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Euro-Kurs Wo der Urlaub derzeit am günstigsten ist

Norwegen ist etwas erschwinglicher, Schweden wieder teurer: Wie viel "deutsche" Euro im Ausland wert sind, schwankt. Außerhalb Europas sind reisende Euro-Verdiener besonders in drei Ländern Könige.

Es gibt eine Zeit, in der auch jene Menschen mit dem Euro versöhnt werden, die sonst mit der Währung fremdeln: der Urlaub. Die Gemeinschaftswährung macht das Reisen und Bezahlen innerhalb der 18 Staaten umfassenden Währungsunion zu einem Kinderspiel. Außerhalb der Union hat die Devisenmarktentwicklung der letzten Zeit den Urlaub aber deutlich teurer gemacht. 

Ein zweigeteiltes Bild ergibt sich bei den Skiferien. Die teuersten Pisten finden sich in der Schweiz. In Zermatt am berühmten Matterhorn müssen sich deutsche Urlauber mit rund 60 Prozent ihrer heimischen Kaufkraft begnügen. Das rührt daher, dass der Schweizer Franken eine der teuersten Valuten der Welt ist. Ökonomen halten das Geld der Eidgenossen für bis zu drei Viertel überbewertet, auch wenn der Kurs zuletzt nachgegeben hat.

Umgekehrt können sich Touristen, die zum Skifahren nach Tschechien reisen, deutlich mehr leisten als in der Heimat. Die Kaufkraft des deutschen Euro dort liegt fast zwei Drittel höher als hierzulande. Einen noch besseren Schnitt machen Reisende beim Après-Ski in polnischen Feriendomizilen. In unserem östlichen Nachbarland Polen können sie sich für einen Euro leisten, was bei uns 1,87 Euro kostet.

"In der Schweiz gibt es fürs Geld am wenigsten, in Polen am meisten", sagt Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken. In diese Kaufkraftberechnung, wie sie die Forschungsabteilung der OECD vornimmt, fließen nicht nur Wechselkursveränderungen ein, sondern auch das lokale Preisniveau.

Wo der Euro noch richtig etwas wert ist

Gerade in Ostmitteleuropa könnten Touristen aus Deutschland von den niedrigen Kosten vor Ort profitieren. Günstige Reiseländer sind Ungarn (Kaufkraft des deutschen Euro: 1,79 Euro) und die Slowakei (1,51 Euro).

"In Italien ist das Preisniveau ähnlich wie in der Bundesrepublik", erklärt Beller. Etwas teurere Abfahrten gibt es in Österreich. Wegen der dort tendenziell höheren Preise haben Deutsche in der Alpenrepublik im Schnitt eine um fünf Prozent niedrigere Kaufkraft als zu Hause.

(Foto: Infografik Die Welt)

Das Gleiche gilt für Frankreich, wo der deutsche Euro ebenfalls etwas weniger wert ist. Ins Geld geht der Urlaub – und das schon traditionell – in den skandinavischen Ländern, wobei Trips nach Schweden im Vergleich zum Vorjahr tendenziell teurer, Trips nach Norwegen dagegen billiger geworden sind. Aber das muss nicht so bleiben.

Rohstoff exportierende Länder bleiben unter Druck

"Die norwegische Wirtschaft hat stark unter dem Verfall der Ölpreise zu leiden. Bei einer Besserung der europäischen Konjunktur und anziehenden Energiepreisen dürfte die norwegische Krone 2016 gegenüber dem Euro allerdings wieder zulegen", sagt Dario Sigron, Devisenexperte bei GAM Investment Management. Schon jetzt beträgt die Urlauber-Kaufkraft in Oslo nur 74 Cent.

Durch Fernreisen lassen sich echte Währungsschnäppchen machen: Zu den billigsten Ländern überhaupt zählt Südafrika. Nach Berechnungen der OECD ist der Urlaubs-Euro dort mehr als doppelt so viel wert wie daheim. Ein Grund ist der Absturz der südafrikanischen Währung im Rohstoffcrash. Allein in den vergangenen zwölf Monaten ist der Wechselkurs des Rand zum Euro um mehr als ein Viertel abgesackt.

