batman v Superman" Als Blockbuster geplant, als Witz geendet

Batman und Superman: Noch nie waren beide DC-Superhelden gemeinsam auf der Leinwand zu sehen. Diese Zeiten sind vorbei. Leider. "Batman v Superman" ist ein grausam schlechter Film geworden.

Es soll ja immer noch Leute geben, die Superhelden-Comics für Kinderkram halten. Für banal, albern, brutal, geschichtslos. Daran stimmt die Hälfte, und die Hälfte ist furchtbar falsch, ungefähr so wie das Drehbuch von "Batman v Superman: Dawn of Justice", eine als Realfilm getarnte Animation, in dem die beiden größten Stars des Genres miteinander im Clinch liegen. Unter Schichten um Schichten aus computergenerierten Bewegtbildern steckt irgendwo Ben Affleck, angeblich. Doch das menschliche Moment liegt woanders.

Betrachten wir einen Moment Wonder Woman. Hierzulande kennt kein Mensch die Dame, Amazonenprinzessin mit Nazi-Phobie und einem Lasso, das nicht nur ausgezeichnete Wurfeigenschaften besitzt, sondern auch Gefesselte zwingt, die Wahrheit zu sagen. Die ebenfalls höchstens halb bekannte Gal Gadot ("The Fast and the Furious") spielt sie mit blitzenden Mandelaugen und einem so raffiniert ausgeschnittenen Kleid, dass man nicht anders kann, als von einem berückenden Auftritt zu sprechen. Der Psychologe William Moulton Marston erfand Wonder Woman 1941, weil ihm die noch junge Superhelden-Welt – Superman schwirrte erst seit drei Jahren herum – zu männlich erschien; dieses rabiate Bondage-Girl, das mit seinen Armreifen Geschosse abwehren kann, ist ein frühes Produkt der Frauenquote.

Wenn man jetzt noch weiß, dass Marston seine neue Superheldin nach dem Vorbild einer Kollegin modelte, mit der er später ins Bett ging, unter Billigung und Mittun seiner Frau, weshalb man von diesen polyamoren Psychologen in Anlehnung an die Fantastischen Vier von den Flotten drei sprechen könnte, wenn man das weiß und außerdem, dass Marston zuvor wirklich und wahrhaftig den Lügendetektor erfunden hatte, wird einem allmählich klar, wie viel Geschichte und Geschick noch im nebensächlichsten Superhelden steckt.

Der Regisseur kann nichts dafür

Die Welt der DC-Comics, Patenthalter von Batman, Superman und Wonder Woman, umfasst ein verschlungenes Multiversum, mit zig parallelen Realitäten, in denen die Guten mitunter die Bösen sind, in denen Superman gleichzeitig tot und lebendig sein kann. Allein fleißigste Forscher und unermüdliche Enthusiasten behalten den Überblick. "Dawn of Justice", was auf Deutsch etwas sperrig Gerechtigkeitsdämmerung heißt, ist ein früher Setzling in einem bald wuchernden Dschungel aus angekündigten Sequels, Prequels und wahrscheinlich noch anderen Quels: "Suicide Squad", "Wonder Woman", "The Justice League", "The Flash", "Aquaman" sind bloß die ersten in der Pipeline. Der große Konkurrent Marvel ("Spiderman", "The Avengers") ist mit der Übersetzung seiner Comics ins Kino seit Jahren enorm erfolgreich. DC Comics will nicht länger nachstehen.

Regisseur der aktuellen Supersause ist Zack Snyder. Vor ein paar Jahren verantwortete er schon "Man of Steel", die erste Superman-Verfilmung mit Henry Cavill. Der Mann sieht aus wie geschnitzt und spielt auch so: ziemlich hölzern. Dafür empfiehlt er sich mit seinem amerikanischen Lächeln als Zahnpastamodel. Noch besser ist er, wenn er den Mund geschlossen hält – einfach übermenschlich, dieser Unterkiefer. Das ist allerdings eine durchaus getreue Umsetzung des Comic-Charakters. Vielen gilt Superman als der langweiligste Superheld überhaupt. Er kann fliegen, ist mehr oder weniger unendlich stark und kriegt nie Kopfschmerzen, nicht mal, wenn ein Hochhaus über ihm zusammenbricht. Das muss man verstehen. Er begründete das Genre, seine Erfinder hatten noch keine Erfahrung. Das Feintuning saß noch nicht, wie bei Apple-Geräten der ersten Generation.

Henry Cavill sieht aus wie geschnitzt und spielt auch so: ziemlich hölzern. (Foto: Warner Bros)

Snyder kann also nichts dafür. Er ist ein gewissenhafter Exeget und Übersetzer des zeichnerischen Erbes. Seine Interpretation beschreibt man am besten mit historischer Aufführungspraxis. Analog zur klassischen Musik meint das eine liebevolle Neuschöpfung des Stils vergangener Epochen mit authentischem Instrumentarium. Besonders liebt Snyder die Arbeiten von Frank Miller, einem mürrischen Kauz, der in den Achtzigern einem auf den Hund gekommenen Batman wieder aufhalf. Und zwar eben, indem er ihn auf den Hund kommen ließ.

