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Schicksalsberg der Deutschen Die Erstbesteigung des Nanga Parbat

Am 3. Juli 1953 bestieg Hermann Buhl als Erster den Nanga Parbat. Beim Versuch den "Schicksalsberg der Deutschen" zu bezwingen, starben viele Bergsteiger - auch der Bruder von Reinhold Messner.

Die Einheimischen nennen den Nanga Parbat auch Diamir, "König der Berge". Er hat noch einen Beinamen: Schicksalsberg der Deutschen. Ein Dutzend deutscher und deutschsprachiger Bergsteiger kamen dort ums Leben, ehe der Österreicher Hermann Buhl als erster Mensch den Gipfel erreichte. Das war am 3. Juli 1953 - mit der Expedition des Münchner Arztes Karl Herrligkoffer.

"Hier stehe ich nun, seit Erdenbestehen der erste Mensch, auf diesem Fleck, am Ziel meiner Wünsche", schrieb Buhl damals. "Doch nichts von berauschendem Glück, nichts von jauchzender Freude, nicht das erhebende Gefühl des Siegers verspüre ich in mir. Ich bin mir der Bedeutung dieses Augenblicks nicht im geringsten bewusst. Ich bin vollkommen fertig!", zitiert ihn die neue "Chronik der Erschließung". Mit schweren Erfrierungen schafft er den Abstieg.

"Schwieriger als der Mount Everest"

Nanga Parbat - zu deutsch "Nackter Berg" wegen seiner fast schneefreien Gipfelzone - ist mit 8125 Metern der neunthöchste Gipfel. Der Berg im pakistanischen Teil Kaschmirs gilt als weit schwieriger als der gut 700 Meter höhere Mount Everest. Während dort teils Hunderte pro Saison mit kommerziellen Touren starten, gab es am Nanga Parbat insgesamt nur ein paar hundert erfolgreiche Besteigungen. Dutzende Alpinisten und Sherpas ließen ihr Leben, unter ihnen viele deutschsprachige Bergsteiger: Als erster 1934 Willy Merkl, Halbbruder des späteren Expeditionsleiters Herrligkoffer, 2008 der Südtiroler Karl Unterkircher.

Bruder von Reinhold Messner verunglückte am Nanga Parbat

1970 kam nach der Erstbesteigung der extremen Rupalwand Reinhold Messners jüngerer Bruder Günther um. Die genauen Umstände blieben ungeklärt und sorgten für jahrelangen Streit zwischen Messner und seinen Ex-Kameraden. Auch Messner und Herrligkoffer überhäuften sich gegenseitig mit Vorwürfen. Dabei hielt der Berg beide im Bann. Beide kehrten immer wieder zurück, hatten doch beide einen Bruder verloren.

Messner unternahm diverse Expeditionen, teils um nach Günthers Leichnam zu suchen; 1978 schaffte er am Nanga die erste Solobegehung eines Achttausenders. Herrligkoffer leitete zehn Expeditionen. "Er war wie Messner besessen von dem Berg", sagt Georg Ritter von der Herrligkoffer-Stiftung, Erstbesteiger des Rupalpfeilers. "Der Nanga wurde erschlossen von Herrligkoffer. Es war mehr oder weniger sein Berg." Hans Saler, Teilnehmer der 1970er-Expedition schreibt: "Herrligkoffer war kein Bergsteiger, doch er wollte das Lebensziel seines Bruders verwirklichen, zumindest hängt ihm dieser Ruf nach und er selbst hörte ihn gerne."

"Schicksalsberg der Deutschen"

Als in den 1920er Jahren die Expeditionen im Himalaya beginnen, scheinen die Achttausender rasch national aufgeteilt. Die Engländer, früh an vielen Bergriesen aktiv, konzentrieren sich auf den Mount Everest, die Franzosen auf die Annapurna, die Italiener auf den K2, die Deutschen auf den Nanga Parbat. Erstmals dokumentierte um 1856 der Münchner Adolph Schlagintweit in Bildern die Hochregionen. Nach dem Scheitern des Engländers Albert Mummery 1895 ist es Merkl, der 1932 und 1934 aufbricht - und nicht zurückkehrt. Vier Deutsche und mehrere Sherpas sterben. Die in Deutschland von den Nazis gleichgeschaltete Presse prägt das Schlagwort "Schicksalsberg der Deutschen".

1937 begräbt eine Lawine sieben Alpinisten und neun Sherpas. Eine vorsichtigere Expedition 1938 kommt nicht weit.

1953 ist Herrligkoffer erfolgreich. Erst 1962 schaffen Bergsteiger - wieder mit Herrligkoffer - zum zweiten Mal den Gipfel. Wieder fordert der Berg Tribut: Toni Kinshofer und Anderl Mannhardt erleiden schwere Erfrierungen, Siegfried Löw stirbt. Er rutscht einen Schneehang hinab und stürzt über Felsen. "Ich glaube, dass er bewusst runterrutschen wollte", sagt Mannhardt. Vermutlich, um im Abstieg Kraft zu sparen.

Große Freude über den Erfolg gab es nicht. "Einer tot und zwei mit schwersten Erfrierungen - da gab es nichts zu freuen", sagt Mannhardt. Trotz Amputationen an den Füßen geht er weiter in die Berge. Einen Achttausender wagt er nicht mehr. "Für mich ist der Nanga Parbat auch mein persönlicher Schicksalsberg."

Erst vor einer Woche gab es erneut ein tödliches Drama an dem Berg
- dieses Mal kein bergsteigerisches, sondern ein politisches. Taliban erschossen im Basislager zehn ausländische Bergsteiger und einen pakistanischen Helfer. Bergsteiger dürften Land und Berg nun erst einmal für geraume Zeit fernbleiben.

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