Noch schlimmer traf es nur den brasilianischen Real und den argentinischen Peso: Die Devisen der beiden großen südamerikanischen Volkswirtschaften haben seit Anfang 2015 um mehr als 30 Prozent abgewertet. Und es ist durchaus wahrscheinlich, dass diese Schwäche anhält. "Die Währungen der Schwellenländer sowie der Rohstoff exportierenden Länder dürften in diesem Jahr unter Druck bleiben", sagt Gerhard Winzer, Chefökonom der Investmentgesellschaft Erste Asset Management. Es sei keineswegs ausgeschlossen, dass es dabei zu einer Übertreibung nach unten komme.

Schlechte Karten für USA-Reisende

Anders ist die Entwicklung der Hauptwährungen Dollar, Pfund, Schweizer Franken, Euro und Yen. Eine mächtige Verschiebung gab es in den vergangenen drei Jahren zwischen dem Dollar und dem Euro – zum Leidwesen hiesiger Amerikafahrer. Noch vor drei Jahren konnten sich Deutsche in New York, Chicago oder Miami für einen Euro Waren und Dienstleistungen im Gegenwert von 1,09 Euro leisten. Das ist Vergangenheit. Heute ist der deutsche Euro in den Staaten nur mehr 0,89 Euro wert. Indes scheint die rasante Talfahrt des Jahres 2015 gestoppt.

Das Gros der Devisenanalysten rechnet zwar mit einer weiteren Abschwächung der europäischen Währung. Doch eine starke Minderheit geht inzwischen davon aus, dass der Euro das Schlimmste bereits hinter sich hat. Dafür spricht: Schon nach der jüngsten Ankündigung weiterer Liquiditätsspritzen durch EZB-Chef Mario Draghi hat der Wechselkurs nicht mehr reagiert.

Pfund könnte sogar noch steigen

Beim britischen Pfund scheiden sich die Geister. Schon jetzt gilt der Sterling an den Devisenmärkten als zu teuer. Deutsche Urlauber bekommen in Manchester oder Edinburgh für ihr Geld nur knapp drei Viertel dessen, was sie hierzulande bekommen.

Ökonomen sehen die Inselwährung zum Euro um rund 13 Prozent überbewertet, wie aus Daten des Informationsdiensts Bloomberg hervorgeht. Doch sind Konjunktur, Arbeitsmarkt und Inflation im Vereinigten Königreich so stabil, dass die Bank of England lange vor der Europäischen Zentralbank Zinserhöhungen verkünden könnte. Das würde das Pfund stärken. Auf der anderen Seite registrieren die Akteure sehr genau, wie sich die Stimmung vor dem erwarteten Brexit-Referendum entwickelt. Ein Ausscheren aus der Europäischen Union gilt als Negativereignis für den Sterling. Investitionen auf der Insel würden zurückgefahren, die Währung wäre weniger gefragt. "Das britische Pfund könnte 2016 aufgrund von Brexit-Erwartungen unter Druck geraten", meint Chefökonom Winzer.

Für die EU wären das schlechte Nachrichten. Aber für London-Besucher hätte es auch Vorteile. Die englische Hauptstadt ist jetzt schon als teures Pflaster verschrien.

Für Urlauber lohnt es sich, erst im Urlaubsland Bargeld zu tauschen. Meist ist es die günstigste Variante, sich mit der Girocard (früher EC-Karte) Geld vom eigenen Konto in Fremdwährung zu ziehen. Allerdings können bei der Auszahlung am Geldautomaten vor Ort Gebühren anfallen. Am besten erkundigen sich Reisende vor dem Urlaub bei ihrer Bank, wie hoch diese Kosten in dem jeweiligen Land sind.

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