Ben Affleck ist der dickste Batman aller Zeiten

Miller erfand den "Dark Knight", eine ambivalente Figur, die alle Abgründigkeit, die ihr jahrzehntelang latent innegewohnt hatte, plötzlich ausagierte. Eleganz wich Wucht, Edelmut Bösartigkeit, Gelassenheit Hass, der Gummianzug einem Panzer. Bei Miller ducken sich die Fledermausohren wie Dornen aus der Maske, die Nasenwurzel ist permanent zur wütenden Falte verzerrt, die Augen blitzen hellweiß und pupillenlos durch Schießschartenschlitze.

Dieser Batman, gequält, traumatisiert, irrlichtert schlaflos durch die Nacht, sein eigener fleischgewordener Albtraum. Selbst vor dem Töten schreckt er nicht zurück. Damit erinnert er an die Anfänge der selbst ernannten Ein-Mann-Bürgerwehr: In seinem Comic-Debüt im Mai 1939 verpasste Batman einem Bösewicht einen Faustschlag, der diesen hinterrücks in einen Säuretank stürzen ließ.

Ben Affleck fehlt der Pokerface-Aplomb von Christian Bale aus den Christopher-Nolan-Verfilmungen. Er sieht aus wie ein nettes Dickerchen, das gestern zu lange gefeiert hat. An der Klimmstange turnt offensichtlich ein Bodydouble. Dieser Batman hat nichts Leichtes, er ist ein Getriebener, der die dicken Lastwagenreifen wahrscheinlich nicht aus Fitnessgründen durch die Bathöhle zieht, sondern aus purem Selbsthass. Dass er die Leute meistens nicht umbringt, sondern nur empfindlich verletzt, ist wiederum purer Sadismus.

Superman, o Superman

In "The Dark Knight Returns" von 1986, im Comic-Kanon ein Klassiker vom Rang des "Faust", lässt Miller diesen soziopathischen Wüstling gegen Superman antreten, aus Gründen, die nicht ganz klar werden. Dem paranoiden Griesgram behagt Supermans Saubermannimage nicht; außerdem sollte kein Mensch so viel Macht haben, findet der militarisierte Multimilliardär – besonders, wenn er kein Mensch ist, sondern eine Art Flüchtling, ein Alien vom Planeten Krypton.

Auf dem Höhepunkt dieser bildgewaltigen Saga stoppt Superman eine russische Atomrakete im freien Flug und bringt sie in einer Wüste, in der allein melancholische Frösche leben, zur Explosion. Im radioaktiven Fallout kollabieren seine sonst so markigen Gesichtszüge; der Übermensch sieht plötzlich aus wie ein KZ-Häftling, eine traurige Puppe nach dem Waschgang, mit expressionistisch verrenkten Gliedern.

Hauptsache es kracht: Als Zuschauer wünscht man sich manchmal in einen anderen Film (Foto: Warner Bros)

Synder borgt sich Motive des Comics. Die Atombombe geht hoch, im erdnahen Weltall, wohin Superman, als flöge er wirklich durch "Faust II", einen Homunkulus, halb Mensch, halb Kryptonier, befördert hat. Bloß ist der Homunkulus bei Goethe ein cleveres Kerlchen. Bei Snyder wankt ein gigantischer Godzilla heran, trotz seiner ausgeprägten Muskulatur seltsam amorph, als markierten seinen Körperumriss nicht zu Ende gedachte Plotlinien. Unter einem glühenden Himmel bekämpfen Batman, Superman und Wonder Woman diesen Abgesandten der Hölle. Logisch, dass bei Lex Luthor, dem Superschurken, der ihn schuf, Hieronymus Bosch über dem Bett hängt.

Schon lange nicht mehr so fremdgeschämt

Jesse Eisenberg, den man als zutraulich-überspannten Nerd aus Woody-Allen-Filmen kennt, spielt diesen Fiesling als verwöhntes Kind mit üppigem Taschengeld. Im Gegensatz zu Wonder Womans Amazonen-Porno-Chic, Batmans Kampfroboterrüstung und Supermans Senatorenumhang ist Luthor fashionmäßig wesentlich entspannter. Unterm Seersucker trägt er ein T-Shirt mit Banksy-Motiv. Klar, dass er für einen nicht unambitionierten Anschlag auf das Kapitol, den Sitz des amerikanischen Kongresses, einen Graffitisprayer engagiert.

Während die wirre Handlung unerbittlich über einen hereinstampft wie die Kolben des Batmobils, gegen das der neue Bugatti aussieht wie ein Fiat Punto, wünscht man sich manchmal in einen anderen Film. Eine romantische Komödie mit Eisenberg und Gal Gadot, mit Jeremy Irons als ahnungslos tuendem Strippenzieher. Hier spielt er bloß Batmans Butler Alfred, ohne sich groß was anmerken zu lassen. Zuweilen staunt er großäugig in die Kamera, als könne er nicht fassen, was für einen patriotischen Quark Batman da schon wieder aufsagen muss.

Aber immer noch besser als die Love-Interest-Momente, die Superman mit Amy Adams hat. Im schlimmsten Fremdschäm-Augenblick steigt Clark Kent, wie Superman heißt, wenn er die blaue Leggings gegen steife Chinos tauscht und den Laserblick hinter einem Kassengestell verbirgt, komplett angezogen zu Lois Lane in die Badewanne. Das ist ein Horror, gegen den das furchtbarste Alien-Monster verblasst.

 

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